Wie die Hitze Europa in diesem Sommer im Würgegriff hält
Der Sommer 2026 ist bis jetzt mindestens so heiss gewesen wie der Rekordsommer 2003. An einigen Stationen sei die Zahl der Hitzetage bereits höher als damals, teilte das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie Meteoschweiz auf Anfrage mit.
Die Hitzewellen halten aber nicht nur die Schweiz, sondern weite Teile Europas und sogar die ganze Nordhalbkugel im Würgegriff. Hier eine Übersicht über die Auswirkungen in den verschiedenen Ländern:
Deutschland
Infolge der besonders heissen Woche Ende Juni sind nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) deutlich mehr Menschen in Deutschland hitzebedingt gestorben als bisher angenommen. Etwa 9600 Sterbefälle gehen auf die Woche vom 22. bis 28. Juni zurück. Insgesamt erhöht sich die Zahl der hitzebedingten Sterbefälle in diesem Jahr laut RKI auf schätzungsweise 11'900.
Typischerweise werde ab einer Wochenmitteltemperatur von 20 Grad, also dem Durchschnitt der Tages- und Nachttemperaturen einer Woche, ein hitzebedingter Anstieg der Sterblichkeit sichtbar. Vom 22. bis 28. Juni lag die deutschlandweite Wochenmitteltemperatur dem RKI zufolge im Durchschnitt bei 26,4 Grad und damit weit oberhalb dieser Schwelle. In allen 16 Bundesländern wurde in dieser Woche eine mittlere Temperatur über 20 Grad gemessen.
Für die nächste Woche wird für Deutschland bereits eine erneute Hitzewelle angekündigt, es wäre die fünfte des aktuellen Sommers. Regional sind hier auch für nächste Woche wieder 40 Grad angesagt.
Frankreich
In der Region nahe der Grossstadt Bordeaux wüteten bislang die massivsten Brände der Saison in Frankreich, auf einer Fläche von 42'000 Hektar. 224'000 Menschen waren evakuiert worden, bislang durften nach Behördenangaben aber bereits 198'000 von ihnen zurückkehren. Insgesamt seien in Frankreich seit Beginn des Jahres 119'000 Hektar von Waldbränden erfasst worden, erklärte Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez laut Medien.
Der Juli war der heisseste je in Frankreich gemessene Monat in der Messgeschichte, teilte der Wetterdienst Météo France diese Woche mit. Für die nächste Woche sind besonders für den Süden und den Osten des Landes wieder Maximaltemperaturen von über 35 Grad angesagt.
Italien
Wegen einer anhaltenden Hitzewelle gilt jetzt in Italien in allen 27 Grossstädten, die unter Beobachtung des Gesundheitsministeriums stehen, die höchste Warnstufe für Hitzealarm. Alarmstufe Rot wird von der Regierung in Rom erlassen, wenn es extreme Hitze verbunden mit hoher Luftfeuchtigkeit gibt. Das bedeutet akute Gesundheitsgefahren nicht nur für ältere Menschen und andere Risikogruppen, sondern auch für Gesunde und sportlich Aktive.
Die höchste Alarmstufe Rot gilt nun von Nord bis Süd, von Bozen in Südtirol bis Palermo auf der Mittelmeerinsel Sizilien. Vielerorts werden am Donnerstag Temperaturen von mehr als 35 Grad erwartet. Für Städte wie Florenz in der Toskana und die Hauptstadt Rom, die auch von vielen Touristen besucht werden, stellen Meteorologen Spitzenwerte von mehr als 40 Grad in Aussicht. An Trinkwasserbrunnen bilden sich dort lange Schlangen.
Die Hitzewelle wird nach Vorhersagen bis Mitte August dauern. Am Freitag soll es aber zumindest im Norden mit den Temperaturen etwas nach unten gehen. Nach den Messungen des Gesundheitsministeriums wird Bozen dann von der Liste der Städte mit Alarmstufe Rot gestrichen, so dass 26 Städte übrig bleiben. Zudem sind in Südtirol Hitzegewitter möglich.
Spanien
Verheerende Waldbrände wüteten nicht nur in Frankreich, sondern auch in Spanien. Der Einfluss des Klimawandels sei hier besonders deutlich zu spüren: Die Wahrscheinlichkeit derartiger Waldbrände sei in Spanien um den Faktor 20 gestiegen, wie Wissenschaftler der Organisation World Weather Attribution (WWA) berechnet haben.
Die aktuellsten Waldbrände in Frankreich und Spanien gehören zu den verheerendsten in der Geschichte der Länder und haben Hunderttausende zur Flucht aus ihren Häusern gezwungen. Die aktuelle Hitze erschwert die Bekämpfung zusätzlich.
Grossbritannien
Die Menschen in England und Wales haben im vergangenen Monat vorläufigen Daten zufolge den trockensten Juli seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1836 erlebt. Das teilte der britische Wetterdienst Met Office mit.
«Die Kombination aus rekordverdächtiger Trockenheit, aussergewöhnlicher Wärme und beispiellosem Sonnenschein hat einen der bemerkenswertesten Sommermonate in unseren historischen Aufzeichnungen hervorgebracht», sagte Amy Doherty vom Met Office laut Mitteilung. In England und Wales war der Juli zudem der sonnigste Kalendermonat seit Beginn der Aufzeichnungen.
Vor allem grosse Teile Englands und Wales kämpfen seit Wochen mit extremer Trockenheit. Laut des Met Office gab es im Juli in 19 englischen Grafschaften praktisch keinen Regen. Etwa 23 Millionen Menschen sind der Nachrichtenagentur PA zufolge derzeit von Bewässerungsverboten betroffen, da Flüsse und andere Gewässer unter niedrigen Wasserständen leiden. Für ganz Wales sowie Teile Englands wurde zuletzt der Dürrezustand ausgerufen. Zudem kam es zu Wald- und Flächenbränden.
Insgesamt verzeichnete Grossbritannien den zweitwärmsten Juli seit Beginn der Aufzeichnungen.
Griechenland
Elf Ortschaften mussten im Laufe der Woche in Griechenland wegen Waldbränden evakuiert werden, darunter der Küstenort Psatha am Golf von Korinth, wo die Flammen anschliessend auch Häuser erreichten. Auf dem Meer halten sich Boote der Küstenwache und private Bootsbesitzer für mögliche Rettungseinsätze bereit.
Überall in der Region ist zudem die Polizei im Einsatz: Immer wieder werden Strassen gesperrt und der Verkehr muss umgeleitet werden. Schätzungen zufolge sind bislang 8000 Hektar verbrannt. Die Waldbrandgefahr bleibt hoch – auf Stufe vier von fünf in der betroffenen Region.
Serbien
In Serbien wütet im Banater Dünenland östlich der Hauptstadt Belgrad ein Vegetationsbrand. Die Flammen zerstörten bereits eine Fläche von 300 Hektar, wie serbische Medien unter Berufung auf das Innenministerium berichteten. Zur Brandbekämpfung seien 80 Einsatzkräfte und drei Helikopter des Innenministeriums aufgeboten worden. Deren Arbeit würden nicht nur Trockenheit und Hitze erschweren, sondern auch Winde, die das Feuer immer wieder weitertragen.
Das Banater Dünenland, auch «Banater Sandwüste» genannt (serbisch: Deliblatska pescara), ist ein rund 300 Quadratkilometer grosses Dünen- und Waldgebiet in der serbischen Nordprovinz Vojvodina, das sich nördlich der Donau erstreckt. Es besteht aus Wäldern, Grasland und offenen Sandflächen und gilt als das grösste zusammenhängende Sandgebiet in Europa.
Es steht unter Naturschutz und beherbergt rund 900 Pflanzenarten. Wegen seines aussergewöhnlichen Vogelbestands zählt es ausserdem zu den bedeutendsten Vogelschutzgebieten Europas.
Ungarn
Der durch Hitze und Trockenheit bedingte Rekordtiefstand der Donau hat den Verkehr der Flusskreuzfahrtschiffe auf dem Budapester Abschnitt des Stromes zum Erliegen gebracht.
«Kein Schiff kommt weiter als bis nach Komarom», sagte Lilla Lassu, Vizepräsidentin des Ungarischen Verbands der Incoming-Unternehmen, dem ungarischen Fernsehsender RTL Klub. Komarom ist ein Donauhafen, der rund 120 Kilometer flussaufwärts von Budapest liegt.
Die Passagiere würden dort in Busse umsteigen, die sie zu ihren Besichtigungsprogrammen oder zum Flughafen der ungarischen Hauptstadt bringen, fügte die Fremdenverkehrsfunktionärin hinzu. Nach Darstellung des ungarischen Verkehrsministeriums liegen derzeit sieben internationale Hotelschiffe im Donauhafen Komarom.
Der Pegelstand der Donau betrug am Donnerstagmorgen in Budapest nach Angaben der Landeswasserdirektion gerade einmal 23 Zentimeter. Den Rekord-Tiefstand hatten die Messstellen in Budapest am letzten Sonntagabend mit 9 Zentimetern verzeichnet.
USA
Im Bundesstaat Washington im Nordwesten der USA haben drei Grossbrände ganze Wohngebiete verwüstet. Gent Welsh von der Nationalgarde in dem Westküstenstaat verglich die Zerstörung in der betroffenen Region rund um die Stadt Spokane mit einem «Kriegsgebiet». Behördenangaben zufolge brannten dort mehr als 700 Häuser und andere Gebäude ab. Verletzte oder Tote seien bislang aber nicht gemeldet worden, hiess es am Montag (Ortszeit).
Die Feuer seien vermutlich die «schlimmste Naturkatastrophe» in dieser Region, sagte Washingtons Gouverneur Bob Ferguson. Dave Upthegrove, Beauftragter für staatliche Ländereien, sprach von einer «historischen Waldbrandsaison», die schon relativ früh im Sommer verheerende Ausmasse erreicht habe. Seinen Angaben zufolge brennen derzeit in dem Bundesstaat 17 grössere Feuer auf einer Fläche von über 100'000 Hektar Land. Rund 5000 Einsatzkräfte kämpften in dem Bundesstaat gegen die Brände an.
Allein im Raum Spokane waren mehr als 65'000 Menschen dazu aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen – mehr als ein Drittel der Bevölkerung. Die Ursache für die Brände wird derzeit noch untersucht. Am Montag sei ein 37-Jähriger festgenommen worden, teilte das örtliche Sheriff-Büro mit. Ihm werde Brandstiftung vorgeworfen.
(leo, mit Material der sda)
