Patrick Bruel in Polizeigewahrsam: Was bisher bekannt ist
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Patrick Bruel ist am Montagmorgen bei der Kriminalpolizei in Paris in Polizeigewahrsam genommen worden. Wie franceinfo berichtet, wird der 67-jährige Sänger und Schauspieler im Zusammenhang mit mehreren Anzeigen wegen sexueller Gewalt befragt. Die Fälle werden von der Staatsanwaltschaft in Nanterre zentral bearbeitet.
Laut franceinfo dürfte er sich auch zu mehreren neuen Vorwürfen äussern müssen, die jüngst bei der Justiz eingegangen sind. Dazu gehören laut dem öffentlich-rechtlichen Medium unter anderem die Beschwerden von:
- 1997, Acapulco (Mexiko): Daniela Elstner wirft Patrick Bruel versuchte Vergewaltigung und sexuelle Nötigung vor.
- 2000, Monaco: Eine Kulturjournalistin reichte Anzeige wegen versuchter Vergewaltigung ein.
- 2002 und 2003: Eine ehemalige Mitarbeiterin von Patrick Bruels Plattenlabel wirft ihm zwei sexuelle Übergriffe vor.
- 2008, Metz: Im Zusammenhang mit mutmasslichen Vorfällen aus diesem Jahr wurde Anzeige erstattet. Die genaue Art der Vorwürfe wird im Artikel von franceinfo nicht präzisiert.
- 2012, Dinard (Ille-et-Vilaine): Eine Frau beschuldigt den Sänger, sie während eines Filmfestivals vergewaltigt zu haben. Laut franceinfo wurde der Fall von der Staatsanwaltschaft Saint-Malo an die Staatsanwaltschaft Nanterre übertragen.
Nicht im Zusammenhang mit Flavie Flament
Während der laufenden Ingewahrsamnahme werden nicht alle Verfahren aufgegriffen. So bleibt etwa die von der Moderatorin Flavie Flament eingereichte Klage mit Zivilklageanschluss ebenso aussen vor wie bereits bekannte Dossiers der Staatsanwaltschaft Nanterre.
Laut franceinfo kann die Polizeigewahrsamnahme bis zu 48 Stunden dauern. Am Ende dieser Frist kann Patrick Bruel entweder freigelassen oder einem Richter vorgeführt werden.
Was sagt Bruel?
Der Künstler weist alle Vorwürfe zurück. Sein Anwalt Christophe Ingrain betont: Sein Mandant habe nie versucht, jemanden zu sexuellen Handlungen zu drängen – und ein Nein sei für ihn nie überschritten worden.
Der Sänger habe schon seit Wochen signalisiert, dass er für die Justiz bereitstehe, um sich endlich im laufenden Verfahren vor der zuständigen Behörde zu äußern – so seine Anwälte Christophe Ingrain, Céline Lasek und Fanny Colin in einer Stellungnahme.
Die Anhörung findet unter massivem medialem Druck statt. Nach mehreren Berichten von Mediapart wurden in Paris mehrere Vorstellungen seines Stücks gestrichen. Auch ein grosser Teil der Sommertour ist abgesagt worden. Zudem hat sich der Künstler aus der «Enfoirés»-Gruppe zurückgezogen, wie franceinfo berichtet. (jah/fwa)
