Giftige Meerestiere treiben an französische Atlantikküste – Strände gesperrt
An der französischen Südwestküste sind erneut Portugiesische Galeeren angespült worden. Wie französische Medien berichten, tauchen die gefährlichen Meerestiere wieder in grosser Zahl an der Atlantikküste auf – sowohl in der Bretagne als auch im Baskenland. Der Strand von Mimizan musste am Mittwoch vollständig gesperrt werden. Auch am Strand von Ilbarritz nahe Biarritz wurden Physalien bereits gesichtet.
Die Meerestiere ähneln optisch Quallen und wirken auf den ersten Blick harmlos: Ein violett schimmernder, transparenter Blasenkörper, der auf der Wasseroberfläche treibt. Es handelt sich dabei nicht um echte Quallen, sondern um Polypenkolonien, in denen jedes Individuum eine bestimmte Aufgabe übernimmt.
Bei Kontakt mit den Tentakeln erleidet der Mensch starke Schmerzen und rote Striemen auf der Haut. In seltenen Fällen kann es zu einem allergischen Schock kommen, tödliche Verläufe treten jedoch selten auf.
Die Tentakel werden im Durchschnitt 10 bis 15 Meter lang können unter Wasser jedoch eine Länge von bis zu 50 Metern erreichen. Da die Tentakel extrem dünn und kaum sichtbar sind, kommt es deshalb häufig zu Verbrennungen, obwohl das Tier scheinbar weit entfernt schwimmt.
Behörden warnen: Nicht anfassen
Die zuständige Gesundheitsbehörde in der französischen Region warnte eindringlich davor, die Tiere anzufassen – auch wenn sie bereits am Strand liegen. Auch gestrandete Tiere oder abgerissene Tentakel am Strand bleiben über Tage hinweg giftig und stellen weiterhin ein Risiko dar.
Wer eines der Tiere sichtet, sollte umgehend die Rettungsschwimmer informieren. Falls es doch zu einer Berührung komme, solle man sofort das Wasser verlassen und die betroffene Stelle mit Meerwasser oder warmem Wasser und Essig abspülen.
Sichtbare Tentakel auf der Haut lassen sich demnach mit einer Pinzette, einem gefütterten Handschuh oder einer Kreditkarte entfernen. Trockener Sand könne den Schmerz lindern. Bei schweren Beschwerden sollte sofort der Notruf gewählt werden. Die Heilung dauert den Angaben zufolge zwischen 15 Tagen und drei Monaten.
#Été 🌞| #Physalie, #méduse, #anémone, grande #vive… Les animaux marins en Nouvelle-Aquitaine sont nombreux 🐟🪸🪼⚠ !
— ARS Nouvelle-Aquitaine (@ARS_NAquit) August 10, 2024
Bien qu’ils soient beaux, certains peuvent piquer ! ⤵
👀Restez vigilant : observez les eaux avant de vous baigner et regardez où vous mettez les pieds ! pic.twitter.com/ZtBJrl6v6l
Klimakrise bringt tropische Arten an Europas Küsten
Die «Portugiesische Galeere» ist eigentlich in wärmeren Gewässern wie dem Indischen oder Pazifischen Ozean zu Hause. In Australien tauchen die Tiere in bestimmten Regionen im Sommer in grossen Mengen auf – starke Winde treiben sie dabei an die Küste. Schwimmen können die Tiere nicht, ihre gasgefüllte Blase fungiert lediglich als Segel.
Im Norden des Bundesstaats Queensland schützen sich viele Badegäste während der Quallensaison deshalb mit sogenannten Stinger-Suits, einem Ganzkörperschutz aus Lycra. In erster Linie sollen diese jedoch vor zwei noch deutlich gefährlicheren Quallenarten der Region schützen: der Würfelqualle, deren Nesselzellen innerhalb weniger Minuten einen Herzstillstand auslösen können, sowie der winzigen Irukandji-Qualle. Deren Gift verursacht das sogenannte Irukandji-Syndrom – mit extremen Muskelkrämpfen, Erbrechen und lebensgefährlichem Bluthochdruck. In den kühleren Gewässern Europas können diese Arten nicht überleben.
Die «Portugiesische Galeere» dagegen vermehrt sich zunehmend auch in europäischen Gewässern. Das hat mehrere Gründe. Fachleute führen es unter anderem auf steigende Wassertemperaturen durch den Klimawandel zurück, die die Ausbreitung der Tiere begünstigen. Auch die Überfischung der Meere spielt eine Rolle, da ihre natürlichen Fressfeinde wie Schildkröten oder Mondfische durch die Fischerei stark dezimiert werden.
Schon im vergangenen Jahr hatte es wegen des vermehrten Auftauchens von Physalien an der baskischen Küste Strandsperrungen gegeben.

