International
Frankreich

Giftige Portugiesische Galeere in Frankreich: Strände geschlossen

Giftige Meerestiere treiben an französische Atlantikküste – Strände gesperrt

Portugiesische Galeeren treiben wieder an Frankreichs Atlantikküste. Strände wurden bereits gesperrt – doch selbst tote Exemplare bleiben gefährlich.
30.07.2026, 08:0030.07.2026, 08:00
Anna-Lena Janzen / t-online
Ein Artikel von
t-online

An der französischen Südwestküste sind erneut Portugiesische Galeeren angespült worden. Wie französische Medien berichten, tauchen die gefährlichen Meerestiere wieder in grosser Zahl an der Atlantikküste auf – sowohl in der Bretagne als auch im Baskenland. Der Strand von Mimizan musste am Mittwoch vollständig gesperrt werden. Auch am Strand von Ilbarritz nahe Biarritz wurden Physalien bereits gesichtet.

Portuguese Man o War - washed ashore on the beach Physalia physalis. Tobago. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: PatxMorris 10882283
Ein Kontakt mit der Portugiesischen Galeere kann für Menschen sehr schmerzhaft sein.Bild: www.imago-images.de

Die Meerestiere ähneln optisch Quallen und wirken auf den ersten Blick harmlos: Ein violett schimmernder, transparenter Blasenkörper, der auf der Wasseroberfläche treibt. Es handelt sich dabei nicht um echte Quallen, sondern um Polypenkolonien, in denen jedes Individuum eine bestimmte Aufgabe übernimmt.

Bei Kontakt mit den Tentakeln erleidet der Mensch starke Schmerzen und rote Striemen auf der Haut. In seltenen Fällen kann es zu einem allergischen Schock kommen, tödliche Verläufe treten jedoch selten auf.

Die Tentakel werden im Durchschnitt 10 bis 15 Meter lang können unter Wasser jedoch eine Länge von bis zu 50 Metern erreichen. Da die Tentakel extrem dünn und kaum sichtbar sind, kommt es deshalb häufig zu Verbrennungen, obwohl das Tier scheinbar weit entfernt schwimmt.

Behörden warnen: Nicht anfassen

Die zuständige Gesundheitsbehörde in der französischen Region warnte eindringlich davor, die Tiere anzufassen – auch wenn sie bereits am Strand liegen. Auch gestrandete Tiere oder abgerissene Tentakel am Strand bleiben über Tage hinweg giftig und stellen weiterhin ein Risiko dar.

Wer eines der Tiere sichtet, sollte umgehend die Rettungsschwimmer informieren. Falls es doch zu einer Berührung komme, solle man sofort das Wasser verlassen und die betroffene Stelle mit Meerwasser oder warmem Wasser und Essig abspülen.

Sichtbare Tentakel auf der Haut lassen sich demnach mit einer Pinzette, einem gefütterten Handschuh oder einer Kreditkarte entfernen. Trockener Sand könne den Schmerz lindern. Bei schweren Beschwerden sollte sofort der Notruf gewählt werden. Die Heilung dauert den Angaben zufolge zwischen 15 Tagen und drei Monaten.

Klimakrise bringt tropische Arten an Europas Küsten

Die «Portugiesische Galeere» ist eigentlich in wärmeren Gewässern wie dem Indischen oder Pazifischen Ozean zu Hause. In Australien tauchen die Tiere in bestimmten Regionen im Sommer in grossen Mengen auf – starke Winde treiben sie dabei an die Küste. Schwimmen können die Tiere nicht, ihre gasgefüllte Blase fungiert lediglich als Segel.

Im Norden des Bundesstaats Queensland schützen sich viele Badegäste während der Quallensaison deshalb mit sogenannten Stinger-Suits, einem Ganzkörperschutz aus Lycra. In erster Linie sollen diese jedoch vor zwei noch deutlich gefährlicheren Quallenarten der Region schützen: der Würfelqualle, deren Nesselzellen innerhalb weniger Minuten einen Herzstillstand auslösen können, sowie der winzigen Irukandji-Qualle. Deren Gift verursacht das sogenannte Irukandji-Syndrom – mit extremen Muskelkrämpfen, Erbrechen und lebensgefährlichem Bluthochdruck. In den kühleren Gewässern Europas können diese Arten nicht überleben.

Die «Portugiesische Galeere» dagegen vermehrt sich zunehmend auch in europäischen Gewässern. Das hat mehrere Gründe. Fachleute führen es unter anderem auf steigende Wassertemperaturen durch den Klimawandel zurück, die die Ausbreitung der Tiere begünstigen. Auch die Überfischung der Meere spielt eine Rolle, da ihre natürlichen Fressfeinde wie Schildkröten oder Mondfische durch die Fischerei stark dezimiert werden.

Schon im vergangenen Jahr hatte es wegen des vermehrten Auftauchens von Physalien an der baskischen Küste Strandsperrungen gegeben.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
14 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Roli_G
30.07.2026 08:56registriert Januar 2021
Gut zu wissen dass die Qualle mit der Kreditkarte entfernt werden kann. Nimmt sie auch Twint?
352
Melden
Zum Kommentar
14
Kongo: «Am schnellsten wachsender Ebola-Ausbruch aller Zeiten»
Angesichts des sich weiter ausbreitenden Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo rufen Experten der Vereinten Nationen zu einer massiven Ausweitung der Hilfsmassnahmen auf. «Die Zahl der Fälle steigt exponentiell an und verdoppelt sich alle 20 Tage. Dies ist ein weitaus schnelleres Wachstum als der Ausbau unserer Hilfsmassnahmen», sagte Julien Harneis, UN-Ebola-Koordinator.
Zur Story