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Seltenes Phänomen: Feuerwolke bedroht Frankreich

FILE - A pyrocumulonimbus, a giant cloud created by a large wildfire is seen in the Fontainebleau forest region, about 60 kilometers (37 miles) south of Paris, France, Monday, July 13, 2026. (AP Photo ...
Es ist das erste Mal überhaupt, dass dieses Wetterphänomen, die Pyrocumulonimbus-Wolke oder auch Feuerwolke, in Frankreich beobachtet wurde.Bild: Keystone

Seltenes Phänomen: «Unberechenbarer» Feuersturm bedroht Frankreich

Auch unter Feuerwehrleuten gefürchtet: In Frankreich wütet ein von Waldbränden erzeugter Feuersturm, der eine glühend heisse Wolke mit eigenem Wetter hervorbringt.
28.07.2026, 03:5428.07.2026, 03:54
Anna-Lena Janzen / t-online
Ein Artikel von
t-online

Bei den verheerenden Waldbränden im Südwesten Frankreichs ist ein Phänomen aufgetreten, das selbst hartgesottene Feuerwehrleute fürchten: ein von den Bränden erzeugter Feuersturm, der eine glühend heisse Wolke mit eigenem Wetter hervorbringt.

Löschen oder unter Kontrolle bringen lässt sich der Feuersturm meistens nicht, erklärte Brocardi. Die Winde wechseln ständig die Richtung. «Die Folge ist, dass er sich in alle Richtungen ausbreitet und mehrere Feuerfronten bildet, was die Lage völlig unberechenbar macht.»

«Das ist beispiellos», sagte der Sprecher des französischen Feuerwehrverbandes FNSPF, Eric Brocardi. «Es ist ein David-gegen-Goliath-Szenario», sagte Brocardi der AFP. Die Feuerwehrleute hoffen ihm zufolge auf eine «Schwachstelle», an der sie ansetzen können.

300'000 Menschen evakuiert

Bis zum Wochenende waren wegen der Feuer in Frankreich und Spanien mehr als 300'000 Menschen zur Flucht gezwungen. In Frankreich wüteten die Flammen vor allem im Südwesten des Landes, wo sie sich laut Innenminister Laurent Nuñez zuletzt «unkontrolliert» nahe der Stadt Bordeaux ausbreiteten. Am Sonntag rückten sie demnach bis auf 15 Kilometer an die Grenzen des Stadt-Grossraums heran.

42'000 Hektar Land in der Gironde fielen nach Angaben der Präfektur bislang den Flammen zum Opfer. 250'000 Menschen waren nach offiziellen Angaben bis Sonntagnachmittag in Frankreich von einer Evakuierungsaufforderung betroffen. Allein in der Umgebung von Bordeaux wurden mindestens 240 Häuser zerstört, viele davon in der Gemeinde Le Porge. Am Wochenende beteiligten sich an den Einsätzen gegen die Flammen im Département Gironde rund 2500 Feuerwehrleute, 1500 Militärangehörige und etwa 1200 Polizisten.

Blitze und Orkane aus der Feuerwolke

Die auch als Cumulonimbus flammagenitus bezeichnete Wolke entsteht, wenn sich bodennahe Luft so stark erhitzt, dass sie schnell zusammen mit Rauch, Wasserdampf und Asche aufsteigt, oft mehrere Kilometer hoch bis in die Stratosphäre. Dort trifft das Gemisch auf kühlere Luftmassen und erzeugt ein eigenes Wettersystem mit starken Winden, die das Feuer weiter anheizen.

Heftige Gewitter entstehen, die meist zu wenig Regen, aber zu heftigen Blitzen führen. Diese können auch in grosser Entfernung – vereinzelt über 30 Kilometer weiter – neue Brände entzünden. Oft schiessen Blitze aus der Wolke zu Boden und es entsteht ein grollendes Geräusch. Zudem treten in Gewitternähe starke Böen auf, teils mit Orkanstärke. Sie lassen schnell neue grosse Flächen brennen, vor allem wenn die Vegetation ausgedorrt ist.

«Ein kriegsähnliches Szenario»

Löschen oder unter Kontrolle bringen lässt sich der Feuersturm meistens nicht, erklärte Brocardi. Die Winde wechseln ständig die Richtung. «Die Folge ist, dass er sich in alle Richtungen ausbreitet und mehrere Feuerfronten bildet, was die Lage völlig unberechenbar macht.»

Brocardi zufolge gibt es dann nur zwei Auswege: Entweder es kommt Regen auf, «wobei es drei Tage lang heftig schütten müsste». Oder «wir finden einen Weg, das Feuer an einen Ort zu lenken, an dem es von selbst erlischt – zum Beispiel am Meer».

Bei der Feuerwolke im Südwesten Frankreichs konnten sich die Feuerwehrleute nur noch zurückziehen. «Wir müssen anerkennen, dass sich diese Naturgewalt unserer Kontrolle entzieht. Es ist ein kriegsähnliches Szenario, bei dem wir ständig unter Beschuss sind und uns alle in Sicherheit bringen müssen.»

Dann helfe nur «Stoizismus», erklärt Brocardi. Ausserdem könne die Feuerwehr neben der direkten Brandbekämpfung viel tun – etwa strategisch wichtige Punkte verteidigen und Tiere vor den Flammen in Sicherheit bringen.

Phänomen tritt weltweit häufiger auf

Das Phänomen war Wissenschaftlern zwar schon länger bekannt, aber da es so selten auftrat, wurde es nicht näher erforscht. Seit einigen Jahren steigt die Zahl der auftretenden Pyrocumulonimbus-Wolken jedoch deutlich. In Bolivien, Kalifornien, Russland und vor allem in Australien wurden sie in den vergangenen Jahren häufiger gesichtet.

Die NASA schreibt zu dem Phänomen, das sie als «feuerspeienden Drachen» bezeichnet: «Diese feuererzeugten Wolken sind mit extremem Feuerverhalten verbunden, das die Löscharbeiten behindert und Gemeinden verwüsten kann.» Die Raumfahrtbehörde unterstreicht die Notwendigkeit, die Wolken besser zu verstehen, «angesichts der anhaltenden und prognostizierten Zunahme von Feueraktivität und -schwere».

Insgesamt erhöht sich die Gefahr von grossen, verheerenden Feuern durch die Klimakrise weltweit. Oft verursacht der Mensch die Feuer und durch die Erderwärmung und Trockenheit werden unsere Wälder und Savannen immer trockener und schneller brennbar.

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quelle: www.imago-images.de / imago images
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