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Frankreich

Philippe Jaenada Prix-Goncourt-Gewinner räumt KI-Nutzung ein

epa13350052 French writer Philippe Jaenada (C) speaks to media as he arrives at the Drouant restaurant after winning the 2026 Prix Goncourt for his book 'L'Inconnue du quai de Javel' (T ...
Der Medienrummel nach der Auszeichnung mit dem Prix Goncourt war gross: Philippe Jaenada hat die Jury in diesem Jahr überzeugt.Bild: keystone

Er gewinnt den wichtigsten Literaturpreis Frankreichs – und gesteht KI-Nutzung

Philippe Jaenada hat den Prix Goncourt erhalten. Einen Tag später räumt er ein, auch KI dafür benutzt zu haben. Er ist bei weitem nicht der erste Schriftsteller, der dafür in die Schlagzeilen kommt.
05.11.2026, 16:3305.11.2026, 16:33
Pascal Moser / CH Media

Der Prix Goncourt ist zwar nur mit zehn Euro dotiert, gilt aber als wichtigste Literaturauszeichnung Frankreichs. Der diesjährige Preisträger heisst Philippe Jaenada und hat für seinen Roman «nur» dreimal auf eine KI zurückgegriffen. Einen Tag nach der Preisverleihung für seinen Roman «L'Inconnue du quai de Javel» hat der 62-Jährige im Radiosender France Inter die Verwendung von künstlicher Intelligenz eingeräumt. Gilt er trotzdem als würdiger Preisträger?

«Man kann nicht so tun, als gäbe es sie nicht», sagte Jaenada und nimmt das Ganze erstaunlich locker. Beschwört er den nächsten KI-Skandal? Oder liefert er im Gegenteil den Beweis, dass sie auch in der Literatur bereits zur Normalität gehört?

Ein Hochstapler ist er jedenfalls nicht. Er habe die KI lediglich dreimal benutzt. Unter anderem habe er einen von ChatGPT formulierten Satz in seinem Buch versteckt – auch als Spiel mit den Leserinnen und Lesern. Zudem nutzte er die KI für technische Recherchen und baute ihre mitunter absurden Antworten ein.

French novelist Philippe Jaenada poses after being awarded the literary Goncourt Prize for his book « L'Inconnue du quai de Javel », Tuesday, Nov. 3, 2026 in Paris. (AP Photo/Teresa Suarez)
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Philippe Jaenada hat den Prix Goncourt für sein Buch «L'Inconnue du quai de Javel» erhalten. Darin geht es um einen historischen Mordfall.Bild: keystone

Trotzdem ist das Eingeständnis brisant: Erst im September hatte die Jury den Roman von Thélyson Orélien aus der Auswahl des Prix Goncourt gestrichen, weil er mithilfe künstlicher Intelligenz entstanden sei. Nun hat Jaenada das Rennen um den Preis gemacht und mit seiner Aussage neues Öl ins Feuer gegossen.

Zündstoff gab es dafür auch schon vorher reichlich, wie Schlagzeilen dieses Jahres zeigen. Von der New York Times bis zu etablierten Verlagen flogen Autorinnen und Autoren auf, weil sie die KI ihre Texte schreiben liessen. Schriftsteller äussern sich in Interviews zu ihrer Arbeitsweise. Und der Schweizer Kabarettist und Schriftsteller Franz Hohler nutzt die KI für ein Experiment. Er legte Studierenden einen selbst geschriebenen Text sowie einen KI-generierten Text «Im Stile Franz Hohlers» vor. Die Frage, welches der echte Hohler-Text sei, beantworteten die meisten falsch.

KI-Künstler suchen sich eigene Preise

Seit das Verhältnis zwischen KI und Kunst zur öffentlichen Debatte steht, haben solche Diskussionen Konjunktur. Wie auch Shitstorms. Den hat beispielsweise die polnische Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk erlebt, nachdem sie in Interviews von den Vorzügen künstlicher Intelligenz geschwärmt hat. Schliesslich versicherte sie, dass sie die KI nicht zum Schreiben selbst benutzen würde.

Der Fall um den Prix Goncourt zeigt erneut die fragile Linie zwischen Hilfsmittel und Betrug. Dem Kulturbetrieb bereitet die Frage Kopfzerbrechen, welche Kunst noch als eigenständig gelten darf. Das betrifft nicht nur die Literatur. Die Fülle der KI-generierten Kunst ist so reich, dass ihr das Kunsthaus Aargau eine Ausstellung gewidmet hat.

Von Hollywood (wo KI-Filme vom Rennen um die Oscars ausgeschlossen werden) bis zum Prix Goncourt in Paris lehnen Jurys die Verwendung von KI weitestgehend ab. Aber wenn es schon KI-Filme, Schauspieler, Lieder, Bücher und mehr gibt, warum dann nicht auch eigene Preise? Fest steht nämlich spätestens seit Elon Musks KI-generierter «Odyssee»-Verfilmung auch, dass es gar nicht so leicht ist, überzeugende Produkte mittels KI herzustellen.

Seit dieser Woche steht es Autorinnen und Autoren offen, KI-generierte Bücher für den «Prix Pascal» einzureichen. Also möge der beste Prompt gewinnen. (schweizheute.ch)

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