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Weird-Girl-Romane sind gerade überall und diese 5 Bücher zeigen, warum

Diese Frauen sind egoistisch, obsessiv und unangenehm – und BookTok liebt sie

Sie sind unangepasst, obsessiv, chaotisch oder schlicht schwer auszuhalten: «Weird Girls» erleben gerade einen kleinen Literatur-Hype. Fünf Bücher zeigen, warum uns diese komplizierten Frauenfiguren so faszinieren.
27.09.2026, 13:5127.09.2026, 13:51
Kathrin Martens / watson.de

Perfekte Heldinnen sind out. Zumindest in Teilen der Literaturszene. Auf BookTok und Instagram tauchen immer wieder Romane auf, deren Protagonistinnen mit klassischen Frauenbildern wenig anfangen können. Sie sind egoistisch, wütend, obsessiv, sozial unbeholfen oder treffen Entscheidungen, bei denen man sich beim Lesen fragt: Was stimmt eigentlich nicht mit dieser Frau?

Genau diese Figuren werden häufig unter dem Begriff «Weird Girls» zusammengefasst. Gemeint sind weibliche Charaktere, die sich nicht besonders darum bemühen, sympathisch, angepasst oder moralisch vorbildlich zu sein.

Und vielleicht liegt genau darin der Reiz. Denn während Frauenfiguren in Geschichten lange Zeit häufig vor allem liebenswert, begehrenswert oder zumindest nachvollziehbar sein sollten, dürfen «Weird Girls» ziemlich unangenehm sein.

Fünf Bücher zeigen besonders gut, was diesen Trend ausmacht.

«Mein Jahr der Ruhe und Entspannung» von Ottessa Moshfegh

Eine junge Frau in New York beschliesst, sich für ein Jahr möglichst vollständig aus ihrem eigenen Leben zurückzuziehen. Mit einer Kombination aus Medikamenten und Schlaf möchte sie die Welt für eine Weile nicht mehr sehen.

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Bild: penguin.de

Schon die Ausgangsidee von Ottessa Moshfeghs Roman klingt ziemlich absurd. Und die namenlose Protagonistin macht es nicht gerade leichter, sie zu mögen: Sie ist privilegiert, distanziert und häufig erschreckend gleichgültig gegenüber den Menschen um sie herum.

Gerade deshalb ist das Buch so interessant. Moshfegh erzählt nicht von einer klassischen weiblichen Hauptfigur, die sich im Laufe der Geschichte zu einer besseren Version ihrer selbst entwickelt. Stattdessen geht es um Einsamkeit, Selbstzerstörung und den Wunsch, sich den Anforderungen des eigenen Lebens komplett zu entziehen.

«Bunny» von Mona Awad

Samantha fühlt sich an ihrer Elite-Universität wie eine Aussenseiterin. Dann wird sie von einer Gruppe reicher Studentinnen aufgenommen, die sich gegenseitig nur «Bunny» nennen.

Was zunächst wie eine Geschichte über Cliquen und Aussenseiterinnen klingt, entwickelt sich allerdings schnell in eine völlig andere Richtung. Aus der vermeintlichen Campus-Komödie wird ein surrealer Horrortrip, bei dem irgendwann kaum noch klar ist, was eigentlich Realität und was Einbildung ist.

Mona Awad spielt dabei mit Gruppenzwang, weiblicher Freundschaft und dem Bedürfnis, dazuzugehören. Die «Bunnies» sind gleichzeitig faszinierend und ziemlich gruselig. Samantha muss sich fragen, wie weit sie selbst bereit ist zu gehen, um Teil dieser Welt zu werden.

«Eileen» von Ottessa Moshfegh

Ottessa Moshfegh kommt in dieser Liste gleich zweimal vor und das hat seinen Grund. In «Eileen» erzählt sie von einer jungen Frau, deren Leben ziemlich trostlos ist: Sie arbeitet in einer Jugendstrafanstalt, lebt mit ihrem alkoholkranken Vater zusammen und scheint kaum eine Perspektive für ihre Zukunft zu haben.

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Bild: penguin.de

Dann taucht eine neue Kollegin auf. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine Beziehung, die zunehmend obsessiv und verstörend wird. Eileen selbst bleibt dabei eine schwer greifbare Figur: einsam, voller Fantasien und gleichzeitig zutiefst unzufrieden mit ihrem eigenen Leben.

Der Roman ist vor allem deshalb so unangenehm, weil Moshfegh Eileens Gedankenwelt nicht beschönigt. Ihre Wut, ihre Wünsche und ihre dunklen Fantasien dürfen existieren, ohne dass die Figur dadurch automatisch sympathischer werden muss.

«Boy Parts» von Eliza Clark

Irina ist Fotografin und arbeitet an einem Kunstprojekt, für das sie junge Männer fotografiert. Sie sucht sich ihre Models gezielt aus und nutzt dabei durchaus ihre Macht über die Situation aus. Gleichzeitig führt sie ein chaotisches Leben und überschreitet immer wieder Grenzen.

Das Interessante an «Boy Parts» ist, dass Eliza Clark die klassische Perspektive auf Geschlechterrollen umdreht. Irina betrachtet Männer mit einem Blick, den Literatur lange vor allem männlichen Figuren zugestanden hat: Sie sexualisiert, bewertet und benutzt sie für ihre eigenen Zwecke.

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Bild: festa verlag

Das macht sie nicht automatisch zu einer Heldin. Im Gegenteil: Irina ist manipulativ, selbstzerstörerisch und moralisch höchst fragwürdig. Genau dadurch funktioniert die Figur aber so gut. Man muss sie nicht mögen, um von ihr fasziniert zu sein.

«Pizza Girl» von Jean Kyoung Frazier

Die 18-jährige Protagonistin von «Pizza Girl» ist schwanger und arbeitet als Pizzalieferantin. Eines Tages liefert sie einer neuen Kundin regelmässig Pizza mit eingelegten Gurken ... und beginnt, sich immer stärker für diese Frau zu interessieren.

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Bild: kampa verlag

Viel mehr passiert zunächst gar nicht. Und gerade daraus entwickelt Jean Kyoung Frazier eine Geschichte über Orientierungslosigkeit, Einsamkeit und das Erwachsenwerden. Die Protagonistin weiss nicht recht, was sie mit ihrem Leben anfangen soll, und flüchtet sich in eine zunehmend obsessive Fantasie.

«Pizza Girl» ist dabei weniger verstörend als die anderen Bücher auf dieser Liste. Das Weird Girl kommt hier deutlich leiser daher: chaotisch, melancholisch und manchmal ziemlich traurig. Gerade deshalb wirkt die Geschichte erstaunlich ehrlich.

Warum faszinieren uns diese Frauenfiguren?

Natürlich ist «Weird Girl» kein wissenschaftlich klar definierter Begriff. Er beschreibt vielmehr eine bestimmte Art von literarischer Figur: Frauen, die sich nicht problemlos in die Erwartungen einfügen, die Geschichten und Gesellschaft häufig an weibliche Charaktere stellen.

Sie sind nicht unbedingt sympathisch. Sie treffen schlechte Entscheidungen, haben unangenehme Gedanken und können sogar anderen Menschen schaden. Und genau das ist interessant.

Denn gerade weibliche Figuren müssen sich in Geschichten noch immer häufig eine besondere Form von Sympathie verdienen. Eine Frau darf wütend sein, solange ihre Wut verständlich bleibt. Sie darf sexuell sein, solange sie dabei nicht «zu viel» wird. Sie darf egoistisch sein, solange sie am Ende etwas daraus lernt.

Die Weird Girls verweigern sich diesen Regeln zumindest teilweise.

Das könnte erklären, warum die Bücher so gut funktionieren. Sie erzählen nicht unbedingt von Frauen, die wir sein wollen. Sie erzählen von Frauen, die wir nicht immer verstehen – und die vielleicht auch gar nicht verstanden werden wollen.

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