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Argentinien: Gericht verfügt Rückgabe von NS-Beutekunst an Niederlande

Portrait of a Woman by Giacomo Ceruti (NOT Giuseppe Ghislandi aka Fra Galgario) depicting the Italian countess Cecilia Colleoni, Nazi stolen art Raubkunst Beutekunst, Friedrich Kadgien, Patricia Kadgi ...
Das «Porträt einer Dame» des italienischen Malers Giacomo Ceruti galt jahrzehntelang als verschollen.Bild: Robles Casas & Campos

Argentinisches Gericht verfügt Rückgabe von NS-Beutekunst

Ein im Zweiten Weltkrieg von Nationalsozialisten geraubtes Gemälde soll an die Erbin des einstigen Besitzers zurückgegeben werden. Die Tochter des NS-Funktionärs Kadgien muss auf sämtliche Ansprüche auf das Werk verzichten, wie die argentinische Regierung mitteilt.
05.09.2026, 19:2105.09.2026, 19:21

Ein während des Zweiten Weltkriegs von den Nationalsozialisten geraubtes Gemälde soll in Argentinien an die Erbin seines einstigen jüdischen Besitzers zurückgegeben werden. Im Rahmen einer vor einem Bundesgericht in Mar del Plata erzielten Vereinbarung verzichteten die Tochter eines früheren NS-Funktionärs und ihr Ehemann auf sämtliche Ansprüche auf das Werk, das 2025 in ihrem Haus entdeckt worden war. Das teilte die argentinische Regierung mit.

Bei dem Gemälde handelt es sich um das «Porträt einer Dame» des italienischen Malers Giacomo Antonio Melchiorre Ceruti aus dem 18. Jahrhundert. Es gehörte einst dem jüdischen Galeristen Jacques Goudstikker, dessen Kunstsammlung in Amsterdam während der deutschen Besatzung der Niederlande geplündert wurde. Goudstikker starb 1940 auf der Flucht.

Portrait of a Woman by Giacomo Ceruti (NOT Giuseppe Ghislandi aka Fra Galgario) depicting the Italian countess Cecilia Colleoni, Nazi stolen art Raubkunst Beutekunst, Friedrich Kadgien, Patricia Kadgi ...
Nach dem spektakulären Fund wurde das Gemälde in den Medien fälschlicherweise dem ebenfalls italienischen Künstler Fra Galgario (geboren als Giuseppe Vittore Ghislandi) zugeschrieben. Der Kurator Paolo Plebani von der Accademia Carrara in Bergamo bestätigte daraufhin gegenüber dem niederländischen Newsportal AD, dass die vorherige Zuordnung an Giacomo Ceruti korrekt gewesen war.
Bild: Robles Casas & Campos

Beschuldigte sollen Bild über Jahrzehnte versteckt haben

Das von Gutachtern auf einen Marktwert von rund 250'000 Euro (rund 235'000 Schweizer Franken) geschätzte Gemälde wurde vergangenes Jahr im argentinischen Mar del Plata entdeckt. Es befand sich im Haus von Patricia Kadgien, der Tochter des ehemaligen NS-Funktionärs Friedrich Kadgien, und ihres Mannes Juan Carlos Cortegoso.

Friedrich Kadgien war während der NS-Zeit an der Verwertung geraubten jüdischen Vermögens beteiligt und setzte sich nach dem Krieg nach Südamerika ab. Den beiden Beschuldigten wurde vorgeworfen, das Gemälde über Jahrzehnte zurückgehalten und versteckt zu haben.

2025 wurden zum ersten Mal in der Geschichte Farbfotos des Gemäldes veröffentlicht. Ein Schwarz-Weiss-Foto aus dem Archiv des niederländischen Reichsdienstes für das Kulturelle Erbgut könnte wohl bei der Identifikation des Originals geholfen haben.

Im Gegenzug für die vorläufige Einstellung des Gerichtsverfahrens gegen Auflagen verzichteten sie laut der Zeitung «La Nación» nun auf sämtliche Ansprüche auf das Bild. Das Gemälde befand sich seit der Rückgabe durch die Beschuldigten vor rund einem Jahr in Obhut der Justiz.

Die Erbin des Galeristen will das Gemälde nun zunächst öffentlich in Argentinien ausstellen lassen. Anschliessend soll es in die Niederlande zurückkehren. (sda/dpa/jul)

Raubkunst in der Schweizer Politik
Das Bundesamt für Kultur (Bak) verfolgt im Bereich der Raubkunst mehrere Ziele:
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Die internationalen Washingtoner Richtlinien von 1998 sind eine Sammlung «nicht bindender Grundsätze» mit dem Zweck, in Fällen der Raubkunst «gerechte und faire Lösungen» zu finden. An ihrer Ausarbeitung nahmen 44 Staaten teil, darunter auch die Schweiz.

Seit Januar 1999 existiert im Bundesamt für Kultur die Anlaufstelle Raubkunst (ALRK). Diese berät sowohl bei öffentlichen als auch privaten Angelegenheiten, zudem pflegt sie den Austausch mit Behörden und Institutionen ausserhalb der Schweiz.

Im Januar 2026 wurde alt Bundesrätin Simonetta Sommaruga zur Präsidentin der neuen, von der ALRK unabhängigen Kommission für historisch belastetes Kulturerbe ernannt.
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