Argentinisches Gericht verfügt Rückgabe von NS-Beutekunst
Ein während des Zweiten Weltkriegs von den Nationalsozialisten geraubtes Gemälde soll in Argentinien an die Erbin seines einstigen jüdischen Besitzers zurückgegeben werden. Im Rahmen einer vor einem Bundesgericht in Mar del Plata erzielten Vereinbarung verzichteten die Tochter eines früheren NS-Funktionärs und ihr Ehemann auf sämtliche Ansprüche auf das Werk, das 2025 in ihrem Haus entdeckt worden war. Das teilte die argentinische Regierung mit.
Bei dem Gemälde handelt es sich um das «Porträt einer Dame» des italienischen Malers Giacomo Antonio Melchiorre Ceruti aus dem 18. Jahrhundert. Es gehörte einst dem jüdischen Galeristen Jacques Goudstikker, dessen Kunstsammlung in Amsterdam während der deutschen Besatzung der Niederlande geplündert wurde. Goudstikker starb 1940 auf der Flucht.
Bild: Robles Casas & Campos
Beschuldigte sollen Bild über Jahrzehnte versteckt haben
Das von Gutachtern auf einen Marktwert von rund 250'000 Euro (rund 235'000 Schweizer Franken) geschätzte Gemälde wurde vergangenes Jahr im argentinischen Mar del Plata entdeckt. Es befand sich im Haus von Patricia Kadgien, der Tochter des ehemaligen NS-Funktionärs Friedrich Kadgien, und ihres Mannes Juan Carlos Cortegoso.
Friedrich Kadgien war während der NS-Zeit an der Verwertung geraubten jüdischen Vermögens beteiligt und setzte sich nach dem Krieg nach Südamerika ab. Den beiden Beschuldigten wurde vorgeworfen, das Gemälde über Jahrzehnte zurückgehalten und versteckt zu haben.
Im Gegenzug für die vorläufige Einstellung des Gerichtsverfahrens gegen Auflagen verzichteten sie laut der Zeitung «La Nación» nun auf sämtliche Ansprüche auf das Bild. Das Gemälde befand sich seit der Rückgabe durch die Beschuldigten vor rund einem Jahr in Obhut der Justiz.
Die Erbin des Galeristen will das Gemälde nun zunächst öffentlich in Argentinien ausstellen lassen. Anschliessend soll es in die Niederlande zurückkehren. (sda/dpa/jul)
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