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Klimawandel schadet zunehmend der menschlichen Gesundheit

Klimawandel schadet zunehmend der menschlichen Gesundheit

Der Klimawandel wirkt sich zunehmend auf die Gesundheit der Menschen in Europa aus.
22.04.2026, 06:5522.04.2026, 06:55

Die Zahl hitzebedingter Todesfälle sei im Zeitraum von 2015 bis 2024 gegenüber 1991 bis 2000 in 99,6 Prozent der untersuchten Regionen gestiegen, heisst es im «Lancet Countdown Europe Report 2026» zu Klimawandel und Gesundheit.

FILE - People watch the sunset from the Liberty Memorial grounds in Kansas City, Mo., May 12, 2025. (AP Photo/Charlie Riedel, File)
Climate Change Economic Impact
Hitzebedingte Todesfälle nehmen weltweit zu. (Symbolbild)Bild: keystone

Der durchschnittliche jährliche Gesamtanstieg betrug 52 Todesfälle pro Million Einwohner; in Teilen Spaniens, in Italien, Griechenland und Bulgarien sind es grossteils mehr als 120. Die Studie einer internationalen Gruppe um Joacim Rocklöv vom Universitätsklinikum Heidelberg ist im Fachmagazin «The Lancet» erschienen.

«Wir sehen sehr deutlich, dass der durch die Nutzung von fossilen Brennstoffen angetriebene Klimawandel eine wachsende Bedrohung für die Gesundheit einer immer grösser werdenden Zahl von Menschen in Europa darstellt», sagte Rocklöv. Die Zahl der Tage mit Gesundheitswarnungen vor extremer Hitze erhöhte sich im Zeitraum 2015 bis 2024 gegenüber 1991 bis 2000 im europäischen Durchschnitt um 318 Prozent. Am höchsten, nämlich 450 Prozent, fällt der Anstieg in Westeuropa aus.

Pollen-Allergiker leiden

Neben Hitze machen die Forschenden weitere Gesundheitsrisiken aus, die mit dem Klimawandel in Verbindung stehen. Sie stellten im Zeitraum 2015 bis 2024 im Vergleich zu 1991 bis 2000 einen um ein bis zwei Wochen früheren Saisonbeginn für alle allergenen Baumarten fest – Betroffene werden also früher von Heuschnupfen geplagt. Zudem steige das Risiko für tropische Infektionskrankheiten, weil tropische Stechmücken zunehmend entsprechende Viren verbreiten. So erhöhte sich das jährliche Übertragungsrisiko für das Dengue-Virus in Europa im Zeitraum 2015 bis 2024 gegenüber 1980 bis 2010 um 297 Prozent. Auch die Überträger von Malaria, West-Nil-Fieber und weiteren Krankheiten finden zunehmend bessere Verbreitungsbedingungen.

Die Forschenden fanden auch positive Entwicklungen: Beispielsweise erhöhte sich der Anteil erneuerbarer Energien an der gesamten europäischen Stromversorgung im Jahr 2023 auf 21,5 Prozent, verglichen mit 8,4 Prozent im Jahr 2016. Dennoch fliesse weiter viel Geld in fossile Brennstoffe wie Kohle, Erdgas und Erdöl. «Obwohl sich Europa in mehreren internationalen Foren verpflichtet hat, die Subventionen für fossile Brennstoffe bis 2025 schrittweise abzubauen, wurde für 2023/2024 ein starker Anstieg der Subventionen verzeichnet, der durch die Energiekrise infolge des russischen Einmarsches in die Ukraine ausgelöst wurde», schreiben die Studienautorinnen und -autoren. Ihnen zufolge betrugen die Subventionen 444 Milliarden Euro allein im Jahr 2023.

Mehr Todesfälle durch das Verbrennen von Biomasse

Und auch eine Entwicklung bei den erneuerbaren Energien gibt den Forschenden Anlass zur Sorge: Feste Biomasse machte 31 Prozent des gesamten Verbrauchs erneuerbarer Energien im Jahr 2023 aus. Das Verbrennen von Biomasse wie Holzpellets zählt als erneuerbare Energiegewinnung, weil nur das Kohlendioxid (CO2) freigesetzt wird, das in unserem Zeitalter während des Wachstums aufgenommen wurde. Jedoch werden bei der Verbrennung giftige Substanzen und Feinstaub in die Atmosphäre abgegeben. Die Todesfälle, die auf das Verbrennen von Biomasse in Wohngebäuden zurückzuführen sind, haben dem Report zufolge zwischen 2000 und 2022 um vier Prozent zugenommen.

Die Forschenden mahnen, die Gesundheitsfolgen des Klimawandels nicht zu unterschätzen. «Immer mehr Länder planen Anpassungsmassnahmen im Gesundheitsbereich, doch ohne langfristige und verlässliche Finanzierung werden diese Pläne in der Schublade verschwinden, während sich die Auswirkungen weiter verschärfen», sagte Erstautorin Hedi Kriit vom Universitätsklinikum Heidelberg. Rocklöv betonte: «Die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, werden darüber entscheiden, ob sich die Gesundheitsfolgen rasch verschärfen oder ob wir uns auf ein sichereres, gerechteres und resilienteres Europa zubewegen.» (sda/dpa)

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