Dianas Bruder zitiert König Charles: «Wir werden sie schon vergessen»
Fast 30 Jahre nach dem Tod von Prinzessin Diana erhebt ihr Bruder Charles Spencer schwere Vorwürfe gegen König Charles. In seinem neuen Buch «Swan Song: Diana, My Sister» schildert Spencer ein Telefonat, das ihn bis heute beschäftigt. Die britische «Daily Mail» berichtet vorab aus den Memoiren und spricht von einem «Palast-Krieg», der um die Äusserungen ausgebrochen sei.
Es ging um die Frage, ob Prinz William und Prinz Harry hinter dem Sarg ihrer Mutter durch London laufen sollten. Das Gespräch zwischen Spencer und dem damaligen Prinzen Charles sei zunehmend hitziger geworden. Am Ende habe Charles einen Satz gesagt, der Spencer sprachlos zurückliess.
«Sei versichert, wir werden sie schon bald vergessen»
Der Streit spielte sich demnach in den Tagen zwischen Dianas Tod am 31. August 1997 und ihrer Beerdigung am 6. September ab. Charles Spencer war entschieden dagegen, dass seine Neffen an der Trauerprozession teilnahmen. Diana hätte seiner Ansicht nach nicht gewollt, dass ihre Söhne einer solchen öffentlichen Belastung ausgesetzt würden. Nachdem Spencer seine Bedenken gegenüber einem Mitarbeiter des Königshauses geäussert hatte, rief ihn der damalige Prinz Charles an.
Im Gespräch habe Charles laut Spencer darauf verwiesen, dass er selbst nach dem Tod seines Grossonkels Lord Mountbatten hinter dessen Sarg gelaufen sei. Spencer hielt dem entgegen, dass Charles damals bereits 30 Jahre alt gewesen sei, während William und Harry zum Zeitpunkt von Dianas Tod 15 und 12 Jahre alt waren. Dann soll Charles gesagt haben: «Sei versichert, wir werden sie schon bald vergessen.»
«Kann nicht glauben, dass du das gerade gesagt hast»
Spencer schreibt, er sei von dieser Aussage so überrascht gewesen, dass er zunächst einige Sekunden kein Wort herausgebracht habe. Schliesslich habe er Charles nur noch geantwortet: «Ich kann nicht glauben, dass du das gerade gesagt hast», und aufgelegt. Die Bemerkung wertet Spencer in seinem Buch als Ausdruck von Charles' damaliger Verachtung für Diana und als Zeichen dafür, dass er die weltweite Anteilnahme nach ihrem Tod nicht verstanden habe. Ausdrücklich weist Spencer darauf hin, dass es sich dabei um seine persönliche Darstellung und Interpretation des Gesprächs handelt.
Am Ende nahmen William und Harry an der Trauerprozession teil. Gemeinsam mit ihrem Vater Charles, ihrem Grossvater Prinz Philip und Charles Spencer liefen sie hinter Dianas Sarg zur Westminster Abbey. Prinz William erklärte später in der BBC-Dokumentation «Diana, 7 Days» aus dem Jahr 2017, es sei eine gemeinsame Entscheidung der Familie gewesen. Spencer hatte hingegen bereits früher öffentlich gemacht, dass er insbesondere den damals 12-jährigen Harry nicht in der Prozession sehen wollte.
Der Buckingham-Palast hat inzwischen auf Spencers Darstellung reagiert. Grundsätzlich kommentiere man Bücher nicht, erklärte ein Sprecher laut «The Sun». König Charles sei sich jedoch bewusst, dass der Schmerz um ein verstorbenes Geschwister die Vernunft trüben, das Urteilsvermögen beeinflussen und auch viele Jahre später die Erinnerung färben könne.

