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Iran

Rohstoffe bleiben trotz Öffnung von Hormus unter Druck

The status of cargo ships in the Strait of Hormuz is shown on a screen at the Hapag-Lloyd office, in Hamburg, Germany, Wednesday, April 15, 2026. (AP Photo/Ebrahim Noroozi)
Im Hamburger Büro von Hapag-Lloyd werden die Schiffsbewegungen in der Strasse von Hormus überwacht.Bild: AP

Rohstoffe bleiben trotz Öffnung von Hormus unter Druck

06.07.2026, 14:1706.07.2026, 14:17

Trotz der teilweisen Wiederöffnung der Strasse von Hormus bleiben die Folgen des Konflikts zwischen den USA und dem Iran auf den Rohstoff- und Industriemärkten spürbar. Experten rechnen insbesondere bei Kunststoffen, Düngemitteln und Industriemetallen mit anhaltend hohen Preisen und zusätzlichen Belastungen für die europäische Industrie.

«Die Wiederöffnung ist relativ», sagt Ines Bouacida vom Pariser Think Tank IDDRI gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. Zwar hätten sich die Energiemärkte zuletzt etwas beruhigt, die Preise blieben jedoch volatil.

Unsicherheiten bestünden weiterhin bei Transportkosten, Versicherungsprämien und möglichen Transitgebühren. Zudem werde entscheidend sein, wie schnell beschädigte Energie- und Chemieinfrastrukturen in der Region wieder aufgebaut werden könnten.

Kunststoffe unter Druck

Besonders exponiert ist laut Branchenvertretern die Kunststoffindustrie. «Die Situation wird sich für lange Zeit nicht normalisieren», sagt Joseph Tayefeh, Generalsekretär des europäischen Branchenverbands Plastalliance. Europa habe in den vergangenen Jahren zahlreiche petrochemische Produktionskapazitäten verloren, gleichzeitig seien Lieferketten stark vom Nahen Osten abhängig geblieben.

Eine zentrale Rolle spielt die Strasse von Hormus als Transportweg für petrochemische Grundstoffe. Laut Plastalliance liefen zuletzt rund 30 Prozent der weltweiten Transporte wichtiger Monomere für die Herstellung von Polyethylen und Polypropylen durch die Meerenge. Diese Kunststoffe werden unter anderem für Verpackungen, medizinische Produkte oder Rohre verwendet.

A customer holds plastic bags full with grocery shopping at a branch of "Migros", Switzerland's largest supermarket chain in Zurich, Switzerland, pictured on July 9, 2008. (KEYSTONE/Gae ...
Polyethylen und Polypropylen werden beispielsweise für die Herstellung von Plastiksäcken gebraucht.Bild: KEYSTONE

Hinzu kommen steigende Transport- und Versicherungskosten. Die Region bleibe aus Sicht der Reedereien ein Hochrisikogebiet, weshalb die Zusatzkosten entlang der Lieferketten weitergegeben würden. Tayefeh erwartet deshalb «eine Inflationsphase bei allen Produkten auf Basis von Kunststoffpolymeren», die mindestens ein bis zwei Jahre dauern könnte.

Davon betroffen wären zahlreiche Branchen – von der Automobil- und Luftfahrtindustrie bis zur Verpackungs- und Lebensmittelbranche. Moderne Fahrzeuge bestünden heute zu rund 50 Prozent aus Kunststoffkomponenten, auch in Flugzeugen machten Polymere und Verbundstoffe einen grossen Anteil aus.

Risiko für Aluminium

Auch andere Rohstoffe geraten zunehmend unter Druck. Laut Schätzungen der UBS stammt etwa knapp ein Viertel der weltweiten Aluminiumproduktion aus dem Nahen Osten. Aluminium gilt als wichtiger Werkstoff für die Energiewende und wird unter anderem in Stromnetzen, Elektrofahrzeugen und der Bauindustrie verwendet. Der Preis des Leichtmetalls war im Juni zeitweise deutlich gestiegen. Experten warnen, dass Lieferunterbrüche oder höhere Transportkosten den Markt zusätzlich belasten könnten.

Aluminium-Vierkantrohre und Montagewinkel Lagerung und Transport von Aluminiumprodukten Aluminium-Vierkantrohre und Montagewinkel Lagerung und Transport von Aluminiumprodukten LicenseRF Copyright: xZo ...
Rund ein Viertel der weltweiten Aluminiumproduktion stammt aus dem Nahen Osten.Bild: www.imago-images.de

«Die Blockade der Strasse von Hormus hat systemische Folgen für zahlreiche Rohstoffe», sagte Yves Jégourel von der französischen Hochschule Conservatoire national des Arts et Métiers (CNAM) in Paris. Gleichzeitig seien die globalen Lagerbestände tief und die Produktion stark von China abhängig.

Pech auch für Schwefel respektive Dünger

Zusätzlichen Druck erzeugt laut Experten auch die Entwicklung beim Schwefelmarkt. Steigende Schwefelpreise verteuern damit nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch Teile der Metallindustrie. Denn Schwefel wird sowohl für Düngemittel als auch für Schwefelsäure benötigt, die wiederum bei der Verarbeitung von Kupfer und Nickel eingesetzt wird.

Die Golfstaaten liefern einen bedeutenden Teil des weltweit verwendeten Schwefels, der aus Kohlenwasserstoffen gewonnen wird. Unter Druck geraten vor allem europäische Landwirtschaftsbetriebe: Während die Kosten für Dünger und andere Betriebsmittel steigen, ziehen die Getreidepreise nicht im selben Ausmass an. (sda/awp)

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