Kurze Waffenruhe definitiv vorbei: Donald Trump kündigt «Prügel» für den Iran an
Die militärische Zurückhaltung der USA in den vergangenen Tagen hat der Iran offensichtlich als Zeichen der Schwäche gewertet. Zurzeit geht er wieder in die Offensive. Mit neuen Raketenangriffen auf Jordanien, dem Beschuss von Schiffen in der Strasse von Hormus und Angriffen pro-iranischer Milizen im Irak auf Saudi-Arabien hat die iranische Führung die jüngste Waffenruhe gekündigt. Amerika und Saudi-Arabien schlugen am Mittwoch zurück, und US-Präsident Donald Trump kündigte «Prügel» für den Iran an.
Trump hatte am Freitag eine fast zweiwöchige Serie von Luftangriffen auf Ziele im Iran beendet, auch weil den US-Streitkräften wichtige Waffen ausgehen. Der Iran hatte daraufhin zunächst seinen Beschuss arabischer Staaten eingestellt und neue Verhandlungen mit dem Nachbarn Oman über die Zukunft der Strasse vom Hormus geführt.
Die Kampfpause nährte die Hoffnung auf ein Ende des Konflikts, die weltweiten Ölpreise fielen. Nach den neuen iranischen Angriffen sagte Trump am Mittwoch laut dem US-Sender Fox, Amerika werde «hart» zurückschlagen.
Iran: USA zeigen «strategische Schwäche»
Die iranische Führung ist sicher, dass neue US-Angriffe nichts an der Lage ändern werden. Im Teheraner Regime hat sich offenbar die Ansicht durchgesetzt, dass der Iran militärisch stark genug ist, um der Region im Streit um die Strasse von Hormus und bei anderen Themen seinen Willen aufzuzwingen.
Die Islamische Republik habe ihre Verteidigungskapazitäten erweitert, warnte Aussenminister Kazem Gharibadi die Gegner seines Landes. Die Revolutionsgarde teilte mit, anders als die USA habe der Iran die im April in Kraft getretene Feuerpause genutzt, um die Schlagkraft seiner Streitkräfte zu verbessern. Dazu gehörten eine schnellere Raketenproduktion und eine verbesserte Zielgenauigkeit der Waffen.
Teheran wolle das Tempo der Auseinandersetzung selbst bestimmen und nicht nur auf Trumps Entscheidungen reagieren, meint der Iran-Experte Danny Citrinowicz vom israelischen Institut INSS. Der Iran sehe die Chance, die regionale Ordnung zu seinen Gunsten zu verändern, schrieb Citrinowicz auf X. Aus Teheraner Sicht zeige das derzeitige Zögern der USA «eine strategische Schwäche».
Der Gegenangriff folgte schnell
Auf diese Neubewertung der Lage durch den Iran folgte die neue Eskalation. Am Montag und Dienstag versuchten pro-irakische Milizionäre im Irak, Ölanlagen in Saudi-Arabien mit insgesamt mehr als 30 Drohnen anzugreifen; die Waffen wurden von der saudischen Flugabwehr abgefangen.
Amerikanische und saudische Streitkräfte reagierten am Mittwoch mit einem Vergeltungsangriff auf Stützpunkte des pro-iranischen Milizverbandes PMF im Osten des Irak und töteten laut PMF mindestens 20 Menschen. Nach iranischen Angaben waren vier Soldaten der iranischen Revolutionsgarde unter den Opfern. Trump sagte, der Gegenangriff sei mit der irakischen Regierung abgesprochen gewesen, und nannte die irakischen Milizen ein «Krebsgeschwür», das der Welt schade.
Die ebenfalls mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen meldeten am Dienstag einen neuen Angriff auf einen saudischen Öltanker im Roten Meer. Irans Revolutionsgarde beschoss nach eigenen Angaben ausserdem drei Tanker in der Strasse von Hormus.
Fast gleichzeitig lehnte Teheran laut der Nachrichtenagentur Reuters einen Vorschlag des Nachbarn Oman für eine gemeinsame arabisch-iranische Verwaltung der Meerenge ab. Der Iran wirbt stattdessen dafür, den Tankerverkehr durch die Wasserstrasse in einer Richtung ganz und in der anderen Richtung teilweise durch iranische Gewässer zu lenken. Das würde die iranische Kontrolle über die Wasserstrasse festigen.
Angriffe trotz angeblich laufender Verhandlungen
Das Regime droht mit Angriffen auf europäische Kriegsschiffe, wenn sie sich der Strasse von Hormus nähern sollten. Der Iran erwog laut der «New York Times» vorübergehend auch einen Angriff auf eine ukrainische Hafenstadt am Schwarzen Meer, nachdem die Ukrainer ein iranisches Schiff mit Militärgütern an Bord im Kaspischen Meer beschossen hatten.
Am Mittwochmorgen feuerte der Iran wie schon in den vergangenen Wochen mit Raketen auf US-Stützpunkte in Jordanien. Das für den Nahen Osten zuständige US-Zentralkommando erklärte, die amerikanischen Streitkräfte hätten den «versuchten Überraschungsangriff» abgewehrt. Die jordanische Armee erklärte, auch sie habe fünf iranische Raketen abgeschossen.
Die neuen Spannungen liessen die Ölpreise wieder steigen und könnten den Druck auf Trump erhöhen, seine Drohung mit einem Grossangriff auf die iranischen Gebiete an der Strasse von Hormus wahrzumachen. Der US-Präsident hatte zu Wochenbeginn erklärt, wenn es bei Gesprächen mit den Iranern keine Ergebnisse gebe, werde Amerika die Islamische Republik wieder angreifen. In seinem Interview mit Fox am Mittwoch sagte Trump nach Angaben des Senders, die Gespräche mit dem Iran liefen nach wie vor. Dennoch kündigte er die neuen Militärschläge an. (schweizheute.ch)
