International
Iran

Chamenei und Trump verschärfen den Iran-Konflikt

So verschärfen Chamenei und Trump den Iran-Konflikt

18.01.2026, 16:1418.01.2026, 17:52

Nach Drohungen von US-Präsident Donald Trump und persönlichen Angriffen von Irans oberstem Führer Ali Chamenei wächst die Sorge vor einer militärischen Eskalation. Trump sprach sich für einen Regierungswechsel im Iran aus. Irans Präsident Massud Peseschkian erklärte, jede Aggression gegen Chamenei wäre gleichbedeutend mit einem umfassenden Krieg gegen die iranische Nation.

Zuvor hatte Ajatollah Chamenei den US-Präsidenten als «Verbrecher» bezeichnet. Er machte ihn für Opfer und Schäden bei den jüngsten Massenprotesten verantwortlich. Amerika müsse zur Verantwortung gezogen werden, so Chamenei. Das US-Aussenministerium warnte den Iran vor Angriffen auf US-Stützpunkte und kündigte für diesen Fall eine entschlossene Reaktion an.

epa12652951 Kashmiri Shiite Muslims shout slogans and hold photographs of Iran's supreme leader Ayatollah Syed Ali Khamenei during a protest against the US and Israel in Srinagar, the summer capi ...
Schiiten in Kaschmir halten bei Protesten gegen die USA und Israel Plakate mit dem Bildnis des iranischen Machthabers Chamenei. Bild: keystone

Irans Justiz widersprach Trumps Behauptung, die Hinrichtungen von 800 Menschen seien gestoppt worden. Trump hatte dies unter anderem als Begründung für den Verzicht auf einen Militärschlag angegeben. Der Teheraner Staatsanwalt Ali Salehi sagte laut der staatlichen Rundfunkagentur Iribnews: «Trump redet immer viel sinnlosen Unsinn.» Die Reaktion der Justiz werde entschlossen, abschreckend und schnell sein.

Ein Justizsprecher erklärte danach laut Iribnews, es seien bislang keine Todesurteile im Zusammenhang mit den Protesten verhängt worden. Dies sei «ein strenger und langwieriger Prozess», der Monate oder Jahre dauern könne.

Tausende Tote bei Niederschlagung der Proteste

Trotz einer am 8. Januar verhängten Internetsperre dringen immer mehr Schätzungen der Zahl mutmasslicher Todesopfer infolge des gewaltsamen Vorgehens von Sicherheitskräften an die Öffentlichkeit. Das in den USA ansässige Aktivistennetzwerk Hrana berichtete auf der Plattform X, 3308 Todesfälle seien bestätigt. Weitere 4382 würden geprüft. Mindestens 24'266 Menschen seien festgenommen worden.

Nach Informationen der britischen Zeitung «The Sunday Times» sollen 16'500 bis 18'000 Menschen getötet worden sein. Mitarbeiter in acht grossen Augenkliniken und 16 Notaufnahmen im Land hätten die Zahlen zusammengestellt. Demnach sollen weitere 330'000 bis 360'000 Menschen verletzt worden sein.

Irans oberster Führer Ali Chamenei hatte am Samstag erstmals eingeräumt, dass es Tausende Tote während der Proteste gegeben habe. Einige Menschen seien auf «unmenschliche, brutale Weise» getötet worden. Der oberste Führer machte dafür die «Aufständischen» verantwortlich.

Alle Angaben können nicht unabhängig überprüft werden.

Trump will neue Führung in Teheran

In einem Interview mit dem Nachrichtenportal «Politico» sagte Trump: «Es ist Zeit, nach einer neuen Führung im Iran zu suchen.» Die Machthaber in Teheran stützten ihre Herrschaft auf Unterdrückung und Gewalt.

epaselect epa12653154 A new mural by Italian contemporary artist and activist aleXsandro Palombo showing US President Donald Trump sitting atop a tombstone with the slogan 'RIP Khamenei', th ...
Ein neues Wandbild des italienischen Künstlers und Aktivisten aleXsandro Palombo in Mailand zeigt US-Präsident Donald Trump, der auf einem Grabstein mit der Aufschrift «RIP Khamenei» sitzt.Bild: keystone

Zuvor hatte Chamenei den US-Präsidenten beschuldigt, er habe persönlich in die Unruhen eingegriffen und die «Aufständischen» ermutigt, weiterzumachen und keine Angst zu haben.

Ajatollah Chamenei ist seit Juni 1989 und damit seit fast 37 Jahren an der Macht als geistliches und politisches Oberhaupt der autoritär regierten Islamischen Republik.

Spekulationen über möglichen US-Angriff

Trumps Aussagen führten umgehend zu Spekulationen über weitere US-Schritte. Dan Shapiro, ehemaliger US-Botschafter in Israel, schrieb auf X, Trumps Worte bei «Politico» und Chameneis Provokationen gegenüber Trump auf X liessen ihn vermuten, «dass Trump diese Woche versuchen wird, den obersten Führer zu töten». Der in der Region erwartete Flugzeugträgerverband würde es den USA erleichtern, Angriffe durchzuführen und sich auf Gegenschläge vorzubereiten.

Der Flugzeugträger «USS Abraham Lincoln» und Begleitschiffe sind US-Medienberichten zufolge auf dem Weg in die Region. Auch würden zusätzliche Kampfjets und Raketenabwehrsysteme dorthin verlegt. Beamte in der Region hielten einen Angriff weiterhin für möglich, schrieb das «Wall Street Journal».

Iran-Experten warnen Trump vor einer gezielten Tötung Chameneis. So schrieb der israelische Iran-Kenner Danny Citrinowicz auf X, es sei ausserordentlich gefährlich, hochrangige Führer im Nahen Osten – insbesondere religiöse Führer – ins Visier zu nehmen. Chamenei sei nicht nur eine politische Autorität, sondern auch ein religiöses Symbol und ideologischer Anker der Islamischen Republik. Ein Angriff auf ihn hätte weitreichendere Konsequenzen als eine konventionelle Militäroperation.

Die Vereinigten Staaten wären nicht in der Lage, einen gefügigen Führer in Teheran zu installieren, argumentiert Citrinowicz. Sie hätten gleichzeitig Mühe, radikale Elemente – insbesondere die Islamische Revolutionsgarde – daran zu hindern, die Kontrolle über den Staat zu übernehmen.

Die Proteste hatten Ende Dezember wegen der schweren Wirtschaftskrise und hoher Inflation begonnen. Rasch entwickelten sie sich zu landesweiten Demonstrationen gegen das politische System. Sicherheitskräfte gingen nach Angaben von Aktivisten äusserst brutal dagegen vor. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Iran-Proteste 2026
1 / 16
Iran-Proteste 2026

Seit fast drei Wochen gehen in Iran Menschen auf die Strasse. Die Aufnahme zeigt Teheran am 9. Januar.

quelle: keystone
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Heftige Proteste im Iran – Demonstrierende fordern Tod des Regimes
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
13 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
13
Deutsche Bundeswehrsoldaten ziehen aus Grönland ab
Das Erkundungsteam der Bundeswehr ist aus Grönland wieder abgezogen. Die 15 Soldaten verliessen die Arktisinsel mit einem Zivilflugzeug in Richtung Kopenhagen, wie ein Sprecher des Operativen Führungskommandos der Deutschen Presse-Agentur sagte. Zuvor hatte «Bild» berichtet. US-Präsident Donald Trump hatte am Samstag angekündigt, Sonderzölle gegen acht an der Erkundungsmission beteiligte Länder zu verhängen.
Zur Story