10 Punkte, die du über den Iran wissen musst
Die wichtigsten Kennzahlen
Der Iran liegt in Vorderasien, zwischen der Türkei und dem Irak im Westen und Afghanistan und Pakistan im Osten. Im Norden liegt das Kaspische Meer, im Süden der Persische Golf. Das Land verfügt über die grössten Gas- und die viertgrössten Erdölvorkommen der Welt; die Wirtschaft leidet jedoch stark an den internationalen Sanktionen aufgrund des iranischen Atomprogramms.
- Bevölkerung: 87,8 Millionen (2024). Das ist fast zehnmal so viel wie die Schweiz.
- Fläche: 1,65 Millionen km². Der Iran ist rund 40-mal so gross wie die Schweiz.
- Hauptstadt: Teheran (8,7 Millionen Einwohner)
- BIP (nominal): 417 Milliarden $ (2024). Das BIP der Schweiz beträgt 938 Milliarden $.
- Währung: Rial (1'000'000 Rial = 0.80 CHF)
- Staatsreligion: Islam (Zwölfer-Schia)
- Amtssprache: Persisch
- HDI: 0,799; Rang 75 (2023). Die Schweiz liegt mit 0,97 auf Rang 2.
- Fertilitätsrate: 1,68 (2025). In der Schweiz liegt die Fertilitätsrate bei 1,29 Kindern pro Frau.
Kein arabischer Staat
Im Gegensatz zum Irak, mit dem er leicht verwechselt wird, ist der Iran kein mehrheitlich arabisches Land, sondern multiethnisch. Die bedeutendsten Volksgruppen sind die Perser, die eine indoarische Sprache sprechen und mit 51 bis 61 Prozent die Bevölkerungsmehrheit stellen, die Aserbaidschaner – die eine Turksprache sprechen – mit 16 bis 24 Prozent und die Kurden mit 7 bis 10 Prozent der Bevölkerung. Die Kurden sprechen ebenfalls eine indoarische Sprache, sind jedoch im Gegensatz zu den Persern überwiegend sunnitisch. Daneben gibt es eine Vielzahl von kleineren Minderheiten, darunter auch die Araber mit etwa 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung, die vorwiegend im Südwesten leben.
Schiitische Vormacht
Mit der arabischen Eroberung des persischen Sassanidenreichs im 7. Jahrhundert begann die Islamisierung des Iran. Zoroastrismus und Christentum gingen allmählich zugunsten des Islam zurück, doch Zoroastrier, Christen und Juden durften ihren Glauben gegen Sondersteuern (Dschizya) behalten. Die persische Sprache wurde fortan mit einem angepassten arabischen Alphabet geschrieben.
Die persische Hochkultur beeinflusst das arabische Abbasidenkalifat stark durch seine Hofkultur und Verwaltungspraktiken. Iranische Gelehrte und Künstler spielten eine wichtige Rolle in der islamischen Welt. Erst unter der Herrscherdynastie der Safawiden wurde die Zwölfer-Schia um 1501 zur Staatsreligion, was den Iran von den sunnitischen Nachbarn abgrenzte. Seither ist der Iran die Vormacht der Schiiten.
Die Pahlavi-Dynastie
Unter der Kadscharendynastie geriet der Iran Ende des 19. Jahrhunderts immer stärker unter russischen und britischen Einfluss. Die beiden Mächte sicherten sich 1907 im Norden und Südosten Einflusszonen, während das Zentrum des Landes zur neutralen Pufferzone wurde. 1921 putschte sich der Oberst Reza Chan zum Kriegsminister und später zum Premier. 1925 löste er den letzten Kadscharenherrscher ab und bestieg als neuer Schah den persischen Thron.
Reza Schah Pahlavi, der Begründer der Pahlavi-Dynastie, benannte Persien 1935 in «Iran» um und versuchte, das Land nach westlichem Vorbild zu modernisieren. Zu diesem Zweck säkularisierte er das Rechts- und Bildungswesen und beschnitt den Einfluss des schiitischen Klerus. Mit dem Schleierverbot für Frauen erboste er die Mullahs 1936 noch zusätzlich. Im Zweiten Weltkrieg besetzten die Sowjetunion und Grossbritannien den Iran vollständig und zwangen Reza Pahlavi zur Abdankung zugunsten seines Sohnes Mohammed Reza. Dieser verfolgte einen prowestlichen Kurs, suchte aber den Ausgleich mit der schiitischen Geistlichkeit.
Amerikanische Intervention
Der junge Schah geriet Anfang der 1950er-Jahre in Konflikt mit dem Premierminister Mohammad Mossadegh. Dieser hatte die Anglo-Iranian Oil Company (heute BP) verstaatlicht, die unter der Vorherrschaft der Briten stand und deren Gewinne nur zu einem kleinen Teil an den iranischen Staat flossen. Nahezu sämtliche grossen Ölgesellschaften boykottierten darauf den Iran, was zu einer Krise führte. Der Schah floh zunächst ins Ausland.
Nachdem der US-Geheimdienst CIA Politiker, Offiziere und Mullahs gegen Mossadegh aufgewiegelt hatte und es zu Strassenschlachten gekommen war, setzte die Schah-treue Armee den Premier ab und der Schah kehrte zurück. Den Sturz des demokratisch gewählten Premiers, der als Held galt, empfanden viele Iraner als Demütigung. Die Herrschaft des Schahs stützte sich nun auf eine Militärdiktatur, in der Oppositionelle vom gefürchteten Geheimdienst Savak gefoltert wurden. Die USA, die den Iran im Kalten Krieg als Vorposten gegen den Kommunismus betrachteten, duldeten dies.
Islamische Revolution
Die fortschreitende Verwestlichung, etwa durch das Frauenwahlrecht und ein liberaleres Scheidungsrecht, entfremdete den Klerus zusehends vom Schah. Die Einnahmen aus dem Ölexport kamen nur wenigen zugute. Der Widerstand gegen das Schah-Regime wuchs, gegen Ende der 1970er-Jahre kam es vermehrt zu Anti-Schah-Demonstrationen und landesweiten Streiks. Polizei und Armee gingen brutal dagegen vor; auch am Schwarzen Freitag, dem 8. September 1978, als bei einer Demonstration in Teheran mindestens 64 Menschen getötet wurden. Islamisten begingen Brandanschläge auf Kinos und Bars.
Die Massenproteste – getragen von unterschiedlichsten Gruppen, von Islamisten bis Kommunisten – zwangen den Schah schliesslich zur Flucht. Am 16. Januar 1979 ging er ins Exil nach Ägypten, wo er im Jahr darauf starb. Am 1. Februar kehrte dagegen die Integrationsfigur der Islamischen Revolution aus dem Exil zurück: Ajatollah Khomeini. Er wurde in Teheran von Millionen Menschen euphorisch empfangen. Ende März sprach sich die Bevölkerung in einem Referendum gegen die Monarchie und für eine Islamische Republik aus.
Geiseldrama und Mullah-Diktatur
Das ohnehin belastete Verhältnis der Islamischen Republik zu den USA verschlechterte sich noch, als im November 1979 Studenten die US-Botschaft stürmten und mehr als 50 Botschaftsangehörige als Geiseln nahmen, um die Auslieferung des Schahs zu erpressen. Khomeini billigte die Aktion, die erst im Januar 1981 mit einer diplomatischen Lösung endete.
Khomeini gelang es, innert kurzer Zeit die Liberalen und Linken, die beim Sturz des Schah-Regimes mitgewirkt hatten, auszubooten. Tausende von ihnen wurden ins Exil getrieben, eingekerkert oder ermordet. Das islamische Gesetz, die Scharia, wurde eingeführt; die Frauen mussten sich in der Öffentlichkeit mit dem Tschador verhüllen. Ihre Situation verschlechterte sich deutlich.
Blutiger Krieg
Im September 1980 überfiel der irakische Diktator Saddam Hussein den durch die Revolution geschwächten Iran. Ziel des Angriffs war die Besetzung der iranischen Ölfelder im Süden des Landes. Obwohl der Irak durch Waffenlieferungen aus dem Westen unterstützt wurde, konnte der Iran die Angreifer bald zurückdrängen. Saddam war jedoch nicht zum Friedensschluss bereit; die verlustreichen Kämpfe dauerten jahrelang an. Erst nach acht Jahren endete der Erste Golfkrieg mit einem Waffenstillstand, ohne dass es einen Sieger gab. Insgesamt eine Million Tote waren auf beiden Seiten gefallen.
Oberster Führer Chamenei
1989 starb der geistliche Führer Ayatollah Khomeini, auf ihn folgte nach einem internen Machtkampf Ayatollah Ali Chamenei. Wie Khomeini stand er – und steht heute noch als Oberster Führer mit unumschränkten Machtbefugnissen über allen Institutionen. Die Reformer, die verschiedentlich als Präsidenten gewählt wurden – etwa Hassan Rohani (2013–2021) –, konnten deshalb die Politik der Islamischen Republik nie wirklich grundlegend ändern.
Die wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung entlud sich in Protesten und Unruhen. 1999 kam es zu Studentenprotesten, die schnell niedergeschlagen wurden. Zehn Jahre später folgten Grosskundgebungen der sogenannten Grünen Bewegung gegen das amtlich bekannt gegebene Wahlergebnis der Präsidentschaftswahlen, das dem Amtsinhaber Mahmud Ahmadineschad die absolute Stimmenmehrheit zusprach. Diese Proteste wurden ebenso niedergeschlagen wie jene, die sich im September 2022 am Tod von Jina Mahsa Amini entzündeten, die von der islamischen Sittenpolizei festgenommen und misshandelt worden war.
Israel und das Atomprogramm
Von Beginn an betrachtete das Mullah-Regime den jüdischen Staat – der zu Schah-Zeiten gute Beziehungen zum Iran unterhalten hatte – als Todfeind. Mehrmals bezeichnete etwa Ayatollah Chamenei Israel als «kleinen Satan» – in Analogie zum «grossen Satan» USA – und als «Krebsgeschwür, das herausgeschnitten werden sollte und herausgeschnitten werden wird». Die Feindschaft hat sich verschärft, seit bekannt ist, dass der Iran ein Atomprogramm verfolgt. Israel, selbst Atommacht, sieht sich als Ziel von potenziellen iranischen Atomwaffen und traut dem Regime in Teheran zu, solche auch einzusetzen – getreu der Erklärung des ehemaligen Präsidenten Ali Rafsandschani, wonach Israel eine nukleare Explosion nicht überleben könne, die islamische Welt aber schon.
Die beiden Staaten sind zudem Rivalen als Regionalmächte. Der Iran konnte ein Netzwerk von verbündeten Milizen aufbauen, die Israel stellvertretend in die Zange nahmen. Dazu zählten vornehmlich die Hisbollah im Libanon, die Hamas in Gaza und die Huthis im Jemen. Mit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 begann jedoch der Untergang dieses Netzwerks; Israel fügte diesen Milizen erheblichen Schaden zu. Mit dem Sturz des Assad-Regimes in Syrien verlor das Mullah-Regime obendrein einen wichtigen Verbündeten. Schliesslich schlug Israel, das zuvor das Atomprogramm mit Sabotage und gezielten Tötungen von Experten behindert hatte, 2025 direkt zu und bombardierte gemeinsam mit den USA die iranischen Atomanlagen.
