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Bericht: Jared Kushner liess sich in Milliardenhöhe schmieren

Trump Kushner Bin Salman
Jared Kushner machte laut eines neuen Buchs bereits 2017 Deals, die seinem Schwiegervater in nichts nachstehen. watson/keystone

Enthüllung: So soll sich Jared Kushner mit Milliarden schmieren lassen haben

Ein Buch eines US-Journalisten enthüllt dubiose Finanztransaktionen in Milliardenhöhe zwischen Trump-Schwiegersohn und Berater Jared Kushner und den Staatsoberhäuptern Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate.
23.10.2026, 18:3323.10.2026, 18:51

Jared Kushner ist als Ehemann von Ivanka Trump der Schwiegersohn von Donald Trump und einer der Lieblingskandidaten des US-Präsidenten für Spezialaufgaben. Zuletzt spielte Kushner eine zentrale Rolle als Sonderbeauftragter bei der Vermittlung zwischen der Ukraine und Russland sowie im Nahen Osten beim Konflikt zwischen Israel und der Hamas.

Doch Kushners geopolitische Tätigkeiten für Donald Trump gehen viel weiter zurück. Bereits in der ersten Amtszeit Trumps zwischen 2017 und 2021 hatte der 45-Jährige als «Chefberater» Trumps zahlreiche Sonderfunktionen inne. Dass er dabei in der Diplomatie auf dubiose Praktiken setzte, ist seit längerem bekannt.

Jared Kushner and Ivanka Trump are recognized by President Donald Trump as he speaks to the Knesset, Israel's parliament, Monday, Oct. 13, 2025, in Jerusalem, as Sara Netanyahu applauds. (AP Phot ...
Jared Kushner mit Ehefrau Ivanka Trump.Bild: keystone

So erhielt seine Firma 2018, nachdem ihm vom damaligen Stabschef Trumps, John Kelly, die obersten Sicherheitsfreigaben im Weissen Haus entzogen worden waren, eine Zahlung über zwei Milliarden US-Dollar vom saudi-arabischen Staatsfonds, der Kronprinz Mohammed bin Salman untersteht. Kushner verteidigte diese Zahlung später und stritt ab, dass es Interessenkonflikte gegeben haben könnte.

So viel zum Kontext. Nun enthüllt der US-Journalist Matthew Cole in seinem Buch «Princes and Thieves», wie der Trump-Günstling noch viel weiter reichende Geschäftsbeziehungen zu verschiedenen Autokraten unterhielt und Zahlungen in der Höhe von Hunderten Millionen auf indirekten Wegen erhalten hatte. Cole veröffentlichte gewisse Details aus seinem Buch vorab im US-Magazin Vanity Fair.

Er beschreibt mehrere dubiose Vorgänge:

Fall Nr. 1 – Hunderte «wohltätige» emiratische Millionen

Zunächst hatte Kushner noch während seiner Zeit mit der höchsten US-Sicherheitsfreigabe Zugang zu einem Konto einer emiratischen Bank aus Abu Dhabi. Dieses war mit Hunderten Millionen Dollar gefüllt. Offiziell lautete es auf eine emiratische Wohltätigkeitsorganisation, die «Watani Al Emarat Foundation». Allerdings fungierte diese Stiftung laut Cole als Tarnschild für die Finanzierung verdeckter Militäroperationen der Emirate.

Kushner selbst soll zwar nicht Inhaber des Kontos gewesen sein, allerdings eine Zeichnungsberechtigung und damit direkten Zugang zu dem Account gehabt haben. Die Informationen Coles diesbezüglich stammen unter anderem vom niederländischen Geheimdienst MIVD. Dieser hatte Kushners iPhone gehackt und konnte sämtliche Aktionen des Trump-Chefberaters visuell nachverfolgen. Der MIVD wiederum war in der Lage, das Kushner-Handy zu infiltrieren, weil er einen russischen Spion ausfindig gemacht und zur Zusammenarbeit gezwungen hatte. Dieser verschaffte den Niederländern dann unter anderem den Zugang zu Kushners Telefon – der russische Militärgeheimdienst GRU hatte diesen dem Bericht zufolge bereits seit längerem.

US-Autor Matthew Cole schreibt in seinem neuen Buch über die Verbandelungen Jared Kushners im Nahen und Mittleren Osten.
US-Autor Matthew Cole schreibt in seinem neuen Buch über die Verbandelungen Jared Kushners im Nahen und Mittleren Osten.matthew cole; princes and thieves

Laut der niederländischen Spione wurden die Zahlungen auf das Konto nicht direkt aus den Emiraten vorgenommen, sondern über eine aserbaidschanische Bank. Gemäss Cole ein deutliches Indiz für Geldwäsche: Aserbaidschanische Banken halten hohe Mengen an US-Dollar und sich gleichzeitig nicht an höchste Transparenzstandards. Sie sind deshalb eine beliebte «Durchgangsoption», um die ursprüngliche Herkunft von Zahlungen zu verschleiern. Gegen entsprechende Gebühren überweisen sie die gewünschte Menge an US-Dollar auf ein Konto während sie, im vorliegenden Fall emiratische Dirham, die ursprüngliche Währung bei sich verbuchen.

Fall Nr. 2 – ein arabischer Fonds für Trumps Politik

Wofür das Geld auf dem genannten Konto genau gebraucht wurde, ist nicht klar. Aufschluss geben könnte aber eine gemeinsame «Offerte» der Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabiens an die Trump-Regierung. Denn nicht nur der emiratische Staatschef Mohammed bin Zayed («MBZ») sondern auch Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman («MBS») erkannte gewisse Chancen auf Einflusseinnahme auf höchster Ebene der US-Politik. So schlugen die beiden Autokraten ganz zu Beginn der ersten Amtszeit Trumps der US-Regierung vor, einen Fonds zur «Unterstützung der Ziele der Innen- und Aussenpolitik» der neuen Regierung einzurichten.

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Mohammed bin Zayed rechnete sich Chancen aus, die US-Regierung zu beeinflussen.Bild: keystone

Beispielsweise wollten die beiden arabischen Staaten Trumps Mauer an der Grenze zu Mexiko mitfinanzieren, um Trumps Wahlversprechen zu halten und ihm so den Weg zu einer zweiten Amtszeit zu ebnen. Im Gegenzug sollte Kushner Einfluss auf seinen Schwiegervater in aussenpolitischer Hinsicht nehmen. Denn sowohl MBZ als auch MBS hatten ihre eigenen politischen Ambitionen, bei denen US-Hilfe hilfreich war: MBZ war das Atomabkommen Barack Obamas mit dem Iran, der grosse Gegenspieler der Emirate im Mittleren Osten, ein Dorn im Auge. Dieses wollte er torpedieren (mit Erfolg, wie sich später herausstellte: Trump kündigte das Atomabkommen mit dem Iran Mitte 2018).

Und MBS sah sich damals im Begriff seinen Cousin Mohammed bin Naif, den damaligen Kronprinzen Saudi-Arabiens, auszubooten und sich selbst in diese Positionen zu versetzen. Unterstützung bekam er dafür aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auch MBS hatte Erfolg: Er ist heute De-facto-Staatsoberhaupt Saudi-Arabiens und Alleinherrscher.

Ursprünglich wollten MBZ und MBS zehn Milliarden US-Dollar für die Trump-Regierung bereitstellen. Doch als die beiden versuchten, die US-Regierung davon zu überzeugen, öffentlich Mohammed bin Salmans Anspruch als Kronprinz zu unterstützen, verlief das Projekt im Sande. Stattdessen zahlten die beiden Herrscher auf die Kushner-Bankkonten ein, mindestens zwei Milliarden US-Dollar flossen. Eine anonyme Quelle, eine Person, die an dem Deal beteiligt war, erklärte gegenüber Buchautor Cole, wie Kushner die Situation zu seinen eigenen Gunsten zu nutzen versuchte:

«Jared suchte in seiner Diplomatie nach Abkürzungen.»
«Jared versprach MBZ, sich für ihre Ziele bei Trump einzusetzen, wenn sie sich an einem solchen Fonds beteiligten. Er wollte die Beziehungen zu Israel normalisieren, damit die Geschäfte florieren konnten.»

Laut der Quelle ist ein solcher Schmiergeldtopf in den Golfstaaten eine gängige Form der Korruption. Für die schwerreichen Ölmultis sind die Beträge Peanuts, so die Quelle:

«Die Emiratis und die Saudis machen das einmal im Jahr. Ein oder zwei Milliarden sind für sie nichts, und wenn sie damit bekommen, was sie wollen, ist es gut angelegtes Geld.»

Fall Nr. 3 – auch Netanjahu mischte mit

Zu jener Zeit näherten sich Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate im Verborgenen an – auch aufgrund des gemeinsamen Feindes im Iran. Zudem ist Benjamin Netanjahu ein enger Vertrauter der Familie Kushner, Jared Kushner kennt den israelischen Ministerpräsidenten seit Kindheitstagen. Es überrascht daher nicht, dass wohl auch dieser seine Finger bei den fragwürdigen Transaktionen im Spiel hatte: 2018 soll rund eine Milliarde Dollar aus den VAE auf ein Konto bei der israelischen Zentralbank geflossen sein – wieder über Aserbaidschan.

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Man kennt sich: Benjamin Netanjahu und Jared Kushner.Bild: EPA/U.S. Embassy Jerusalem

Netanjahu soll Kushner nahegelegt haben, das Geld dort zu parken. Das Konto soll offiziell ein Regierungskonto gewesen sein: Jede Transaktion soll die Zustimmung von zwei autorisierten Personen erfordert haben – eine davon war laut des Berichts Netanjahu selbst. Weil die israelische Zentralbank keine Privatkonten führt, suchte Kushner offenbar händeringend nach Möglichkeiten, auf das Geld zuzugreifen. Wie das schliesslich gelang, ist nicht eindeutig geklärt – doch dokumentiert sind laut Cole zahlreiche Transaktionen nach Zypern. Gemäss dem Autor mutmasslich ein weiterer Vorgang, der einerseits dazu diente, Spuren zu verschleiern und andererseits, um auf das Geld zuzugreifen.

Stellt sich noch die Frage, wofür all dieses Geld, das mutmasslich in die Hände Kushners geflossen war, verwendet wurde. Laut des Buchautors ist zumindest ein Verwendungszweck augenscheinlich: Jared Kushners Familienunternehmen stand zu jener Zeit kurz vor dem Fälligkeitsdatum für einen Milliardenkredit, den es für den Bau seines pompösen neuen Firmensitzes inmitten von Manhattan in Anspruch genommen hatte. Trotz des scheinbaren Reichtums des Kushner-Trump-Clans soll er dafür liquide Mittel benötigt haben.

Das sagt Jared Kushner

Kushner selbst liess die Berichte zurückweisen. Er bezeichnete die Vorwürfe als «empörend» und «fundamental falsch». Die Behauptungen Coles seien «komplett verrückt und haben sich nie zugetragen».

«Wir haben jeden einzelnen Vorwurf zurückgewiesen und der Autor hat keinen einzigen Beweis vorlegen können. Es handelt sich um absurde Lügen, die als investigativer Journalismus verkauft werden.»

Kushners Anwalt erklärte ebenfalls, sein Mandant habe «keine Ahnung» von solchen Konti und betonte, dass «es keine Konten gibt und auch nie gegeben hat».

President Donald Trump's envoy Jared Kushner attends a meeting between President Donald Trump and Ukraine's President Volodymyr Zelenskyy during the United Nations General Assembly, Tuesday, ...
Streitet alles ab: Jared Kushner.Bild: keystone

Sollten die Vorwürfe aber trotz der Beteuerungen wahr sein, hätte Kushner wohl x-fach gegen US-Gesetze verstossen. So hätte er beispielsweise jedes Bankkonto, für das er als damaliger Regierungsangestellter eine Zeichnungsberechtigung gehabt hatte, offenlegen müssen. Das war offensichtlich nicht der Fall.

Hinzu kämen schwerwiegende Korruptionsvergehen: Wenn Kushner Geld von den arabischen Staatsoberhäuptern angenommen hat, und diese sich so Einfluss auf die US-Regierung erkauften, hätte der Trump-Schwiegersohn gegen Bestechungsgesetze verstossen. Er könnte sogar als ausländischer Agent eingestuft werden, so ein ehemaliger Staatsanwalt aus dem Team von Ex-FBI-Direktor Robert Mueller, der gegen den Trump-Clan im Zuge einer möglichen Beeinflussung der US-Wahlen 2016 durch Russland ermittelt hatte. Dass Kushner aktuell neuerliche Ermittlungen aufgrund der Enthüllungen drohen, scheint angesichts der aktuellen Besetzung im Weissen Haus eher unwahrscheinlich.

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