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Putins Regime: Die unfassbar lange Liste russischer Untaten

KEYPIX - President Vladimir Putin, right, greets U.S. President Donald Trump's envoys Jared Kushner, left, and Steve Witkoff, center, prior to talks at the Senate Palace of the Kremlin in Moscow, ...
Trumps Unterhändler bei einem früheren Putin-Besuch. Nun verstieg sich Steve Witkoff (Mitte) zu einem Lob, das Beobachter entsetzte. Bild: keystone

US-Diplomat lobt Putin als Wohltäter – der Konter von Russland-Kennern sitzt

Die Trump-Regierung hofiert den russischen Machthaber und verharmlost öffentlich die Verbrechen des Kremls. Das wollten im Exil lebende Putin-Kritiker nicht unwidersprochen hinnehmen.
23.10.2026, 12:4823.10.2026, 12:48

Ein Humanist ist gemäss Definition jemand, der sich für die Würde, die Freiheit und das Wohl der Menschen einsetzt.

Kürzlich bezeichnete Trumps Chefunterhändler Steve Witkoff den russischen Machthaber Wladimir Putin als Humanisten. Und löste damit bei internationalen Beobachtern Unverständnis aus.

Eine treffende Antwort fand die Stiftung für Korruptionsbekämpfung, eine vom 2024 ermordeten Oppositionellen Alexej Nawalny gegründete Non-Profit-Organisation.

Sie kommentierte am Donnerstag:

«Vielleicht sollte Herr Witkoff sich einmal wieder daran erinnern, was Wladimir Putin in den letzten 26 Jahren getan hat.»

In ihrem aktuellen Newsletter führen die im Exil lebenden russischen Korruptionsbekämpfer die Mordanschläge und anderen schweren Verbrechen des Putin-Regimes auf. Es handle sich um «eine sehr unvollständige Liste».

watson gibt die Auflistung leicht gekürzt wieder.

Geiselnahme im Moskauer Dubrowka-Theater, 2022

Der Kreml-Chef Wladimir Putin priorisiert die Tötung der Terroristen, auch auf Kosten der Geiseln. Nach tagelanger Belagerung leiten Sicherheitskräfte ein potenziell tödliches Gas in den Saal und erschiessen viele Angreifer, als diese bewusstlos sind. Es sterben mindestens auch 125 Geiseln.

Geiselnahme in der Schule von Beslan, 2004

Mehr als 330 Menschen, darunter 186 Kinder, sterben in der drittgrössten russischen Stadt bei einer völlig missglückten Rettungsaktion nach einer Geiselnahme. Angemessene Massnahmen zum Schutz der Geiseln gab es nicht.

Der Mord an Anna Politkowskaja, 2006

Die über die Landesgrenzen hinaus bekannte und unerschrockene russische Journalistin, die Folter und Tötungen in Tschetschenien aufgedeckt hatte, wird an Putins Geburtstag in ihrem Moskauer Wohnhaus erschossen.

Russian journalist Anna Politkovskaya was killed in her apartment building on Saturday. Police says that the murder is possibly tied to her investigative reportings.Politkovskaya was found dead with a ...
Gedenken an Anna Politkowskaja.Bild: imago-images.de

Das Attentat auf Alexander Litwinenko, 2006

Russische Agenten vergiften den ehemaligen russischen Geheimdienstoffizier in London mit radioaktivem Polonium-210. Er stirbt später in einem britischen Spital.

Der Einmarsch in Georgien, 2008

Russische Soldaten und ihre Verbündeten töten georgische Zivilisten, zerstören Dörfer und vertreiben die einheimische Bevölkerung aus ihren Häusern.

Der Mord an Natalia Estemirowa, 2009

Die russische Historikerin und Menschenrechtsaktivistin, die Entführungen und Hinrichtungen in Tschetschenien dokumentierte, wird vor ihrem Haus entführt und später erschossen aufgefunden.

Der Tod von Sergei Magnitsky, 2009

Der russische Anwalt, der Korruption in den Behörden aufdeckte, stirbt in russischer Haft, «nachdem er entsetzlichen Haftbedingungen ausgesetzt und ihm eine angemessene medizinische Versorgung verweigert worden war».

Unterdrückung der Bolotnaja-Proteste, 2012

Friedliche Demonstranten, die gegen Putins Rückkehr ins Präsidentenamt protestieren, werden geschlagen, verhaftet und in politisch motivierten Fällen angeklagt.

Das Gesetz über ausländische Agenten, 2012

Putin führt ein System ein, das dazu genutzt wird, Tausende von Journalisten, Aktivisten, Forschern und Organisationen wegen ihrer unabhängigen Arbeit und kritischen Berichterstattung über sein Regime zu verfolgen.

Die Annexion der Krim, 2014

Russland interveniert militärisch auf der ukrainischen Halbinsel und unterstützt bewaffnete Gruppen, die für Morde, Folter, Entführungen und die rechtswidrige Inhaftierung von Zivilisten verantwortlich sind.

Der Abschuss von Flug MH17

Ein von Russland geliefertes Buk-Raketensystem schiesst ein Passagierflugzeug der der Malaysia Airlines über der Ostukraine ab, wobei alle 298 Insassen ums Leben kommen.

Das Attentat auf Boris Nemzow, 2015

Putins politischer Gegner wird nur wenige Meter vom Kreml entfernt erschossen. Die Auftraggeber seines Mordes werden nie zur Rechenschaft gezogen.

Russlands Intervention in Syrien, ab 2015

Russische Flugzeuge bombardieren Wohngebiete, Märkte, Spitäler und andere zivile Infrastruktur und unterstützen den Diktator Baschar al-Assad bei der Aufrechterhaltung seines Terror-Regimes gegen die eigene Bevölkerung.

Die Verfolgung der Zeugen Jehovas, ab 2017

Der russische Staat verbietet die Religionsgemeinschaft als angeblich extremistisch und inhaftiert Bürgerinnen und Bürger wegen der Ausübung ihres Glaubens.

Der Giftanschlag von Salisbury, 2018

Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU setzen in Grossbritannien den Nervenkampfstoff Nowitschok bei einem Mordanschlag auf den geflüchteten GRU-Offizier Sergei Skripal und dessen Tochter Julia Skripal ein.

Die Ermordung von Zelimchan Khangoschwili, 2019

Ein russischer Geheimagent erschiesst einen tschetschenisch-georgischen Exilanten am helllichten Tag in einem Berliner Park. Im Prozess um den «Tiergartenmord» wird der Täter zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt, kommt aber bei einem Gefangenenaustausch frei.

Die Vergiftung von Alexei Nawalny, 2020

Russlands führender Oppositionspolitiker wird während einer Reise nach Sibirien mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet. Er überlebt dank einer Notfallbehandlung in Deutschland.

Die Auflösung von Memorial, 2021–2022

Russland schliesst eine seiner ältesten und angesehensten Menschenrechtsorganisationen, die sowjetische Repressionen und moderne politische Verfolgung dokumentierte.

Der umfassende Einmarsch in die Ukraine, ab 2022

Putin beginnt einen unprovozierten Angriffskrieg gegen den Nachbarstaat, der Zehntausende Zivilisten das Leben kostet und Millionen aus ihren Häusern vertreibt.

Russische Soldaten massakrieren in besetzten Gebieten Zivilisten, foltern und vergewaltigen Frauen und Kinder und exekutieren ukrainische Kriegsgefangene.

Russische Behörden deportieren ukrainische Kinder nach Russland, trennen sie von ihren Familien und bringen einige bei russischen Familien unter. Einigen wird eine Gehirnwäsche verpasst, sodass sie gegen ihre Heimat kämpfen.

Putin wird nun vom Internationalen Strafgerichtshof wegen der rechtswidrigen Deportation ukrainischer Kinder bzw. Verdacht auf Kriegsverbrechen gesucht.

In der gesamten Ukraine treffen rund um die Uhr russische Raketen und Kamikazedrohnen Wohnhäuser, Schulen, Spitäler und die Energieinfrastruktur. Dadurch bleiben Millionen Menschen ohne Strom und Heizung.

Inhaftierung von russischen Kriegsgegnern, ab 2022

Der Kreml kriminalisiert öffentliche Kritik am russischen Militär und inhaftierte Menschen wegen Reden, Beiträgen auf Social-Media-Plattformen und friedlichen Protesten.

Der Moskauer Stadtrat Alexei Gorinov wird inhaftiert, weil er sich in einer Stadtratssitzung gegen den Krieg ausspricht.

Die Journalistin Maria Ponomarenko wird wegen ihrer Berichterstattung über den Bombenanschlag auf das Theater in Mariupol zu einer Haftstrafe verurteilt.

Der Student Dmitri Iwanow erhält achteinhalb Jahre Haft für Antikriegs-Postings auf Telegram.

Die Künstlerin Alexandra Skochilenko wird zu sieben Jahren Haft verurteilt, weil sie Preisschilder in einem Supermarkt durch Botschaften zum Krieg ersetzte.

Hunderte weitere Russinnen und Russen werden wegen ihres Widerstands gegen Putins Invasion inhaftiert.

Kriminalisierung von LGBTQ-Personen, ab 2023

Der russische Staat erklärt die angebliche «internationale LGBTQ-Bewegung» zur extremistischen Bewegung und öffnet damit Tür und Tor für Verhaftungen und Strafverfolgungen wegen friedlicher Aktivitäten und Symbole.

Personen, die der Beteiligung an dieser vage definierten «Bewegung» beschuldigt werden, müssen mit bis zu sechs Jahren Haft rechnen. Den angeblichen Organisatoren von Aktivitäten drohen bis zu zwölf Jahre Gefängnis.

Der Mord an Alexei Nawalny, 2024

Nawalny stirbt in einem russischen Straflager nach jahrelanger Verfolgung, wiederholter Einzelhaft und vorsätzlicher Misshandlung. 2026 bestätigen fünf europäische Regierungen das Vorhandensein des tödlichen Giftstoffs Epibatidin in Proben seines Körpers und kommen zum Schluss, dass Russland für die Vergiftung Nawalnys verantwortlich ist.

Einstufung der Anti-Korruptions-Stiftung als terroristische Organisation, 2025

Russland verschärft die Verfolgung der Organisation, die sich der Aufdeckung von Korruption verschrieben hat, und erhöht damit die Gefahr für Unterstützer und Spender.

Gab es nicht viele weitere Morde und Verbrechen im Kreml-Auftrag?

Dies sei bei weitem keine vollständige Liste, hält die Anti-Korruptions-Stiftung in ihrem Newsletter fest.

«Menschen, die auf Polizeistationen gefoltert werden, Familien, die durch den Krieg zerstört werden, Journalisten, die ins Exil gezwungen werden, politische Gefangene, denen medizinische Behandlung verweigert wird, und Kinder, die ihre Eltern vielleicht nie wiedersehen werden.»

Was war der Auslöser für diese Auflistung?

Am Mittwoch sagte der Chefunterhändler der US-Regierung, Steve Witkoff, bei einem Treffen in St. Petersburg zum russischen Machthaber Wladimir Putin:

«Sie sprechen so oft davon, dass mein Präsident, Präsident Trump, ein Humanist sei. Auch Sie sind ein Humanist, Sir, und dafür zolle ich Ihnen Respekt.»
Russian President Vladimir Putin meets US Special Envoy Steve Witkoff in St. Petersburg ST. PETERSBURG, RUSSIA - OCTOBER 21: ----EDITORIAL USE ONLY - MANDATORY CREDIT - KREMLIN PRESS OFFICE / HANDOUT  ...
Witkoff (links) und Putin, der die Freilassung eines in Russland inhaftierten US-Bürgers bekanntgab.Bild: imago-images.de

Zur Erinnerung: Witkoff ist ein amerikanischer Immobilienmogul, der dank seiner Freundschaft mit Trump zum ranghöchsten US-Gesandten und Diplomaten wurde. Er unterstützt den US‑Präsidenten seit Jahren auf verschiedenen Ebenen, und zwar massiv – politisch, finanziell und juristisch.

Der US-Korrespondent des «Guardian» rief daraufhin den bekannten Ausspruch in Erinnerung, wonach das erste Opfer des Krieges die Wahrheit ist. Für die Trump-Regierung beinhalte der Weg zum Frieden mit Russland nun offensichtlich «einige ungeheuerliche Lügen».

Das Weisse Haus dränge darauf, dass die Ukraine so schnell wie möglich kapituliere – und zwar noch vor den amerikanischen Zwischenwahlen, den Midterms.

Wenn Witkoff durch Schmeicheleien an Putin bis zum 3. November ein Friedensabkommen erkaufen wolle, sei dies «nur der Auftakt im Kampf gegen die Wahrheit».

«26 Jahre Morde, Folter, Verfolgung und Krieg. Und der Sondergesandte des amerikanischen Präsidenten blickte Wladimir Putin in die Augen und dankte ihm für sein humanitäres Engagement.»
Fazit der Putin-kritischen Anti-Korruptions-Stiftung

Quellen

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