Iran und Oman wollen Gebühren für Strasse von Hormus
Die Strasse von Hormus ist eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Ein grosser Teil der Öl- und Gasexporte aus dem Persischen Golf läuft durch die Meerenge zwischen Iran und Oman. Bis zum Krieg zwischen den USA, Israel und Iran konnten Handelsschiffe sie kostenlos passieren.
Nun steht genau dieses Prinzip infrage, wie die New York Times berichtet. Oman und Iran arbeiten offenbar an einem Modell, mit dem Schiffe für die Durchfahrt bezahlen müssten. Oman habe den USA und weiteren westlichen Verbündeten einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet, berichten mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen.
USA lehnen Gebühren ab
Offiziell geht es um Servicegebühren für sichere Navigation, Umweltschutz und die Bewältigung von Notfällen auf See. Oman verweist dabei auf Modelle in anderen wichtigen Wasserstrassen, etwa in den Strassen von Malakka und Singapur. Dort werden freiwillige Beiträge genutzt, um die Sicherheit der Schifffahrt zu verbessern.
Umstritten ist allerdings, ob die Zahlungen tatsächlich freiwillig wären. Laut Diplomaten spricht Oman von einem freiwilligen Modell. Ein iranischer Vertreter stellt die Sache anders dar: Aus Teherans Sicht sollen die Gebühren verpflichtend sein.
Die USA reagieren skeptisch. US-Aussenminister Marco Rubio sagte zuletzt, Washington werde jedes Modell ablehnen, bei dem die Nutzung der Strasse von Hormus monetarisiert werde – egal ob es als Gebühr, Maut oder Spende bezeichnet werde.
Iran will nicht zum alten Zustand zurück
Die Zukunft der Meerenge ist Teil der laufenden Gespräche zwischen den USA und Iran über ein dauerhaftes Friedensabkommen. In einem Rahmenabkommen, das den Krieg beendete, wurde zunächst für 60 Tage die sichere und kostenlose Durchfahrt kommerzieller Schiffe festgelegt. Was danach gilt, ist offen.
Iran macht jedoch deutlich, dass die Strasse von Hormus nicht einfach zum Zustand vor dem Krieg zurückkehren soll. Während der Kämpfe hatte Teheran die Meerenge zeitweise faktisch blockiert und damit gezeigt, wie stark es den globalen Energiemarkt unter Druck setzen kann. Die Ölpreise stiegen damals deutlich.
Für Iran ist die Kontrolle über die Wasserstrasse seither zu einem wichtigen Druckmittel geworden. Vertreter des Landes erklärten wiederholt, es gebe keinen Grund, Sicherheits- und Navigationsleistungen kostenlos bereitzustellen.
Oman zwischen den Fronten
Oman befindet sich in einer heiklen Lage. Das Sultanat gilt seit Jahren als Vermittler zwischen Washington und Teheran und versucht, seine Neutralität zu bewahren. Gleichzeitig liegt es direkt an der Strasse von Hormus und ist damit selbst unmittelbar betroffen.
Die omanische Regierung bestreitet, dass sie einfache Transitgebühren erheben wolle. Aussenminister Badr al-Busaidi unterscheidet zwischen verbotenen Durchfahrtsgebühren und möglichen freiwilligen Zahlungen für konkrete Dienstleistungen entlang der Meerenge.
Auch die Internationale Seeschifffahrtsorganisation sieht verpflichtende Gebühren für internationale Wasserstrassen kritisch. Ein freiwilliger Fonds könnte nach Einschätzung ihres Generalsekretärs jedoch denkbar sein.
Golfstaaten fürchten neue Ordnung
Besonders beunruhigt dürften die Pläne die arabischen Golfstaaten verfolgen. Saudi-Arabien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere Länder sind auf die freie Durchfahrt durch Hormus angewiesen, um Öl und Gas zu exportieren.
Saudi-Arabiens Aussenminister Prinz Faisal bin Farhan forderte zuletzt, die Strasse von Hormus müsse zum Zustand vor dem Krieg zurückkehren. Man könne nicht akzeptieren, dass als Folge des Konflikts eine neue Ordnung aufgezwungen werde.
Genau darum geht es nun: Die USA wollen die Rückkehr zur alten freien Durchfahrt. Iran will seine neu gewonnene Verhandlungsmacht nicht aufgeben. Und Oman versucht, zwischen beiden Seiten ein Modell zu finden, das den Verkehr durch eine der sensibelsten Wasserstrassen der Welt überhaupt wieder stabilisiert. (mke)
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