«Wir werden Trump töten»: Iran ruft zum Mord auf – warum Washington das ernst nimmt
«Wir werden Trump töten», stand in englischer Sprache auf einem riesigen Plakat an einem Gebäude in Mashhad, der Heimatstadt des früheren iranischen Regimechefs Ali Khamenei. Aufgehängt wurde das Plakat diese Woche anlässlich der Beisetzung von Khamenei, der von den USA und Israel zu Beginn ihres Krieges gegen den Iran im Februar mit einem Luftangriff getötet worden war. Über dem Spruch war das Bild einer geballten linken Faust zu sehen – als Khameneis Leiche gefunden wurde, soll seine linke Faust geballt gewesen sein.
Iranische Hardliner verlangen seit Wochen, Khameneis Tod mit der Ermordung des US-Präsidenten und des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu zu vergelten. Bei den Trauerfeiern für Khamenei in Teheran trugen einige Teilnehmer Transparente mit der Aufschrift «Tötet Trump» und «Tötet Bibi»; Bibi ist Netanyahus Spitzname. Trump und Netanyahu «dürfen nicht am Leben bleiben», forderte auch die Zeitung «Kayhan», die dem neuen Regimechef, Khameneis Sohn Mojtaba, untersteht.
Die US-Regierung nimmt die Drohungen ernst. Als Trump nach dem Nato-Gipfel von Ankara die Heimreise antrat, flog er nicht in dem Flugzeug, mit dem er angekommen war, sondern mit einer Maschine, die mit modernen Abwehrsystemen ausgerüstet war.
Der Iran hätte Trump in Ankara töten können, sagt der konservative Politiker und Ex-Offizier Ezzatollah Zaghami: Trump sei in der türkischen Hauptstadt in Reichweite iranischer Raketen gewesen. Nur aus Rücksicht auf die Beziehungen zur Türkei und anderen Staaten der Region habe Teheran darauf verzichtet, Trump dort ins Visier zu nehmen.
Schon früher von Teheran bedroht
Der US-Präsident war bereits in seiner ersten Amtszeit vom Iran bedroht worden, weil er im Jahr 2020 den iranischen General Qassem Soleimani mit einer Kampfdrohne töten liess. Trump sagte diese Woche, er stehe auf der Todesliste des iranischen Regimes an oberster Stelle.
Die Spannungen zwischen dem Iran und die USA nehmen seit iranischen Angriffen auf Schiffe in der Strasse von Hormus vor einigen Tagen wieder zu. Die US-Streitkräfte beschossen als Antwort iranische Stellungen an der Meerenge, der Iran feuerte Raketen und Drohnen auf US-Stützpunkte in arabischen Staaten ab. Trumps Regierung rechnet nach einem Bericht der Nachrichtenseite Axios damit, dass die Gefechte noch einige Wochen anhalten könnten. Die Vermittler Katar und Pakistan versuchen, neue Gespräche zu organisieren.
Amerikanische Geheimdienste registrieren seit Wochen ständig iranische Drohungen gegen Trump, wie der US-Sender CNN berichtete. Vor einigen Tagen warnte Israel die Amerikaner laut CNN und dem «Wall Street Journal» zusätzlich vor einem neuen und konkreten iranischen Anschlagsplan. Einzelheiten wurden nicht bekannt.
Das iranische Regime hat schon häufiger Mordanschläge im Ausland verübt. Im Juli 1994 töteten iranische Agenten nach Überzeugung der argentinischen Justiz 85 Menschen mit einem Bombenanschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum in Buenos Aires. Zwei Jahre zuvor starben vier Menschen bei einem Attentat auf kurdisch-iranische Oppositionelle im Berliner Restaurant «Mykonos»; die deutsche Justiz machte den iranischen Geheimdienst dafür verantwortlich. Fast alle EU-Staaten zogen aus Protest gegen den Anschlag ihre Botschafter vorübergehend aus Teheran ab.
Ein Attentat auf Trump hätte für den Iran wesentlich gravierendere Folgen. Selbst wenn Trump ein iranisches Attentat überleben sollte, würde der Anschlag wahrscheinlich einen neuen Krieg der USA gegen die Islamische Republik auslösen. Diese absehbare Konsequenz macht manche in der US-Regierung laut CNN stutzig: Warum sollte die iranische Führung ein solches Attentat anordnen, obwohl sie keinen neuen Krieg führen will?
Die US-Regierung hält es laut CNN deshalb für möglich, dass Israel mit der Warnung vor dem iranischen Anschlagsplan den Verbündeten Trump dazu animieren will, im Iran wieder härter zuzuschlagen. Netanyahus Regierung hatte sich im April nur widerwillig der amerikanisch-iranischen Waffenruhe angeschlossen und die Grundsatzeinigung zwischen Washington und Teheran im Juni kritisiert. (schweizheute.ch)
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