«Freedom Fuel»: Darum gibt es jetzt Billig-Benzin an Trump-Tankstellen
Noch zum 250. Geburtstag hatte Donald Trump bei seiner Rede auf der National Mall die USA eindringlich vor den Gefahren des Kommunismus gewarnt. Nun verkündete ausgerechnet das Weisse Haus ein Tankstellennetz, dessen Geschäftsmodell niemand so recht erklären kann. Aber es kommt ziemlich staatsnah daher.
«Freedom Fuel Network» heisst das Projekt, das von der US-Regierung in dieser Woche per Marketing-Video bekannt gegeben wurde. Demnach sollen bislang 25 Tankstellen im Land Benzin anbieten – zu angeblich günstigen Freiheitspreisen. Es klingt vielleicht nicht nach Kommunismus, aber mindestens nach staatlicher Marktlenkung, gegen die Trump sonst so leidenschaftlich zu Felde zieht.
FREEDOM FUEL HAS ARRIVED. ⛽️🇺🇸
— The White House (@WhiteHouse) July 7, 2026
The FIRST Freedom Fuel Network gas station has LANDED in Philadelphia, lowering the price at the pump to $3.47 for our 47th President.
President Trump is leading the charge to lower gas prices this summer - putting more money in your pocket. 🔥 pic.twitter.com/lcrCuioQv5
Die 25 «Freedom Fuel»-Tankstellen sind laut der Webseite des geheimnisvollen Netzwerks bislang in den Bundesstaaten Pennsylvania und New Jersey eröffnet worden und sollen das Benzin angeblich deutlich günstiger als die Konkurrenz anbieten. Das Weisse Haus feiert die Eröffnung der ersten Station als Erfolg des Präsidenten im Kampf gegen hohe Spritpreise. 3.47 Dollar kostet die Gallone, also etwa 75 Rappen pro Liter. Die symbolträchtige Zahl soll für den 47. Präsidenten der Vereinigten Staaten stehen.
Laut dem US-Verkehrsclub American Automobile Association (AAA) lag der Durchschnittspreis für eine Gallone Normalbenzin in diesen beiden Bundesstaaten Pennsylvania und New Jersey an diesem Mittwoch mit etwa 3.86 bis 3.98 US-Dollar deutlich über dem Trump-Preis. Der nationale Durchschnittspreis für Benzin betrug am Mittwoch 3.79 US-Dollar pro Gallone, wie AAA mitteilte. Auch auf der Auto-Plattform way.com und GasBuddy.com liegen die Preise für Pennsylvania und New Jersey rund 40 bis 50 Cent über den Freedom-Fuel-Preisen.
Der politische Druck steigt mit dem Ölpreis
Das Timing dürfte kein Zufall sein. Kaum ein Wahlversprechen hat Trump häufiger wiederholt als jenes, dass Benzinpreise unter seiner Führung drastisch sinken würden. Doch dann kam sein Iran-Krieg und die Blockade der Strasse von Hormus. Die Preise stiegen seither gewaltig und mit ihnen jene für Lebensmittel und viele andere Produkte und Dienstleistungen. Als Trump die jüngsten Angriffe auf den Iran verkündete, schossen die Ölpreise, die sich gerade erholten, wieder in die Höhe.
Für sehr viele Amerikaner ist der Preis an der Zapfsäule der unmittelbare Gradmesser dafür, ob ihr Präsident wirtschaftlich liefert oder nicht. Mit Blick auf die Zwischenwahlen in diesem November dürfte das Weisse Haus also sehr genau wissen, welche politische Sprengkraft jeder zusätzliche Cent besitzt. Als Trump neulich auch noch öffentlich sagte: «Ich liebe die Inflation», verzweifelten die republikanischen Politiker.
Was steckt hinter dem Billig-Benzin?
Das Rätsel um das «Freedom Fuel Network» ist gross. Das Weisse Haus beteuert, es handele sich um ein privates Unternehmen, das keinerlei staatliche Zuschüsse erhalte. Gleichzeitig verweigert die Regierung aber nahezu jede Auskunft darüber, wer eigentlich hinter dem Netzwerk steckt. Selbst der Name des Unternehmens wird nicht genannt. Auf Anfragen von Medien reagierte die angebliche Firma bislang nicht. In zahlreichen Handelsregistern taucht «Freedom Fuel Network» nicht auf.
Taylor Rogers, eine Stellvertreterin von Trumps Pressesprecherin Karoline Leavitt, teilte ein Foto von einer der neuen Tankstellen und warb dazu: «Dank der starken Führung durch Präsident Trump sehen wir Entlastung bei den Spritpreisen.» Es gebe eine «echte Einsparung» von 50 Cent pro Gallone. Andere Tankstellen sollten das Richtige tun und folgen, schrieb Taylor Rogers und postete den Link zur Webseite mit den Worten: «Finden Sie eine FREEDOM FUEL-Tankstelle in Ihrer Nähe.»
Verwirrung um amerikanischen Tankstellen-Kommunismus
Klar ist: Die angebotenen, günstigeren Preise wären dauerhaft kaum tragfähig. Die Gewinnmargen der Tankstellen sind ohnehin nicht die höchsten. Heisst: Die fehlende Differenz müsste ausgeglichen werden.
Der Widerspruch ist dabei bemerkenswert. Trump inszeniert die Tankstellen als Beweis dafür, dass er sein Versprechen günstiger Energie einlöst. Zugleich warnt er vor staatlichen Eingriffen jeder Art. Auch wenn das Projekt offiziell privat funktionieren soll, wird es vom Weissen Haus de facto beworben wie ein quasi-sozialistisches Regierungsprojekt. Die Verwirrung um den neuen amerikanischen Tankstellen-Kommunismus ist jedenfalls perfekt. Denn wer ihn finanziert, bleibt intransparent.
Kritiker sprechen deshalb schon jetzt von einem politischen «Stunt», also einer windigen Propaganda-Aktion des Weissen Hauses, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und Wählerinnen und Wähler an der Nase herumzuführen. Aber eines dürfte klar sein: Weder Donald Trump noch die Republikaner «lieben» die Inflation, und ihnen stehen politisch so gut wie keine Mittel zur Preissenkung zur Verfügung. Die Entwicklung des Ölpreises ist eine jener Realitäten, die auch Trump nicht einfach ungeschehen machen kann.

