
Das US-Militär hat über 80 Ziele in der Region angegriffen.Bild: www.imago-images.de
Nach den Attacken auf mehrere Tanker in der Strasse von Hormus hat das US-Militär erneut Ziele im Iran attackiert. Teheran reagiert mit Angriffen auf Bahrain und Kuwait. Das ist zur erneuten Eskalation im Nahen Osten bekannt.
07.07.2026, 23:5408.07.2026, 10:39
Die neuesten Entwicklungen
Nato-Generalsekretär Mark Rutte und US-Präsident Donald Trump haben sich beim Nato-Gipfel einen kurzen Schlagabtausch geliefert. Als Trump erneut mangelnde Unterstützung der Verbündeten im Krieg gegen den Iran beklagte, widersprach Rutte ihm.
5000 Flugzeuge seien zur Unterstützung der US-Offensive gegen den Iran aus Europa abgehoben, sagte Rutte am Rande des Gipfels. Damit bezog er sich auf Starts der US-Luftwaffe insbesondere von US-amerikanischen Militärstützpunkten auf dem Kontinent.
Trump beklagte daraufhin, dass nicht alle Verbündeten die Nutzung von US-Basen auf ihrem Territorium für Angriffe gegen den Iran erlaubt hätten. «5.000 ist ...», setzte Trump an, nur um von Rutte unterbrochen zu werden: «gewaltig», sagte der Nato-Chef.
Rutte hat einen guten Draht zu Trump und ist eigentlich bekannt für die Strategie, Trump in der Öffentlichkeit in Schutz zu nehmen und ihm demonstrativ zu schmeicheln. So stellt er immer wieder heraus, dass die europäischen Nato-Verbündeten wegen Trump ihre Verteidigungsausgaben deutlich gesteigert hätten - so auch jetzt wieder bei dem Treffen am Rande des Ankara-Gipfels.
Trump bezeichnete Rutte dabei trotz dessen Gegenrede als «grossartigen Führer» und sagte über den Niederländer: «Er kapiert es.» Rutte antwortete darauf: «Ihre Verbündeten kapieren es, dank Ihnen, und das ist wichtig.» (sda/dpa)

Der
Schweizer Aktienmarkt hat am Mittwoch die frühen Verluste bis kurz vor Mittag noch einmal ausgebaut. US-Präsident Trump hatte am Nato-Gipfel den Waffenstillstand mit Iran als beendet erklärt, was
den zuvor schon schwachen Leitindex noch einmal absacken liess. Dies und schon die zuvor wieder aufgeflammten Scharmützel belasteten die Stimmung deutlich. Auch der Ölpreis hat seinen Anstieg noch einmal beschleunigt.
Entsprechend der neuen Eskalationen in der Golfregion hat sich auch der
Ölpreis bereits über Nacht wieder über 76 US-Dollar verteuert. Der Preis für ein Fass der Sorte Brent ist nach den Aussagen von Trump am Rande des Nato-Gipfels in Ankara mittlerweile gar auf über 78 Dollar geklettert. Der
Bitcoin hingegen hat den umgekehrten Weg eingeschlagen und
sank wieder unter 62'000 US-Dollar.
Der Leitindex SMI steht um 10.55 Uhr 1,54 Prozent tiefer bei 14'139,00 Punkten und büsste damit im Vergleich zum Vortag mehr als 200 Punkte ein. Von den 20 Titeln stehen bis auf Kühne+Nagel alle im Minus. Der Mid-Cap-Index SMIM fiel um 1,82 Prozent auf 3107,70 Punkte zurück und der breite SPI um 1,55 Prozent auf 19'890,56 Punkte.
Auch an anderen europäischen Börsenplätzen ging es mit den Kursen klar nach unten, der deutsche Dax oder CAC in Paris büssten mehr als 2 Prozent ein. (awp/sda)

US-Präsident Trump will allen Handel mit Spanien beenden. Auf einer Pressekonferenz beim Nato-Gipfel in Ankara sagte Trump: «Ich will mit ihnen keinen Handel mehr treiben.» Trump zeigte sich – wie schon beim Nato-Gipfel im vergangenen Jahr – grundsätzlich über den Kurs von Nato-Partner Spanien verärgert.
«Spanien ist ein furchtbarer Partner in der Nato. Sie nehmen nicht teil, sie zahlen nicht», sagte Trump. «Beende allen Handel mit ihnen.» Bei der Pressekonferenz war auch US-Finanzminister Scott Bessent anwesend. Konkrete Ankündigungen, wie ein solcher Schritt in die Tat umgesetzt werden soll, machte er nicht.
Trumps Vorhaben dürfte nicht leicht umzusetzen sein, da Spanien Mitglied der Europäischen Union und des europäischen Binnenmarktes ist. In Handelsfragen haben die Mitgliedsländer ihre Kompetenzen weitgehend an die EU-Kommission in Brüssel abgegeben, die für die Mitgliedsstaaten spricht und verhandelt. (sda/dpa)
Donald Trump erklärte am Mittwochmorgen am Nato-Gipfel in Ankara, er gehe davon aus, dass die Absichtserklärung mit dem Iran «beendet» sei, nachdem es in der Region zu einer Reihe von Angriffen gekommen war. Es sei eine Zeitverschwendung, mit dem Iran zu verhandeln. Er werde seine Unterhändler aber weiter mit dem Iran reden lassen, wenn diese es wünschen.
Der Iran hat weitere Angriffe auf den Golfstaat Bahrain gemeldet. Wie der staatliche Rundfunk am Vormittag (Ortszeit) berichtete, sei eine neue Welle an Raketen auf den Inselstaat erfolgt.
Nach Angaben aus Bahrain reagierte die Flugabwehr auf mehrere iranische Angriffe. Irans «Aggression» sei zerstört worden, teilte Nabil al-Ahmar mit, ein Berater am Königshof des Golfstaats.
Nach seinen Angaben ertönten im Land seit dem frühen Morgen viermal die Warnsirenen. Einwohner wurden aufgerufen, ruhig zu bleiben und sich in Sicherheit zu bringen, wie das Innenministerium in dem Golfstaat auf X schrieb.
Nutzer in den sozialen Medien berichteten von Raketenstarts nahe der iranischen Hafenstadt Buschehr. Sie liegt etwa 300 Kilometer entfernt von Bahrain. (sda/dpa)
Neue Eskalationen im Nahen Osten sorgen an den Börsen weltweit wieder für eine schlechtere Stimmung. Gleichzeitig treiben die Gefechte den zuletzt stabilen Ölpreis wieder nach oben.
Der Schweizer Leitindex SMI büsste gegen 09.30 Uhr 0,88 Prozent auf 14'235 Punkte ein. Von den 20 Titeln notierten 18 tiefer und nur 2 höher. Auch der deutsche DAX-Index gab um 1,03 Prozent nach, während die Londoner Börse ein Minus von 0,76 Prozent verzeichnete.
Parallel zu den neuen Eskalationen im Iran hatte der Ölpreis zuletzt auf über 76 US-Dollar wieder stark angezogen. Der Preis für ein Fass der Sorte Brent lag damit so hoch wie seit zwei Wochen nicht mehr. (awp/sda)
Die USA greifen Angaben aus Teheran zufolge nach ihren nächtlichen Bombardierungen weiter an der iranischen Südküste an. Nahe der Hafenstadt Buschehr seien mindestens zwei Projektile eingeschlagen, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim am Vormittag (Ortszeit) unter Berufung auf den Vizegouverneur der gleichnamigen Provinz.
Auch der als Vahid bekannte Netzjournalist berichtete über Angriffe bei Buschehr. Er zitierte auf seinem Telegram-Kanal Bewohner, die Explosionen nahe einem Luftwaffenstützpunkt meldeten.
Unterdessen meldeten die Revolutionsgarden den Tod eines Mitglieds, wie die Elitestreitmacht laut dem staatlichen Rundfunk mitteilte. Demnach wurde ein Soldat der Flugabwehr in der Stadt Mahschahr in der Provinz Chusestan getötet. (sda/dpa)
Was ist passiert?
Das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando des US-Militärs (Centcom) teilte in der Nacht auf Mittwoch mit, es sei eine Serie von heftigen Angriffen gegen den Iran gestartet worden. Die Angriffe seien vier- oder fünfmal stärker gewesen als Attacken vor rund anderthalb Wochen.
Iranische Medien berichteten in der Nacht von Explosionen in der Hafenstadt Sirik an der Strasse von Hormus sowie auf der Insel Qeschm. Auch aus dem Bereich der Grossstadt Bandar Abbas gab es iranische Berichte über Explosionen. Nach Angaben des iranischen Senders Press TV wurden mehrere Menschen verletzt.
Um 4 Uhr in der Nacht auf Mittwoch erklärt das US-Militär die Attacken dann für beendet. Es seien über 80 Ziele angegriffen worden. Die Streitkräfte hätten unter anderem Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen sowie mehr als 60 Boote der Revolutionsgarden in oder nahe der Strasse von Hormus getroffen, teilte das zuständige Regionalkommando Centcom mit. Damit sei die Fähigkeit des Irans beeinträchtigt worden, den Schiffsverkehr in der Meerenge zu stören.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte verteidigt derweil die US-Angriffe. Die Reaktion sei «absolut notwendig» gewesen, sagte Rutte beim Nato-Gipfel in der türkischen Hauptstadt Ankara am Mittwochmorgen. Wenn Iran gegen den Waffenstillstand verstosse, wie man dies mit Angriffen auf Schiffe gesehen habe, «ist eine entschiedene Reaktion der USA unerlässlich», ergänzte der Nato-Chef.

Nato-Chef Mark Rutte.Bild: keystone
Wie reagiert der Iran?
Der Iran hat die erneuten Angriffe der USA als Verstoss gegen das Rahmenabkommen verurteilt. Das Vorgehen der USA, Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft zu setzen, sowie die daraufhin erfolgten Angriffe stellten einen «schwerwiegenden Verstoss» gegen das Abkommen dar, schrieb Vizeaussenminister Kasem Gharibabadi auf der Plattform X.
Wie ein Reporter von Axios am Mittwochmorgen berichtet, hat der Iran infolge der Eskalation Drohnenangriffe auf Bahrain gestartet. Er bezieht sich dabei auf Aussagen eines US-Beamten. Das Innenministerium von Bahrain schreibt auf X, dass die Alarmsirenen aktiviert wurden. Die Anwohnerinnen und Anwohner sollen Ruhe bewahren und sich zum nächstgelegenen sicheren Ort begeben, heisst es.
Auch Kuwait ist nach den US-Angriffen laut Armeeangaben unter Beschuss geraten. Die Luftabwehr wehre feindliche Raketen- und Drohnenangriffe ab, teilte die Armee des mit Washington verbündeten Landes am frühen Morgen auf X mit. Genauere Angaben gab es zunächst nicht.
Bahrain und Kuwait waren wie auch andere Golfstaaten schon mehrfach unter iranischen Beschuss geraten. Sie alle beherbergen US-Militärstützpunkte, die sich nur wenige Hundert Kilometer vom Iran entfernt befinden.
Warum kommen die Angriffe jetzt?
Nach Angaben des US-Militärs waren die Angriffe Vergeltung für Attacken auf Schiffe in der Strasse von Hormus. Mehrere Tanker waren in den letzten Tagen in der Region getroffen worden. Nach Angaben der britischen Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt UKMTO wurde ein Tanker von einer Drohne getroffen und leicht beschädigt. Fast zeitgleich meldete die Behörde einen weiteren Vorfall, bei dem ein Tanker von einem Geschoss getroffen worden sei.
Besonders schwere Schäden wurden von dem katarischen Flüssiggas-Tanker «al-Rekajat» gemeldet, der nach Angaben der Schiffsbesatzung von einem «unbekannten Geschoss» getroffen wurde. Katar machte den Iran für den Angriff verantwortlich und sprach von einer Gefahr für die Sicherheit der internationalen Schifffahrt und die weltweite Energieversorgung.
Unklar blieb zunächst, ob sich einzelne Meldungen auf denselben Vorfall bezogen und wer hinter den Angriffen steckte. Washington macht Teheran verantwortlich für Angriffe auf drei Handelsschiffe. Das iranische Staatsfernsehen erklärte Medienberichten zufolge, ein Flüssiggas-Tanker sei angegriffen worden, nachdem er Warnungen ignoriert habe. Teheran hatte sich zunächst nicht offiziell zu den Vorwürfen geäussert oder Verantwortung reklamiert. Der Iran hatte aber in den vergangenen Tagen wiederholt erklärt, nur die von ihm vorgegebene Route durch die Strasse von Hormus sei sicher.
Zudem setzten die USA die zuvor gelockerten Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft. Eine vor gut zwei Wochen erteilte Ausnahmegenehmigung werde wieder zurückgenommen, teilte das US-Finanzministerium mit. Neue Geschäfte mit Rohöl, Petrochemie- und Erdölprodukten iranischen Ursprungs sind damit wieder untersagt.
Die Ölpreise sind nach dem Angriff kräftig gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Referenzsorte Brent zur Lieferung im August legte im frühen Handel 2,6 Prozent auf 76,09 Dollar zu. Bereits am Dienstag hatte der Brent-Preis wegen der Angriffe auf Tanker in der Strasse von Hormus drei Prozent zugelegt.
Was heisst das für die Verhandlungen?
Mit dem neuen US-Angriff wächst die Gefahr einer noch grösseren militärischen Eskalation in der Region. Nach wochenlangen Kämpfen zwischen den USA, Israel und dem Iran war im vergangenen Monat eine vorläufige Vereinbarung erreicht worden, die Raum für tiefere Verhandlungen schaffen sollte. Diese Gespräche stocken derzeit.
Trump hatte dem Iran zuletzt erneut gedroht und gesagt, es werde entweder ein Abkommen geben oder die USA würden «den Job zu Ende bringen». Irans Aussenminister Abbas Araghtschi erklärte daraufhin, Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen würden nicht beginnen, solange Drohungen anhielten.
Flammt der Krieg jetzt wieder auf?
Nach Einschätzung von Thomas Juneau, Professor an der kanadischen Universität Ottawa, wollen jedoch sowohl der Iran als auch die USA derzeit eine Wiederaufnahme des Krieges vermeiden.
Die Auflagen für die Waffenruhe seien äusserst vage, beide Seiten interpretierten sie offensichtlich unterschiedlich und seien nicht kompromissbereit, erklärte der Experte auf X. Ihre vielen Differenzen blieben ungelöst, Verstösse gegen die Waffenruhe seien daher unvermeidbar. Beide dürften aber schon bald wieder deeskalieren – möglicherweise nach ein paar gegenseitigen Vergeltungsaktionen – hiess es. Je länger die Gewaltausbrüche jedoch andauerten, desto schwieriger werde eine Deeskalation, so Juneau.
(ome/sda/dpa)
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