Als Reaktion auf Bombardierungen durch das US-Militär in den vergangenen beiden Tagen hatte der Iran bereits Angriffe auf die Golfstaaten Kuwait und Bahrain gemeldet. Ein Luftwaffenstützpunkt in Jordanien sei ausserdem mit ballistischen Raketen vom Typ «Cheibarschekan» attackiert worden. (sda/dpa)
«Zeitverschwendung» – Trump erklärt Abkommen mit dem Iran für «beendet»
Die neuesten Entwicklungen
Iran meldet Angriffe auf US-Zerstörer vor Bahrain
Als Reaktion auf Bombardierungen durch das US-Militär in den vergangenen beiden Tagen hatte der Iran bereits Angriffe auf die Golfstaaten Kuwait und Bahrain gemeldet. Ein Luftwaffenstützpunkt in Jordanien sei ausserdem mit ballistischen Raketen vom Typ «Cheibarschekan» attackiert worden. (sda/dpa)
Jordanien meldet Raketenbeschuss aus dem Iran
Nach Angaben der Streitkräfte wurde niemand verletzt. Auch seien keine Sachschäden entstanden. Die Raketen seien aus dem Iran abgefeuert worden.
Nach Angaben eines jordanischen Regierungssprechers seien landesweit Sirenen ausgelöst worden, nachdem die Raketen in den Luftraum eingedrungen waren.
Die US-Botschaft in der jordanischen Hauptstadt Amman rief US-Staatsbürger wegen Berichten über Raketen, Drohnen oder Flugkörper dazu auf, sich umgehend in geschützte Bereiche zu begeben, in Gebäuden zu bleiben und lokale Warnmeldungen sowie behördliche Anweisungen zu verfolgen. Die Warnung gelte landesweit.
Nutzer in den sozialen Medien hatten zuvor über den Start von Raketen aus mehreren iranischen Provinzen berichtet. Ballistische Raketen seien etwa nahe der iranischen Stadt Urmia im Nordwesten und aus dem Landeszentrum abgefeuert worden, hiess es. (sda/dpa)
Trump postet falsches Bild von Explosion
Dumm nur: Das Recherche-Netzwerk fand kurz darauf heraus, dass es sich bei dem Bild nicht um einen aktuellen Angriff handelt und es folglich schon älter ist. Es soll aus 2025 stammen.
We posted an image of a strike that circulated in Iranian accounts that was inaccurately attributed to tonight.
— Open Source Intel (@Osint613) July 8, 2026
Our mistake…caught and corrected.
We post hundreds of times a day in real time. We’ll occasionally get one wrong.
Unfortunately it was widely shared before we had… pic.twitter.com/MdXagRAuGG
Weder Trump, noch das Weisse Haus, das den Post mit dem Bild ebenfalls geteilt hat, haben eine Korrektur gepostet. (vro)
Iranische Regierung: 14 Tote bei US-Angriffen
Demnach werden immer noch 47 Verletzte in Kliniken behandelt. Der Iran meldete Angriffe in fünf Provinzen. (sda/dpa)
US-Angriffe legen wichtige Bahnstrecke im Iran lahm
Die Fahrt von der iranischen Hauptstadt Teheran in die nordöstliche Millionenmetropole Maschhad dauert in der Regel 11 Stunden. Heute soll dort der Ende Februar getötete oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei bestattet werden.
Ob von der Sperrung der Strecke auch Anhänger betroffen waren, die nach Maschhad reisen, war zunächst unklar. Aus Sicherheitsgründen sind am Donnerstag Flüge über der Pilgerstadt untersagt. (sda/dpa)
Guterres warnt vor «katastrophalen Folgen» erneuter Kämpfe mit Iran
Kuwait wieder unter Beschuss - Sirenengeheul auch in Bahrain
تتصدى حالياً الدفاعات الجوية الكويتية لهجمات صاروخية وطائرات مسيرة معادية.
— KUWAIT ARMY - الجيش الكويتي (@KuwaitArmyGHQ) July 9, 2026
تنوه رئاسة الأركان العامة للجيش أن أصوات الانفجارات إن سمعت فهي نتيجة اعتراض منظومات الدفاع الجوي للهجمات المعادية.
يرجى من الجميع التقيد بتعليمات الأمن والسلامة الصادرة عن الجهات المختصة.… pic.twitter.com/jqR7huoRTO
Berichte: USA greifen Eisenbahnbrücke im Iran an
Pakistan fordert USA und Iran zu Zurückhaltung auf
Unterdessen begann das US-Militär mit einer weiteren Angriffswelle. Gut informierte Kreise in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad hatten am Mittwoch Sorgen zurückgewiesen, die jüngste Eskalation könne den Verhandlungsprozess gefährden. Eine nächste Runde wäre demnach wieder in Pakistan möglich. Auch die katarische Hauptstadt Doha sei im Gespräch, hiess es. Ein konkreter Termin war jedoch nicht bekannt. Es gebe «keine Alternative» zu einem fortgesetzten Dialog und Diplomatie, «um das gemeinsame Ziel des Friedens in der Region zu erreichen», hiess es in der Erklärung des pakistanischen Aussenministeriums.
Iran will erst verhandeln, wenn Drohungen aufhören
Trump: Iran will weiterhin «unbedingt» ein Abkommen
Neue US-Angriffe auf den Iran
US-Präsident Donald Trump hatte die neuen Angriffe zuvor in Aussicht gestellt. Das US-Militär habe den Iran «hart getroffen» und «wir werden sie höchstwahrscheinlich auch heute Nacht wieder hart treffen», sagte er. Er glaube trotzdem daran, dass der Konflikt zeitnah wieder beigelegt werde.
Was ist passiert?
Das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando des US-Militärs (Centcom) teilte in der Nacht auf Mittwoch mit, es sei eine Serie von heftigen Angriffen gegen den Iran gestartet worden. Die Angriffe seien vier- oder fünfmal stärker gewesen als Attacken vor rund anderthalb Wochen.
Iranische Medien berichteten in der Nacht von Explosionen in der Hafenstadt Sirik an der Strasse von Hormus sowie auf der Insel Qeschm. Auch aus dem Bereich der Grossstadt Bandar Abbas gab es iranische Berichte über Explosionen. Nach Angaben des iranischen Senders Press TV wurden mehrere Menschen verletzt.
Um 4 Uhr in der Nacht auf Mittwoch erklärt das US-Militär die Attacken dann für beendet. Es seien über 80 Ziele angegriffen worden. Die Streitkräfte hätten unter anderem Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen sowie mehr als 60 Boote der Revolutionsgarden in oder nahe der Strasse von Hormus getroffen, teilte das zuständige Regionalkommando Centcom mit. Damit sei die Fähigkeit des Irans beeinträchtigt worden, den Schiffsverkehr in der Meerenge zu stören.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte verteidigt derweil die US-Angriffe. Die Reaktion sei «absolut notwendig» gewesen, sagte Rutte beim Nato-Gipfel in der türkischen Hauptstadt Ankara am Mittwochmorgen. Wenn Iran gegen den Waffenstillstand verstosse, wie man dies mit Angriffen auf Schiffe gesehen habe, «ist eine entschiedene Reaktion der USA unerlässlich», ergänzte der Nato-Chef.
Wie reagiert der Iran?
Der Iran hat die erneuten Angriffe der USA als Verstoss gegen das Rahmenabkommen verurteilt. Das Vorgehen der USA, Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft zu setzen, sowie die daraufhin erfolgten Angriffe stellten einen «schwerwiegenden Verstoss» gegen das Abkommen dar, schrieb Vizeaussenminister Kasem Gharibabadi auf der Plattform X.
Wie ein Reporter von Axios am Mittwochmorgen berichtet, hat der Iran infolge der Eskalation Drohnenangriffe auf Bahrain gestartet. Er bezieht sich dabei auf Aussagen eines US-Beamten. Das Innenministerium von Bahrain schreibt auf X, dass die Alarmsirenen aktiviert wurden. Die Anwohnerinnen und Anwohner sollen Ruhe bewahren und sich zum nächstgelegenen sicheren Ort begeben, heisst es.
Iranian military launched drones at Bahrain, U.S. official said https://t.co/II5TyO3seP
— Barak Ravid (@BarakRavid) July 8, 2026
Auch Kuwait ist nach den US-Angriffen laut Armeeangaben unter Beschuss geraten. Die Luftabwehr wehre feindliche Raketen- und Drohnenangriffe ab, teilte die Armee des mit Washington verbündeten Landes am frühen Morgen auf X mit. Genauere Angaben gab es zunächst nicht.
Bahrain und Kuwait waren wie auch andere Golfstaaten schon mehrfach unter iranischen Beschuss geraten. Sie alle beherbergen US-Militärstützpunkte, die sich nur wenige Hundert Kilometer vom Iran entfernt befinden.
Warum kommen die Angriffe jetzt?
Nach Angaben des US-Militärs waren die Angriffe Vergeltung für Attacken auf Schiffe in der Strasse von Hormus. Mehrere Tanker waren in den letzten Tagen in der Region getroffen worden. Nach Angaben der britischen Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt UKMTO wurde ein Tanker von einer Drohne getroffen und leicht beschädigt. Fast zeitgleich meldete die Behörde einen weiteren Vorfall, bei dem ein Tanker von einem Geschoss getroffen worden sei.
Besonders schwere Schäden wurden von dem katarischen Flüssiggas-Tanker «al-Rekajat» gemeldet, der nach Angaben der Schiffsbesatzung von einem «unbekannten Geschoss» getroffen wurde. Katar machte den Iran für den Angriff verantwortlich und sprach von einer Gefahr für die Sicherheit der internationalen Schifffahrt und die weltweite Energieversorgung.
Unklar blieb zunächst, ob sich einzelne Meldungen auf denselben Vorfall bezogen und wer hinter den Angriffen steckte. Washington macht Teheran verantwortlich für Angriffe auf drei Handelsschiffe. Das iranische Staatsfernsehen erklärte Medienberichten zufolge, ein Flüssiggas-Tanker sei angegriffen worden, nachdem er Warnungen ignoriert habe. Teheran hatte sich zunächst nicht offiziell zu den Vorwürfen geäussert oder Verantwortung reklamiert. Der Iran hatte aber in den vergangenen Tagen wiederholt erklärt, nur die von ihm vorgegebene Route durch die Strasse von Hormus sei sicher.
Zudem setzten die USA die zuvor gelockerten Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft. Eine vor gut zwei Wochen erteilte Ausnahmegenehmigung werde wieder zurückgenommen, teilte das US-Finanzministerium mit. Neue Geschäfte mit Rohöl, Petrochemie- und Erdölprodukten iranischen Ursprungs sind damit wieder untersagt.
Die Ölpreise sind nach dem Angriff kräftig gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Referenzsorte Brent zur Lieferung im August legte im frühen Handel 2,6 Prozent auf 76,09 Dollar zu. Bereits am Dienstag hatte der Brent-Preis wegen der Angriffe auf Tanker in der Strasse von Hormus drei Prozent zugelegt.
Was heisst das für die Verhandlungen?
Mit dem neuen US-Angriff wächst die Gefahr einer noch grösseren militärischen Eskalation in der Region. Nach wochenlangen Kämpfen zwischen den USA, Israel und dem Iran war im vergangenen Monat eine vorläufige Vereinbarung erreicht worden, die Raum für tiefere Verhandlungen schaffen sollte. Diese Gespräche stocken derzeit.
Trump hatte dem Iran zuletzt erneut gedroht und gesagt, es werde entweder ein Abkommen geben oder die USA würden «den Job zu Ende bringen». Irans Aussenminister Abbas Araghtschi erklärte daraufhin, Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen würden nicht beginnen, solange Drohungen anhielten.
Flammt der Krieg jetzt wieder auf?
Nach Einschätzung von Thomas Juneau, Professor an der kanadischen Universität Ottawa, wollen jedoch sowohl der Iran als auch die USA derzeit eine Wiederaufnahme des Krieges vermeiden.
-The terms of the ceasefire are excessively vague, it is clear that the US and Iran interpret them differently, it is clear that neither the US or Iran is in the mood for compromise, and their many differences remain fully unresolved.
— Thomas Juneau (@thomasjuneau) July 7, 2026
-Breaches in the ceasefire are therefore… https://t.co/OgLJnvlGQu
Die Auflagen für die Waffenruhe seien äusserst vage, beide Seiten interpretierten sie offensichtlich unterschiedlich und seien nicht kompromissbereit, erklärte der Experte auf X. Ihre vielen Differenzen blieben ungelöst, Verstösse gegen die Waffenruhe seien daher unvermeidbar. Beide dürften aber schon bald wieder deeskalieren – möglicherweise nach ein paar gegenseitigen Vergeltungsaktionen – hiess es. Je länger die Gewaltausbrüche jedoch andauerten, desto schwieriger werde eine Deeskalation, so Juneau.
(ome/sda/dpa)
