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Netanjahus Likud will Regierung mit gleichwertigen Partnern bilden



Israels rechtskonservativer Regierungschef Netanjahu sprach sich für die Bildung einer breiten Einheitsregierung aus. Verhandlungen für eine grosse Koalition von Netanjahus Likud mit dem oppositionellen Mitte-Bündnis von Ex-Militärchef Benny Gantz waren zuvor gescheitert.

Benjamin Netanjahu Bild: AP

Die rechtskonservative Likud-Partei des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu strebt eine Einheitsregierung mit gleichwertigen Partnern an. Das sagte Jariv Levin, Vertreter des Likuds bei den Koalitionsverhandlungen am Donnerstag dem Nachrichtensender Kan.

Er spreche sich damit für den Vorschlag von Präsident Reuven Rivlin aus, sagte Levin. Gut eine Woche nach der Wahl in Israel hatte Rivlin Netanjahu am Mittwochabend den Auftrag zur Regierungsbildung erteilt.

Nach Medienberichten wirft das Mitte-Bündnis Blau-Weiss Netanjahu allerdings vor, er strebe in Wahrheit eine erneute Parlamentswahl an. Levin sagte Kan: «Im Moment ist die Möglichkeit von dritten Wahlen die wahrscheinlichste.»

Das Mitte-Bündnis Blau-Weiss von Ex-Militärchef Benny Gantz war bei der Wahl am 17. September mit 33 Mandaten stärkste Kraft geworden. Der Likud kam nur auf 32 Mandate.

Rivlin gab allerdings Netanjahu den Auftrag zur Regierungsbildung, weil dieser 55 Empfehlungen von Abgeordneten für das Amt des Ministerpräsidenten hat - Gantz dagegen nur 54. Ausserdem verwies Rivlin darauf, dass die zehn Unterstützer von Gantz von der Vereinigten Arabischen Liste nach eigener Aussage nicht Teil seiner Regierung sein wollten.

Gantz: Keine Regierung mit Netanjahu

Ex-Militärchef Benny Gantz von Blau-Weiss hatte bereits am Mittwochabend gesagt, die Partei werde nicht in einer Regierung sitzen, «deren Vorsitzender sich einer schwerwiegenden Anklage stellen muss». Netanjahu droht eine Anklage in drei Korruptionsfällen.

Am Mittwoch und Donnerstag gibt es eine Anhörung zu den Vorwürfen. Danach muss der Generalstaatsanwalt über eine Anklage entscheiden. Die Entscheidung soll nach Aussagen seines Büros vermutlich bis Ende des Jahres vorliegen.

Zudem hatte Netanjahu, der bereits seit 2009 Ministerpräsident ist, direkt nach der Wahl einen Block mit den rechten und religiösen Parteien gebildet und besteht darauf, diese mit in ein Regierungsbündnis aufzunehmen. Gantz hatte jedoch vor der Wahl angekündigt, er strebe eine säkulare grosse Koalition an.

Gleichberechtigung und Gesetzesänderung

Nach Levins Aussagen sollten in einer Einheitsregierung der Likud und seine rechten sowie religiösen Partner zusammen genau so viele Ministerposten bekommen wie Blau-Weiss. Es sei zudem klar, dass bei einer Einheitsregierung Netanjahu nicht eine ganze Legislaturperiode Ministerpräsident sein werde.

Rivlin hatte nach eigenen Angaben vorgeschlagen, dass Gantz und Netanjahu sich die Regierung gleichberechtigt aufteilen und beide gleichwertige Partner sein könnten. So könnte es zum Beispiel einen Vize-Ministerpräsidenten geben, der den Ministerpräsidenten jederzeit mit vollen Rechten vertreten kann.

Zudem hatte Rivlin sich für eine Gesetzesänderung ausgesprochen, nach der ein Regierungschef sein Amt länger als 100 Tage ruhen lassen könnte, ohne zurücktreten zu müssen. Damit könnte Netanjahu sich gegen die Korruptionsvorwürfe verteidigen - und nach einem möglichen Freispruch wieder ins Amt zurückkehren.

Schon einmal gescheitert

Dem Gesetz nach hat Netanjahu zunächst vier Wochen Zeit, eine Regierung zu formen - das wäre bis zum 23. Oktober. Anschliessend könnte er um eine Verlängerung von zwei Wochen bitten.

Allerdings wird in Medienberichten schon spekuliert, dass Netanjahu innerhalb der nächsten Tage bereits sein Mandat zurückgeben könnte. Seine Chancen für eine Regierungsbildung gelten als gering.

Anschliessend könnte Rivlin Gantz den Auftrag geben - oder aber die Knesset darüber informieren, dass es keine Möglichkeit für eine Regierungsbildung gibt. In diesem Fall könnte jedes Knesset-Mitglied versuchen, eine Mehrheit von 61 Abgeordneten zu bekommen.

Nach der Wahl im April war Netanjahu bereits bei der Regierungsbildung gescheitert, obwohl der rechts-religiöse Block eine Mehrheit hatte. Sein Rivale Avigdor Lieberman, Vorsitzender der ultrarechten Partei Israel Beitenu (Unser Haus Israel), hatte Netanjahu wegen eines Streits um die Wehrpflicht auch für ultra-orthodoxe Männer die Unterstützung verweigert. (aeg/sda/dpa)

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