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Israel befreit vier Geiseln lebend: Reaktionen auf die Befreiung

Israel befreit vier Geiseln lebend: Reaktionen auf die Befreiung

08.06.2024, 16:0209.06.2024, 12:19

Was ist passiert?

Israelische Soldaten haben am Samstag der Armee zufolge vier Geiseln aus dem Gazastreifen gerettet. Die aus Israel Entführten seien bei zwei Einsätzen im Flüchtlingsviertel Nuseirat befreit worden.

Die befreiten Geiseln werden derzeit nach Angaben der israelischen Armee medizinisch untersucht. «Sie leben. Es geht ihnen gut», sagte Militärsprecher Daniel Hagari am Samstag vor Journalisten. Sie würden nun im Krankenhaus mit ihren Familien wieder vereint.

Die vier seien nach 246 Tagen aus zwei verschiedenen Gebäuden in einer «komplexen, hochriskanten Mission» aus dem Gazastreifen gerettet worden, sagte Hagari weiter. Die Einsatzkräfte, die sich den Angaben nach wochenlang auf den Einsatz vorbereiteten, hätten dabei unter Beschuss gestanden.

Israelischen Polizeiangaben zufolge wurde bei dem Einsatz in Nuseirat auch ein hochrangiger Beamter getötet.

Medienberichte und Aufnahmen zeigen Chaos in Al-Aksa-Krankenhaus

Das Medienbüro der Hamas sprach von «einem beispiellosen, brutalen Angriff auf das Flüchtlingslager Nuseirat». Das Al-Aksa-Krankenhaus befinde sich in einer katastrophalen Lage. Berichten zufolge gab es heftige Luftangriffe und Artilleriebeschuss in der Gegend. Auf Aufnahmen, die Szenen aus dem behandelnden Krankenhaus zeigen sollen, sind blutüberströmte Opfer, Tote und verletzte Kinder zu sehen. Berichten zufolge soll in der Al-Aksa-Klinik in Deir al-Balah völliges Chaos ausgebrochen sein.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen erklärte auf der Plattform X, nach den jüngsten «intensiven Bombardements» im Zentrum des Gazastreifens sähen sich die Helfer in den Krankenhäusern Al-Aksa und Nasser mit einer «überwältigenden Zahl schwerverletzter Patienten, darunter viele Frauen und Kinder» konfrontiert.

Wer sind die Geiseln?

Bei den Geiseln handelt es sich um eine Frau (Noa Argamani, 25) und drei Männer (Amog Meir Jan, 21, Andrey Kozlov, 27 und Shlomi Ziv, 40).

Noa Argamani war eine von Hunderten jungen Menschen, die am 7. Oktober auf dem Nova-Festival feierten, als Hamas-Terroristen aus Gaza Israel brutal überfielen.

Daraufhin kursierte im Netz ein Video, wie die Hamas Noa Argamani auf einem Motorrad entführten. Die junge Frau flehte um Hilfe.

Noa Argamanis Mutter leidet an Krebs im Endstadium. Die Frau hatte immer wieder darum gebeten, ihre Tochter vor ihrem Tod noch einmal sehen zu dürfen. Dieser Wunsch dürfte jetzt erfüllt werden. Medien zufolge fiel der Tag der Befreiung zudem auf den Geburtstag des Vaters.

Die 25-Jährige wurde Armeeangaben zufolge im Gazastreifen von Wohnung zu Wohnung gebracht und zuletzt in einem verschlossenen Raum in einer Wohnung im Zentrum des Küstengebiets festgehalten. Dort sei sie von vielen Bewaffneten bewacht worden.

Laut einem israelischen Medienbericht wohnte die junge Frau zuletzt bei einer palästinensischen Familie, mit der sie auf Arabisch kommunizierte. Sie habe Essen bekommen, wenn sie darum gebeten habe. Die Israelin habe wenig Tageslicht gesehen. Eine Zeit lang habe sie während ihrer Gefangenschaft auch mit zwei inzwischen für tot erklärten Geiseln zusammen gelebt, meldete der Sender Channel 13.

Der 27-Jährige Andrey Kozlov hatte am 7. Oktober Medien zufolge seiner Freundin geschrieben, er sei von Terroristen umzingelt, die Raketen auf ihn und andere Betroffene feuerten. Berichten zufolge war er vor anderthalb Jahren nach Israel eingewandert.

Die Reaktionen auf die Befreiung

In den Medien kursiert bereits ein Video, in dem das glückliche Wiedersehen von Noa Argamani mit ihrem Vater zu sehen ist. «Es gibt keine Armee wie diese auf der Welt», sagte der dankbare Vater der jungen Frau.

Video: watson/X

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu rief die 25-Jährige nach Angaben seines Büros am Samstag an. Sie freue sich, nach so langer Zeit wieder auf Hebräisch zu sprechen, sagte die Israelin Medien zufolge in dem Gespräch.

Ein anderes Video zeigt Shlomi Ziv und seine Frau, wie sie nach acht Monaten zum ersten Mal miteinander sprechen.

Video: watson

Ein drittes Video zeigt, wie am Strand der Küstenmetropole nach einer Durchsage eines Rettungsschwimmers über die Rettungsaktion spontaner Jubel und Applaus ausbrach.

Video: watson/X

«Wir sind überglücklich, euch zu Hause zu haben», sagte Israels Verteidigungsminister Joav Galant nach Angaben seines Büros. Er sprach von einer «heldenhaften Operation».

Israels Staatspräsident Izchak Herzog dankte den israelischen Einsatzkräften für die «beeindruckende und mutige Rettungsaktion». Er rief auch bei der befreiten jungen Frau an. Auf der Plattform X, ehemals Twitter, veröffentlichte er eine Aufnahme der strahlenden Frau während des kurzen Gesprächs. Sie sei sehr glücklich, hier zu sein, sagte sie darin.

Benny Gantz, Minister in Israels Kriegskabinett, teilte nach der Rettung der Geiseln Medien zufolge mit, sein «Herz sei erfüllt». Zugleich sagte er eine für den Abend geplante Ansprache ab. Es wurde erwartet, dass er dabei den Austritt seiner Partei aus der Regierung bekannt geben wollte.

Macron und Biden begrüssen Befreiung von Geiseln aus dem Gazastreifen

US-Präsident Joe Biden und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron haben die Befreiung von vier Geiseln aus dem Gazastreifen begrüsst. «Wir werden nicht aufhören, zu arbeiten, bis alle Geiseln nach Hause kehren und eine Waffenruhe erreicht ist», sagte Biden bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Pariser Élyséepalast am Samstag.

Auch Macron sprach sich für diese Ziele aus. Er kritisierte allerdings auch, dass die Lage in der südlichen Stadt Rafah sowie die Zahl der Getöteten und Verletzten nach nunmehr neun Monaten Krieg inakzeptabel seien. Auch könne man nicht tolerieren, dass Israel nicht alle Grenzübergänge für humanitäre Hilfe öffne, wie die internationale Gemeinschaft es seit Monaten fordere.

Wie reagiert die Hamas?

Nach Darstellung des militärischen Arms der islamistischen Hamas sollen bei der Rettung auch einige Geiseln getötet worden sein. Das sagte Hamas-Sprecher Abu Obeida im Telegram-Kanal der Al-Kassam-Brigaden. Die Angaben der Terrororganisation liessen sich nicht unabhängig überprüfen. Israels Armee teilte dazu auf Anfrage mit, die Hamas setze psychologischen Terror ein, um ihre Ziele zu erreichen. «Dementsprechend sollten ihre Aussagen mit begrenzter Verbindlichkeit betrachtet werden.»

Der Auslandschef der islamistischen Hamas, Ismail Hanija, bezeichnete Israels jüngste Einsätze in Gaza als «Massaker» an den Palästinensern. «Der Feind setzt sein Massaker gegen unser Volk, unsere Kinder und Frauen, in Nuseirat und Deir al-Balah fort», teilte Hanija am Samstag mit. Israel habe «militärisch, politisch und moralisch versagt».

Es blieb unklar, ob Hanija sich direkt auf die Nachricht über die Befreiung der vier Geiseln aus Gewalt der Hamas bezog. Direkt erwähnte er diese in seiner Mitteilung nicht.

Was ist mit den anderen Geiseln?

Der ebenfalls entführte Freund der Studentin Noa Argamani befindet sich nach Angaben des Forums der Geiselfamilien noch immer in der Gewalt der Hamas.

Hagari zufolge befinden sich noch 120 Geiseln im Gazastreifen. «Wir werden alles tun, um unsere Geiseln wieder nach Hause zu bringen.»

Es wird befürchtet, dass ein Grossteil der noch im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln nicht mehr am Leben ist.

(mit Material der sda/t-online)

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Ukrainischer Kriegsgefangener Roman Gorilyk
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Ukrainischer Kriegsgefangener Roman Gorilyk
Roman Gorilyk, ukrainischer Kriegsgefangener
quelle: x/@inukrofficial
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Nach einem Jahr Geiselhaft – Emotionale Videobotschaft von entführtem Buschpiloten
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137 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Hosesack
08.06.2024 14:48registriert August 2018
Das sind gute Nachrichten!
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Max Dick
08.06.2024 15:38registriert Januar 2017
Grosser Respekt den israelischen Streitkräften für diese Rettung. Hoffe es können noch weitere Geiseln lebend befreit werden.
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ZEUS aKal-El
08.06.2024 14:30registriert März 2021
Also es gibt noch lebende Geiseln für die es sich lohnt zu kämpfen!

Bin gespannt wie gewisse Leute das jetzt herunterspielen wollen...
Wahrscheinlich mit blablaFakeWhat aboutIDFblabla🙄
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