Sie deckte Korruption auf – jetzt steht ihr mutmasslicher Mörder vor Gericht
Caruana Galizia starb, nachdem eine in ihrem Auto platzierte Bombe gezündet worden war. Der 44-jährige Fenech, der die Anschuldigungen abstreitet, soll 150'000 Euro (rund 138'000 Franken) für den Auftragsmord an der Journalistin bezahlt haben.
Fenech, der vor sieben Jahren verhaftet wurde, ist der letzte von insgesamt sieben Beteiligten, der sich wegen des Mordes an der Journalistin verantworten muss.
Die wichtigsten Punkte des Falls im Überblick:
Was ist passiert?
Am 16. Oktober 2017 wurde die Journalistin Daphne Caruana Galizia durch eine Autobombe getötet. Diese wurde in einer Kinderschuhbox versteckt und unter ihrem Fahrersitz platziert. Die zwei Männer, die den Anschlag verübten, brachen in der Nacht zuvor in das Auto der Journalistin ein, nachdem sie diese wochenlang beobachtet hatten.
Den Anschlag soll der Geschäftsmann Yorgen Fenech in Auftrag gegeben haben. So habe dieser Melvin Theuma, einen Taxifahrer, angeheuert, jemanden für den Mord an Caruana Galizia zu finden. Er sei bereit dazu gewesen, 150'000 Euro zu bezahlen, und habe auf die Ausführung des Mordes gedrängt.
Daraufhin beauftragte Theuma die Degiorgio-Brüder mit dem Mord. Ein paar Tage nach dem Anschlag haben die beiden das Geld in Theumas Garage abgeholt.
Kurz darauf, am 4. Dezember 2017, wurden die Brüder und ihr Komplize Vincent Muscat nach einer Razzia in ihrem Lagerhaus festgenommen.
Melwin Theuma selbst wurde am 14. November 2019 verhaftet. Dieser hatte eine Eiscreme-Box umklammert, welche USB-Sticks mit Kopien der Konversationen mit Yorgen Fenech beinhaltete. Daraufhin wurde auch dieser verhaftet und fünf Jahre später im Februar 2025 unter strengen Kautionsbedingungen freigelassen.
Weshalb wurde der Mord in Auftrag gegeben?
Daphne Caruana Galizia war eine Kritikerin der maltesischen Regierung, welche Korruptionsnetzwerke in Malta und Übersee aufdeckte. Fenech soll die Publikation einer Geschichte über sich gefürchtet und daher den Mord in Auftrag gegeben haben.
Was waren die Reaktionen?
Auf ihre Ermordung folgten internationale Empörung und Proteste in Malta gegen den damaligen Regierungschef Joseph Muscat. Diesem wurde vorgeworfen, bei den Ermittlungen Freunde und Verbündete schützen zu wollen. Muscat trat schliesslich im Januar 2020 zurück.
Was ist mit den anderen Beteiligten passiert?
Melvin Theuma lebt seit 2019 in einem Zeugenschutzprogramm. Aufgrund einer für den Prozess relevanten Zeugenaussage wurde er begnadigt.
Bereits 2022 wurden die Brüder George und Alfred Degiorgio für die Ausführung des Mordes an der Journalistin zu 40 Jahren Haft verurteilt.
Robert Agius und Jamie Vella bekamen 2025 lebenslänglich für die Lieferung der Bombe, während ihr verurteilter Kollege, Vincent Muscat, sich durch eine Zeugenaussage und ein Schuldbekenntnis zu allen Anklagepunkten eine verminderte Haftstrafe von 15 Jahren sicherte.
Wie geht es weiter?
Fenechs Anwälte bezweifeln die Interpretationen der Aufnahmen und behaupten, Theumas Aussage beinhalte Halbwahrheiten.
In der Anklageschrift wird Fenech wiederholt als Initiant des Mordanschlags auf Caruana Galizia genannt. Er soll den Mord geplant haben und andere für die Ausführung bezahlt haben. Die Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslange Haftstrafe für die Mordanklage und 20 bis 30 Jahre Haft für kriminelle Vereinigung.
Quellen:
