Die Hitze bremst Europas Züge aus – so sieht es in der Schweiz aus
Die Hitzewelle bringt das europäische Schienennetz ans Limit. Der Bahnverkehr verspätete sich zum Sommeranfang wegen der heissen Temperaturen um zusätzliche 1397 Tage – plus 20'000 Züge fielen aus. Zwischen dem 1. Mai und dem 5. Juli untersuchte das belgische Startup chuuchuu BV Zugverspätungen in Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Italien, den Niederlanden und der Schweiz.
Das Fazit der Untersuchung: Die Eisenbahn mag die Hitze nicht. Sobald die Temperaturen 30 Grad Celsius überschreiten, dehnen sich die Schienen aus. Bei extremen Temperaturen kann es ruckartig zu Verwerfungen kommen. Das heisst, dass sich die Schiene mehr als 50 Millimeter seitwärts bewegt.
Mit der Hitze hängen auch Oberleitungen eher durch. Zudem gelten Geschwindigkeitsbegrenzungen. Die Folge: längere Verspätungen und mehr Zugausfälle in ganz Europa.
Tatsächlich verspäteten sich europäische Züge im Schnitt um 1,7 Minuten mehr (von 4,2 auf 5,9 Minuten), sobald die Temperatur die 30-Grad-Grenze überschritt. Zudem fielen Züge um 1,5 Prozentpunkte eher aus (von 2,5 auf 4 Prozent).
Je höher die Temperatur, desto länger die Verspätung
Für jedes Grad Celsius über 30 Grad verspäteten sich die Züge im Schnitt um 20 Sekunden zusätzlich. Vor allem in Frankreich und Ungarn lässt sich die Abhängigkeit zwischen Hitze und Verspätungen gut erklären. Die Trendlinie erklärt dort 58 Prozent der Schwankungen der Zugverspätung durch die Maximaltemperatur. Die Grafik, die den Durchschnitt aller Länder berücksichtigt, ist mit 63,8 Prozent noch robuster.
Hinweis zu den Grafiken: Die Abstände auf der x- und y-Achse ändern sich mit den Ländern. Ein rein visueller Vergleich der Steigung der Trendlinie ist mit Vorsicht zu geniessen.
Diese Länder spürten die Hitze am meisten
Nicht überall hatte die Hitze den gleichen Einfluss. Die Karte zeigt Stationen in Europa. Die Farbe zeigt an, um wie viel Prozent sich die Verspätung an Tagen mit Temperaturen über 30 Grad Celsius erhöhte.
Auch die Länder waren von der Hitze nicht gleich betroffen: Italiens durchschnittliche Verspätung verlängerte sich bei Temperaturen über 30 Grad nur um 12 Prozent. Frankreichs durchschnittliche Verspätung stieg bei Hitzewellen um 70 Prozent. Aber: Italien hatte bereits ohne Hitzewellen ziemlich lange Verspätungen im Schnitt (5,6 Minuten) – sie wurden nur nicht viel länger, wenn es heiss wurde.
Bei der Schweiz etwa verlängerte sich die relative Verspätung bei über 30 Grad um 25 Prozent – das war absolut jedoch nur eine halbe Minute, weil die durchschnittlichen Verspätungen in der Schweiz generell sehr kurz waren.
Mit steigenden Sommertemperaturen dürfte sich dieses Muster künftig eher verstärken als abschwächen. Die Schienen kommen also noch öfter und früher ins Schmelzen.
Für Reisende heisst das: Wer im Hochsommer mit dem Zug durch Europa fährt, sollte sich schon jetzt auf mehr Verspätungen einstellen, nicht nur auf mehr Hitzetage.
