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Liechtenstein lässt Frauen zur Erbfolge zu

Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein spricht waehrend einem Interview am Liechtensteiner Staatsfeiertag, am Samstag, 15. August 2026, im Schlossgarten vor dem Schloss in Vaduz. (KEYSTONE/Peter Klau ...
Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein am Staatsfeiertag im Schlossgarten vor dem Schloss Vaduz (15. August 2026).Bild: keystone

Kurz nach Abtreibungsveto: Liechtenstein lässt Frauen zur Erbfolge zu

Kurz nachdem er sein Veto gegen die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen angekündigt hat, will Erbprinz Alois Frauen auf dem Thron zulassen. Ist das Taktik?
19.08.2026, 16:4119.08.2026, 16:41

Einmal im Jahr, am Staatsfeiertag vom 15. August, lädt das sonst äusserst diskrete Fürstenhaus Liechtenstein Würdenträger und Bevölkerung auf die Wiese vor seinem Schloss über Vaduz ein.

Dort hält Erbprinz Alois traditionell eine Rede. Er führt seit 2004 als Stellvertreter seines Vaters, Fürst Hans-Adam II., die Amtsgeschäfte. Sein Wort hat Gewicht: Alois kann die Regierung entlassen, das Parlament auflösen und Gesetzen seine Zustimmung verweigern, womit sie nicht in Kraft treten können.

Am vergangenen Samstag sorgte «Seine Durchlaucht» für eine Überraschung. Erbprinz Alois kündigte in seiner Rede zwei Änderungen im Hausgesetz der Fürstenfamilie an.

Weibliche Nachkommen des Fürstenhauses erhalten «in hausgesetzlichen Fragen» die gleichen Mitwirkungsrechte wie männliche. Zudem wird künftig unabhängig vom Geschlecht das erstgeborene Kind Thronfolgerin oder Thronfolger.

Als letzte europäische Monarchie konnten in Liechtenstein bislang nur Männer den Thron besteigen. Die Reform wird erst bei den Grosskindern von Erbprinz Alois wirksam. Als sein Nachfolger ist ohnehin sein ältestes Kind, Prinz Wenzel, vorgesehen.

Prinz Joseph Wenzel von und zu Liechtenstein, rechts, im Gespraech am Liechtensteiner Staatsfeiertag, am Freitag, 15. August 2025, in Vaduz. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Prinz Wenzel von und zu Liechtenstein soll der Nachfolger von Erbprinz Alois sein.Bild: keystone

Letzte Monarchie Europas, die sich öffnet

Laut Erbprinz Alois wurden die Änderungen «seit Jahrzehnten innerhalb der Familie diskutiert». Noch 2019 hatte er sich allerdings gegen die weibliche Thronfolge ausgesprochen.

Die Kehrtwende kommt zu einem politisch interessanten Zeitpunkt: Ende Juli wurde eine von 4970 Personen – einem Viertel aller Stimmberechtigten – unterzeichnete Volksinitiative eingereicht.

Sie verlangt eine Fristenregelung für straffreie und von der Krankenkasse finanzierte Abtreibungen während der ersten zwölf Schwangerschaftswochen, wie sie auch die Schweiz kennt. Im September befasst sich das Parlament mit dem Anliegen. Mit einer Volksabstimmung wird noch dieses Jahr gerechnet.

Bislang sind Schwangerschaftsabbrüche im Ländle grundsätzlich strafbar. Liechtensteinerinnen müssen dafür ins Ausland und selbst bezahlen.

Lenkt das Fürstenhaus nur ab?

Erbprinz Alois hatte Ende Juni angekündigt, im Falle einer Annahme sein Veto einzulegen. Der Staat habe eine Verantwortung zum Schutz des ungeborenen Lebens, begründete er seinen Widerstand. Wenig später räumt Alois mit der Änderung des Hausgesetzes den Frauen im Fürstenhaus mehr Rechte ein.

Gabriella Alvarez-Hummel von der Volksinitiative für eine Fristenlösung begrüsst zwar die angekündigte Änderung des Hausgesetzes. «Es wäre jedoch heikel, wenn das Fürstenhaus diesen Schritt hin zu mehr Gleichstellung dazu benutzen würde, um sein Veto gegen die Fristenregelung zu rechtfertigen», warnt Alvarez-Hummel.

Gabriella Alvarez-Hummel
Mitinitiantin Gabriella Alvarez-Hummel begrüsst die Änderung.Bild: gabriellaalvarezhummel.com/

Professorin Patricia Schiess hält es für denkbar, dass das Fürstenhaus den Zeitpunkt der überraschenden Ankündigung strategisch gewählt hat: «Die Öffnung der Erbfolge ist ein positiv besetztes Thema, zeigt eine Bereitschaft zur Modernisierung und lenkt von der Konfrontation ab, die sich bei der Initiative für eine Fristenlösung anbahnt», sagt die Leiterin des Fachbereichs Recht am Liechtenstein-Institut.

Die Medienstelle des Fürstenhauses betont auf Anfrage, dass «es keinen Zusammenhang zwischen den beiden Themen gibt». Eine Änderung des Hausgesetzes müsse von langer Hand geplant werden, die Vorbereitungen seien schon im letzten Jahr, vor Bekanntwerden der Initiative, gestartet worden. Dem Fürstenhaus sei es wichtig gewesen, die Gesetzesänderung vor der Geburt der nächsten Generation umzusetzen.

Was den Umgang Liechtensteins mit den Rechten adliger und nicht-adliger Frauen betrifft, scheint die Bevölkerung auf der progressiven Seite zu stehen: Die Ankündigung der weiblichen Erbfolge wurde laut Medienberichten mit «tosendem Applaus» aufgenommen. Und gemäss einer zum Staatsfeiertag publizierten Umfrage unterstützen 62 Prozent der Bevölkerung die Fristenregelung – trotz Vetodrohung aus dem Schloss Vaduz. Dazu liess sich der Erbprinz noch nicht verlauten. (schweizheute.ch)

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47 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Menel
19.08.2026 16:49registriert Februar 2015
Es ist immer sehr gruselig, wenn Männer Entscheidungen über weibliche Körper treffen.
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Aha! Erst seit August 2026, du Troll!
19.08.2026 16:53registriert August 2026
Noch bessere Lösung: Adelsherrschaft beenden.
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dega
19.08.2026 16:52registriert Mai 2021
Meine Meinung: Monarchie ist ein Relikt!
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