International
Luftfahrt

Hobbyclub vermisst Ballon nach Militär-Abschuss in den USA

Hobbyclub vermisst Ballon nach Militär-Abschuss in den USA

Amateurpiloten statt Aliens oder China: Nach dem Abschuss von drei Flugobjekten im Norden der USA könnte eine Hobbygruppe den zielführenden Tipp liefern.
17.02.2023, 09:2317.02.2023, 11:28
Theresa Crysmann
In this photo provided by South Korean Defense Ministry, U.S. F-22 fighter jets taxi after landing during the joint air drills with South Korea in Gunsan, South Korea, Tuesday, Dec. 20, 2022. The Unit ...
F-22-Jets haben die Ballone vom Himmel geholt.Bild: keystone
Ein Artikel von
t-online

Noch immer ist nicht klar, welche Art von Flugobjekten die amerikanische Luftwaffe am vergangenen Wochenende im Yukon, über Alaska und dem Huronsee abgeschossen hat. Auch US-Präsident Joe Biden hatte am Donnerstag noch keine Neuigkeiten. «Höchstwahrscheinlich» seien es jedoch Ballons gewesen, so Biden. Eine Vermutung, die der Hinweis eines Ballonclubs nun erhärten könnte: Der Northern Illinois Bottlecap Balloon Brigade ist eines ihrer Flugobjekte abhanden gekommen.

Das schreibt der Verein für Hobbypiloten in einem Blogeintrag, über den zuerst das Fliegermagazin «Aviation Week» berichtete. Demnach ist ein Ballon des Clubs «missing in action», im Einsatz verschwunden, und das in derselben Region, in der das US-Militär die drei unbekannten Flugobjekte aus dem Himmel geholt hatte. Die Amateurpiloten hatten nach eigenen Angaben zuletzt Funkkontakt zu ihrem Ballon in der Nacht von Freitag auf Samstag, als ihr Fluggerät sich entlang einer unbewohnten Insel in Alaska bewegte.

Bei dem Ballon handelt es sich um einen sogenannten «Pico-Ballon», der mit Wasserstoff gefüllt ist, einen GPS-Transmitter trägt und Flughöhen von rund 14 Kilometern erreicht. Unter Amateurclubs und Hobbytüftlern sind diese Ballons beliebt.

Der Hobbyclub aus Illinois: Die Northern Illinois Bottlecap Balloon Brigade vermist seit dem Abschuss der US-Luftwaffe am Samstag einen ihrer Pico-Ballons.
Der Hobbyclub aus Illinois: Die Northern Illinois Bottlecap Balloon Brigade vermist seit dem Abschuss der US-Luftwaffe am Samstag einen ihrer Pico-Ballons.Bild: zvg

Diese Informationen passen laut Aviation Week zu den Zeit-, Höhen und Ortsangaben, die die Luftwaffe zum Einsatz einer «Sidewinder»-Rakete durch einen Luftjäger der Klasse F-22 veröffentlicht hat: Am Samstagmorgen schoss dieser ein autogrosses Flugobjekt über dem Yukon ab.

Ob es sich dabei tatsächlich um den Ballon der Hobbyflieger aus Illinois gehandelt hat, ist jedoch schwer festzustellen: Die Trümmerteile befinden sich laut kanadischen Offiziellen in einem sehr abgelegenen Gebiet, das von Eis und Schnee bedeckt ist. Es sei daher schwierig, diese für eine Analyse zu bergen.

Vor seinem Verschwinden war der Ballon der Hobbyflieger bereits mehr als 123 Tage unterwegs gewesen. Explizite Vermutungen über eine Verbindung zwischen ihrem Verlust und den militärischen Abschüssen hat die Gruppe bisher nicht geäussert. Nach Angaben einer Sprecherin des North American Aerospace Defense Command, die dem US-Medium Politico vorliegen, besteht jedoch Kontakt zwischen dem Ballonclub und dem FBI: «Soweit ich weiss, hat das FBI mit dieser Hobbygruppe gesprochen, und ich erwarte, dass die Task Force [des Nationalen Sicherheitsrats] mehr über die mögliche Identifizierung der Objekte erfahren wird.»

Ein Pico-Ballon
Ein Pico-BallonBild: pd

Unter Ballonenthusiasten gilt es durchaus als möglich, dass die Ereignisse zusammenhängen. «Ich vermute, dass es sich wahrscheinlich um Pico-Ballons handelte», sagte Tom Medlin zu «Aviation Week». Medlin lässt aktuell selbst drei Pico-Ballons in der nördlichen und südlichen Hemisphäre fliegen. Ron Meadows, Hersteller von Pico-Ballons und Gründer des Unternehmens Scientific Balloon Solutions, sagte dem Magazin: «Ich habe selbst versucht, Militär und FBI zu kontaktieren, um ihnen zu sagen, worum es sich bei diesen Dingern wahrscheinlich handelt. Aber ich wurde nur abgewimmelt. Die werden nicht besonders gut dastehen, wenn sich rausstellt, dass sie [Pico-Ballons] abgeschossen haben».

Weder die US-Luftwaffe noch das FBI haben sich bisher zu den Eigenschaften der Flugobjekte geäussert.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Frankreich bereitet sich auf einen weiteren Protesttag vor
Rund 70'000 Polizisten und Gendarmen sind am Samstag im Einsatz, eine Woche nachdem es in mehreren französischen Städten zu Gewalt und Plünderungen gekommen war. Zahlreiche Demonstrationen wurden verboten. Dennoch rufen die Gelbwesten, Gewerkschaften und Studierende zu Protesten auf.
Gelbwesten, Gewerkschaften, Schülerinnen und Schüler sowie Studierende wollen am Samstag erneut auf die Strasse gehen. Nach dem Verbot zahlreicher Demonstrationszüge ist die Lage äusserst angespannt. Eine Woche nach den Ausschreitungen und Plünderungen sollen nun 70'000 Polizisten und Gendarmen für Sicherheit sorgen.
Zur Story