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Dieser Bericht sollte das Rätsel um Flug MH370 lösen – es kam anders



MH370

Man bringt seine Mutter zum Flughafen, setzt sie ins Flugzeug und hört dann nie wieder von ihr. Nicht nur während der paar Stunden nicht, die der Flug dauert, oder einen Urlaub lang. Nie wieder. Nicht einmal, dass man wüsste, ob das Flugzeug mit ihr abgestürzt ist oder was auch immer.

So erging es der Rechtsanwältin Grace Nathan mit ihrer Mutter Anne Daisy. Die 56-Jährige war eine von 227 Passagieren und 12 Besatzungsmitgliedern, die am 8. März 2014 mit dem Flug Malaysia Airlines 370 über Nacht von Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur nach Peking wollten.

Auch nach bald viereinhalb Jahren fehlt von ihr und allen anderen immer noch jede Spur – allen Spekulationen und allen Suchen zum Trotz. Inzwischen nennt man den ominösen Flug MH370 deshalb rund um die Welt das «grösste Rätsel der Luftfahrtgeschichte».

Abgesehen von unzähligen Zeitungs-Schlagzeilen sind inzwischen auch schon mehr als 30 Bücher darüber erschienen. Viel schlauer wird man durch all die Lektüre nicht, genauso wenig wie durch die verschiedensten TV-Sondersendungen. Erstaunlich eigentlich, dass es noch keinen grossen Hollywood-Film gibt.

Keine konkreten Ergebnisse erwartet

Deshalb war die Hoffnung der Angehörigen auf den angekündigten malaysischen Abschlussbericht, der am Montag in Kuala Lumpur vorgestellt wurde, nicht besonders gross.

epa06918633 MH370 safety investigation reports are piled during a media briefing at the Ministry of Transport headquarters in Putrajaya, Malaysia, 30 July 2018. Malaysia has released the final report into the mystery of Malaysia Airlines flight MH370 disappearance on 30 July 2018. The plane went missing on its way from Kuala Lumpur to Beijing with the loss of all 239 people on board on 08 March 2014.  EPA/FAZRY ISMAIL

Bild: EPA/EPA

Klar, dass es jetzt nicht plötzlich einen konkreten Hinweis darauf geben würde, wo die Maschine liegt – vermutlich irgendwo auf dem Boden des südlichen Indischen Ozeans. Aber zumindest hatten sie Auskunft erhofft, warum die Boeing 777-200ER wieder kehrtmachte und dann verschwand.

Aber Fehlanzeige. Der Bericht brachte nichts wirklich Neues. Der entscheidende Satz findet sich kurz vor Schluss, auf Seite 443. Dort heisst es: «Das Team ist nicht in der Lage, den Grund für das Verschwinden von MH370 zu bestimmen.»

Spekulationen gehen weiter

Damit darf weiter spekuliert werden. Die Theorien reichen von einem Absturz aus Treibstoffmangel über eine Entführung oder einen Abschuss durch Militärs bis hin zu einem Suizid des Piloten, der dabei auch noch 238 andere Menschen umgebracht hätte.

Zu den wenigen halbwegs sicheren Feststellungen in dem Bericht gehört, dass der Kurs von Flug MH370 per Hand geändert wurde und nicht über den Autopiloten. Ob vom Piloten selbst, vom Copiloten oder von jemandem anderen, dazu äusserte sich Chef-Ermittler Kok Soo Chon nicht.

Er sagte jedoch: «Wir können nicht ausschliessen, dass sich eine dritte Partei auf gesetzwidrige Art und Weise eingemischt hat.» Mehr aber auch nicht.

«Wahrscheinlich» auseinandergebrochen

Auf Grund der inzwischen 27 Wrackteile, die an verschiedenen Küsten angespült wurden, vermuten die Experten, dass die Maschine «wahrscheinlich» auseinanderbrach. Ob noch in der Luft oder beim Aufprall auf dem Wasser, das liessen sie offen.

FILE - In this March 6, 2016, file photo, a Malaysian child has his face painted with MH370 during a remembrance event for the ill fated Malaysia Airlines Flight 370 in Kuala Lumpur, Malaysia.  An independent investigation report released Monday, July 30, 2018,  more than four years after Malaysia Airlines Flight 370 disappeared highlighted shortcomings in the government response that exacerbated the mystery. (AP Photo/Joshua Paul, File)

Bild: AP/AP

Keine unwichtige Frage: Eine Wasserlandung würde bedeuten, dass der Pilot die Maschine nach vielen Stunden Flug einigermassen kontrolliert nach unten gebracht hätte. Also doch Suizid?

Von dieser Theorie hält Chef-Ermittler Kok aus anderen Gründen nicht viel. Zum einen, weil seine Leute trotz gründlicher Suche keinerlei Hinweise auf irgendwelche Probleme des Piloten fanden, weder familiärer noch finanzieller noch sonstiger Art.

Und auch, weil die beiden Psychiater im Team auf den letzten Film- und Tonaufnahmen von ihm keinerlei Symptome von Angst oder Stress feststellen konnten. Aber auch hier fügte Kok sicherheitshalber noch hinzu: «Ich schliesse überhaupt nichts aus.»

Kein Abschlussbericht

Dementsprechend enttäuscht kamen die betroffenen Familien aus ihrer Vorab-Unterrichtung durch die Ermittler. Rechtsanwältin Nathan, inzwischen Sprecherin der Angehörigen-Organisation Voice 370 (Stimme 370), fasste die Sache so zusammen: «Die Antworten gehen nicht genug in die Tiefe. Und es gibt keine angemessene Antwort auf einige relevante Fragen.»

Aus Sicht von Voice 370 darf der Bericht deshalb keinesfalls bedeuten, dass die Suche endgültig eingestellt wird. «Das kann erst dann vorbei sein, wenn MH370 gefunden ist», meinte die Anwältin. «Deshalb kann das jetzt auch noch kein »Abschlussbericht« sein.»

Wenigstens in diesem Punkt hatten die Angehörigen am Montag Erfolg. Im Unterschied zu den bisherigen Ankündigungen verzichteten die Ermittler auf diesen Begriff. Über dem 450-Seiten-Report steht jetzt nur «Sicherheitsermittlungsbericht». Gefreut darüber hat sich niemand. (aeg/sda/dpa)

Ermittler will das Mysterium um den MH370-Flug gelöst haben

Video: srf

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