AfD-Politiker will Interview umschreiben – Zeitung druckt es geschwärzt
Was auf den ersten Blick wie ein Druckfehler aussieht, ist Absicht: Die Regionalzeitung hat ein Interview mit dem Mannheimer AfD-Politiker Heinrich Koch mit geschwärzten Passagen veröffentlicht. Der Grund: Koch wollte das Gespräch nachträglich umfangreich verändern.
Wie die Zeitung berichtet, hatte Koch rund zwei Stunden mit dem Journalisten Steffen Mack gesprochen. Anschliessend bekam er das Interview zur Autorisierung vorgelegt.
Was danach folgte, ging aus Sicht der Redaktion deutlich über eine übliche Überprüfung von Zitaten hinaus. Koch habe den Text um rund zwei Drittel gekürzt und Antworten umgeschrieben. Selbst die Fragen des Journalisten habe er ändern wollen. Auch die Fotos habe er freigeben wollen.
Der «Mannheimer Morgen» machte bei den Änderungswünschen nicht mit. Stattdessen entschied sich die Redaktion für eine ziemlich drastische Lösung: Die beanstandeten Stellen wurden im veröffentlichten Interview geschwärzt.
«Nein, da ist uns nicht die Druckerschwärze ausgelaufen», schrieb Chefredaktorin Miriam Scharlibbe auf LinkedIn. Es handle sich vielmehr um den Versuch, «die Pressefreiheit zu beschneiden».
Scharlibbe ordnet den Vorgang in ihrem Beitrag in die häufig angespannte Beziehung zwischen der AfD und Medien ein. Die Partei kritisiert Journalisten und Medien regelmässig und fordert unter anderem die Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. (lyn)
