International
Medien

AfD-Politiker will Interview umschreiben – Zeitung druckt es geschwärzt

AfD-Politiker will Interview umschreiben – Zeitung druckt es geschwärzt

Ein AfD-Politiker aus Mannheim will ein bereits geführtes Interview nachträglich stark kürzen und umschreiben. Doch die Zeitung spielt nicht mit.
19.09.2026, 11:1119.09.2026, 15:02
Mannheimer Morgen schwärzt Interview mit AfD-Politiker
«Mannheimer Morgen» veröffentlicht geschwärztes Interview mit AfD-Politiker, weil der zu viel eingreifen wollte.Bild: screenshot linkedin

Was auf den ersten Blick wie ein Druckfehler aussieht, ist Absicht: Die Regionalzeitung hat ein Interview mit dem Mannheimer AfD-Politiker Heinrich Koch mit geschwärzten Passagen veröffentlicht. Der Grund: Koch wollte das Gespräch nachträglich umfangreich verändern.

Wie die Zeitung berichtet, hatte Koch rund zwei Stunden mit dem Journalisten Steffen Mack gesprochen. Anschliessend bekam er das Interview zur Autorisierung vorgelegt.

Was danach folgte, ging aus Sicht der Redaktion deutlich über eine übliche Überprüfung von Zitaten hinaus. Koch habe den Text um rund zwei Drittel gekürzt und Antworten umgeschrieben. Selbst die Fragen des Journalisten habe er ändern wollen. Auch die Fotos habe er freigeben wollen.

Der «Mannheimer Morgen» machte bei den Änderungswünschen nicht mit. Stattdessen entschied sich die Redaktion für eine ziemlich drastische Lösung: Die beanstandeten Stellen wurden im veröffentlichten Interview geschwärzt.

«Nein, da ist uns nicht die Druckerschwärze ausgelaufen», schrieb Chefredaktorin Miriam Scharlibbe auf LinkedIn. Es handle sich vielmehr um den Versuch, «die Pressefreiheit zu beschneiden».

Scharlibbe ordnet den Vorgang in ihrem Beitrag in die häufig angespannte Beziehung zwischen der AfD und Medien ein. Die Partei kritisiert Journalisten und Medien regelmässig und fordert unter anderem die Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. (lyn)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Endspurt zur Demokratie
Kaum Probleme bei Parlamentswahlen in Tunesien
Mit überraschend wenigen Zwischenfällen sind die Tunesier in die letzte Phase der Demokratisierung ihres Landes gestartet. Die Parlamentswahl am Sonntag verlief bis zum Nachmittag weitgehend ruhig, Unregelmässigkeiten wurden nur vereinzelt gemeldet.
Zur Story