Sturzflut in Nepal: 162 bestätigte Todesopfer, Hunderte vermisst
Eine heftige Sturzflut in der Grenzregion zwischen Nepal und China hat zahlreiche Menschen getötet und verheerende Schäden angerichtet. Die Zahl der Todesopfer in der Gebirgsregion in Nepal ist auf mindestens 162 gestiegen, wie die nepalesische Polizei mitteilte. China meldete für sich eine Zahl von mindestens drei Toten.
Dazu korrigierte China die Zahl der Vermissten um fast 300 auf 558 nach oben. Am Vortag hatten die Behörden noch von 265 Vermissten gesprochen. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete weiter, zwei Menschen seien gerettet worden.
Hunderte Menschen–- darunter mehr als 400 Reisende aus Nepal und aus dem Ausland sowie Polizisten und Soldaten – werden vermisst.
Bilder und Videos aus dem Gebiet im Himalaya legten ein erschreckendes Ausmass der Zerstörung nahe. Es war davon auszugehen, dass die Opferzahlen weiter ansteigen würden.
Der Chef der nepalesischen Touristenpolizei, Bishow Raj Adhikari, sagte der Deutschen Presse-Agentur, derzeit seien mehr als 350 Touristen nicht erreichbar. Nach Angaben von Trekkingagenturen befänden sich darunter acht deutsche Staatsangehörige. Die Mehrheit der Vermissten seien Inder, zudem seien viele Menschen aus den USA und Grossbritannien darunter, erklärte Adhikari.
Das Nepal Tourism Board veröffentlichte auf X eine erste provisorische Liste der Vermissten nach Staatsangehörigkeit. Bis jetzt sind keine Schweizerinnen oder Schweizer darunter.
Bhotekoshi Flash Flood
— Nepal Tourism Board (@nepaltourismb) August 26, 2026
SITUATION UPDATE -2
Date: August 26, 2026
Preliminary Details of Missing Tourists pic.twitter.com/gxWJfVfKuX
Die Rettungskräfte in den Katastrophengebieten in Nepal und China suchten einen Tag nach dem Unglück weiter mit Hochdruck nach Verschütteten. Weitere 111 Profiretter der Feuerwehr erreichten am Vormittag (Ortszeit) den Flughafen in Tingri, im Südwesten Tibets, um von dort ins Katastrophengebiet aufzubrechen, wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete. Die dicken Schlammmassen am dramatisch überspülten Grenzübergang Gyirong erschwerten aber die Rettungsarbeiten. Die Schlammassen hatten demnach Strassen für schweres Gerät und grosse Fahrzeuge unpassierbar gemacht und die Kommunikationsnetze teilweise zusammenbrechen lassen.
Was war passiert?
Was die Flutwelle auslöste, wird noch untersucht. Die nepalesische Katastrophenschutzbehörde vermutete jedoch nach ersten Analysen von Satellitenbildern, eine Gletscherlawine könnte zunächst einen Zufluss des Bhotekoshi blockiert haben, der im Hochland von Tibet entspringt, wie die Zeitung «The Kathmandu Post» berichtete. Dadurch habe sich ein vorübergehender See gebildet, der anschliessend über die Ufer getreten sei. Eine Flutwelle aus Wasser, Eis und Geröll sei dann flussabwärts im Himalaya-Staat vorgerückt.
Die Rettungskräfte in den Katastrophengebieten in Nepal und China suchten einen Tag nach dem Unglück weiter mit Hochdruck nach Vermissten. In China erreichten 111 Experten der Feuerwehr am Vormittag (Ortszeit) den Flughafen in Tingri, im Südwesten Tibets, um von dort ins Katastrophengebiet aufzubrechen, wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete.
Das Gebiet ist schwer zugänglich. Die dicken Schlammmassen am dramatisch überspülten Grenzübergang Gyirong erschwerten die Rettungsarbeiten, weil dadurch Zufahrtswege blockiert waren, wie es im chinesischen Staatsfernsehen hiess.
Wie ein Erdbeben empfunden
Die US-Erdbebenwarte USGS erklärte, in der Grenzregion zu Tibet seien durch einen Erdrutsch am Morgen (Ortszeit) Erschütterungen der Stärke 5,2 verzeichnet worden. Zunächst sei man von einem Erdbeben ausgegangen. Zusätzliche Analysen deuteten allerdings darauf hin, «dass die seismische Energie stattdessen durch einen Gletscherabbruch und Schuttfluss erzeugt wurde», teilte die USGS mit.
Auch Anwohner nahmen es am Anfang wie ein Beben wahr. Er habe gedacht, dass es ein Erdbeben am Morgen gegeben habe, wurde der Leiter des Hauptzollamts in Rasuwa, Rajendra Dhugana, von «The Kathmandu Post» zitiert. «Es war die Flut, die sich wie eine fast 100 Meter hohe Welle auftürmte und durch den Markt fegte.» Innerhalb von Sekunden sei der Markt verschwunden.
Die Behörden rufen den Katastrophenzustand aus
Auf Beschluss des Kabinetts in Kathmandu wurden betroffene Gebiete zu Katastrophengebieten für einen Zeitraum von drei Monaten erklärt. Sämtliche erforderlichen Ressourcen, einschliesslich Hubschraubern der Armee und privater Anbieter, sollten für Rettungs- und Hilfsmassnahmen mobilisiert werden. Für Familien, die ihre Häuser verlassen mussten, würden Unterkünfte und Verpflegung bereitgestellt. Die Regierung kündigte eine kostenlose medizinische Versorgung der Verletzten an.
Nach Zahlen der nepalesischen Regierung gab es zunächst keinen Kontakt mehr zu 391 ausländischen Touristen sowie 93 nepalesischen Reisenden. Zudem seien 44 Angehörige der nepalesischen Armee sowie 31 Polizeibeamte unauffindbar. Die nationale Tourismusorganisation Nepal Tourism Board hatte zuvor berichtet, der Grossteil der vermissten Reisenden stamme aus dem Nachbarland Indien. Die Organisation berief sich dabei auf vorläufige Zahlen von Reise- und Trekkingagenturen, die Touren durch die betroffene Region organisieren.
Keine Informationen über Schweizer Opfer
Aus dem Ausland kamen zahlreiche Beileidsbekundungen. Bundesaussenminister Johann Wadephul (CDU) sprach den Betroffenen und Rettungskräften in der Region auf X sein Mitgefühl aus. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) signalisierte Nepal Deutschlands Bereitschaft für Unterstützung.
UN-Generalsekretär António Guterres sagte der Regierung in Nepal Hilfe durch Teams der Vereinten Nationen zu. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen versprach, europäische Unterstützung zu mobilisieren. Der Erdbeobachtungsdienst Copernicus sei zur Kartografierung der betroffenen Gebiete aktiviert worden, schrieb sie auf X.
Die Schweiz stellt in Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen der Vereinten Nationen (UNO) 500'000 Franken für Nothilfe bereit. Dies geht aus einem X-Post des Departements für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) hervor. Bislang gäbe es weiterhin keine Informationen, dass sich unter den Vermissten oder gar gestorbenen Schweizer Staatsbürger befinden.
#Nepal | La #Suisse est solidaire du 🇳🇵 après les graves inondations dans le district de #Rasuwa.
— EDA - DFAE (@EDA_DFAE) August 26, 2026
Elle met à disposition CHF 500’000 pour l’aide d’urgence, en collaboration avec les organisations humanitaires de l’#ONU.
À ce stade, aucune information ne fait état de victimes 🇨🇭
Videos zeigen das Ausmass der Zerstörung
Die Wasser- und Schlammmassen richteten Medienberichten zufolge grosse Zerstörungen in Ortschaften und an Infrastruktur entlang des Flusses Bhotekoshi an, der die nepalesische Provinz Bagmati durchfliesst. Bilder des nepalesischen Fernsehens und Videos in den sozialen Medien zeigten, wie zahlreiche Häuser, Wasserkraftanlagen und Strassen zerstört, Brücken weggespült und ganze Dörfer überflutet wurden.
front angle of disaster 😭🙏 pic.twitter.com/HF74giJZ2N
— Soham 🔱 (@sohamjani96) August 26, 2026
Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping forderte, die Vermissten mit allen Mitteln zu suchen und Menschen in der Region in Sicherheit zu bringen, wie Xinhua meldete. Zudem mahnte er demnach, das Frühwarnsystem zu stärken. Xi gibt solche Anweisungen in der Regel nur bei besonders schweren Unglücken. Zudem schickte er mit Zhang Guoqing einen ranghohen Kader der Kommunistischen Partei in die betroffene Region, um die Rettungsmassnahmen zu überwachen. (sda/dpa/cpf/her)
