Wartezeiten und Verspätungen am Flughafen Zürich: Das rät der Betriebschef
Wer Mühe mit Menschenmengen hat, sollte den Flughafen Zürich meiden. Seit Ende Juni knackte er bereits fünfmal die Marke von 120'000 Passagieren pro Tag. Das entspricht etwa der Einwohnerzahl der Stadt Winterthur. Fürs ganze Jahr 2026 rechnet der Flughafen mit 33 Millionen Passagieren, noch einmal mehr als im bisherigen Rekordjahr 2025 und 5 Prozent mehr als 2019.
Damit legt er etwa doppelt so stark zu wie seine europäischen Konkurrenten. Zurückhaltung beim Fliegen ist in der hiesigen Bevölkerung kein Thema. Doch bei einer angeblichen Schweizer Tugend, der Pünktlichkeit, gehört der Zürcher Airport zu den Schlusslichtern. In der Sommersaison waren nur gerade 56 Prozent aller Abflüge pünktlich. «Das ist nicht unser Anspruch», sagte Betriebschef Stefan Tschudin am Dienstag.
Die Gründe seien vielfältig: Gewitter und Hitze brachten den Flugplan durcheinander. In den Lufträumen über Südwesteuropa – wo im Sommer besonders viele Menschen hinreisen – gab es Einschränkungen, auch wegen Waldbränden.
Flughafen ist abhängig von der Politik
Im Herbst dürfte sich die Situation etwas verbessern. Zwar ist das Passagieraufkommen am Flughafen Zürich in der Regel im Oktober besonders hoch, weil die hiesigen Herbstferien dann relativ konzentriert stattfinden. Doch im Rest Europas wird im Herbst weniger geflogen, weswegen mehr Luft im System ist und Verspätungen besser über den Tag abgebaut werden können.
Ein neues Problem hingegen lässt sich nicht so schnell lösen: Wegen des neuen Einreisesystems (EES) der Europäischen Union (EU), das seit April für den gesamten Schengen-Raum Pflicht ist, kommt es bei der Passkontrolle zum Teil zu langen Wartezeiten. Reisende von ausserhalb des Schengen-Raums müssen nun ihre biometrischen Daten erfassen lassen. Das macht sich an der grössten Schengen-Aussengrenze der Schweiz bemerkbar.
Zwar sind Reisende aus EU- und EFTA-Staaten – und damit aus der Schweiz – davon nicht direkt betroffen, doch bei der Einreise kann es bei vielen Passagieren zu Rückstaus an der Grenzkontrolle kommen. Laut Tschudin versucht man, dieses Problem mit mehr Personal zu bewältigen. Doch weil es sich bei der Ein- und Ausreisekontrolle um eine hoheitliche Aufgabe handelt, ist der Flughafen auf die Politik angewiesen. Der Zürcher Regierungsrat entscheidet, wie viele Ressourcen er der Kantonspolizei für diese Aufgabe zur Verfügung stellt. Der Flughafen sei «in Gesprächen» mit der Regierung, sagt Tschudin.
CT-Scanner beschleunigen Kontrolle
Dass er von der neuen Situation überrascht worden sei, bestreitet Tschudin. «Wir wussten, dass die Prozesszeit steigen wird». Das Personal sei aufgestockt worden. «Wir waren vorbereitet». Die schlimmsten Befürchtungen hätten sich nicht bewahrheitet. Zweimal machte die Kantonspolizei im Sommer zudem von einer Ausnahmeregelung Gebrauch. Die EU erlaubt es vorerst noch bis September, zeitweise die Erfassung der biometrischen Daten auszusetzen.
Der Flughafen, seine wichtigste Kundin, die Swiss, und der Bund haben sich nun der Forderung verschiedener anderer Staaten angeschlossen, diese Regelung bis Ende Jahr zu verlängern. Entschieden wurde noch nicht.
Bei der Sicherheitskontrolle der lokal abfliegenden Passagiere hingegen konnte der Flughafen Zürich sein Ziel erreichen, dass 90 Prozent der Reisenden nicht länger als sechs Minuten warten müssen. Hier hat er mehr Spielraum. Da es sich nicht um eine hoheitliche Aufgabe handelt, muss er die Sicherheitskontrolle selbst bezahlen, kann aber bei der Polizei auch flexibel Personal bestellen. Zudem sorgen die neuen CT-Scanner, dank denen Flüssigkeiten und elektronische Geräte im Handgepäck bleiben können, für schnellere Kontrollen und mehr Komfort. Konkrete Zahlen will Tschudin noch nicht nennen, doch die ersten Erfahrungen seien «sehr positiv».
E-Gates sind schneller
Reisenden rät Tschudin, möglichst viele Schritte selbstständig zu erledigen. Online-Check-In ist mittlerweile bei fast allen Airlines möglich. Am Flughafen Zürich bieten zudem 16 Fluggesellschaften die Möglichkeit der eigenständigen Gepäckabgabe am Automaten an.
Das gehe deutlich schneller als am Schalter, sagt Tschudin. Es sei immer Personal vor Ort, das bei Unklarheiten helfen könne. Er empfiehlt, das Gepäcketikett nicht zuhause auszudrucken, sondern an einem der 44 dafür aufgestellten sogenannten Tagomaten am Flughafen. Je nach Druckerqualität könne es sonst zu Problemen kommen.
Reisenden, die aus dem Schengen-Raum reisen oder von ausserhalb zurückkehren und deshalb durch die Passkontrolle müssen, empfiehlt Tschudin die Nutzung der automatischen Tore, die sogenannten E-Gates. Eine Einschränkung gibt es für Kinder. Diese müssen wegen des Risikos von Kindsentführungen bei der Ausreise bis zum Alter von 18 Jahren an den Schalter. Bei der Einreise in die Schweiz beträgt das Mindestalter für die Benutzung der E-Gates hingegen nur 12 Jahre. (schweizheute.ch)

