Südkoreas Präsident unterstützt Trumps Zugeständnisse an Nordkorea
Südkoreas Staatsführung hat sich öffentlich hinter die jüngsten Bemühungen von US-Präsident Donald Trump gestellt, einen Dialog mit dem Nachbarn Nordkorea und Machthaber Kim Jong Un zu eröffnen. «Wir teilen Präsident Trumps Bemühungen, die Voraussetzungen für einen Dialog zur Errichtung eines Friedensregimes auf der koreanischen Halbinsel zu schaffen, selbst wenn dies bedeutet, die gemeinsamen Militärübungen zwischen Südkorea und den USA zurückzufahren», schrieb Präsident Lee Jae Myung in der Nacht auf der Online-Plattform X.
Zudem stimme er Trump «voll und ganz» zu, dass Südkorea für die Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel verantwortlich sein müsse. Derzeit sind rund 28'500 US-Soldaten in dem Land stationiert. Seit dem Koreakrieg (1950-53) zählt Südkorea, ähnlich wie die Nato-Partner in Europa, auf militärischen Schutz der USA, die die Sicherheit des Landes vor äusseren Angriffen grossteils gewährleisten.
Am Wochenende hatte US-Präsident Trump in einem Post auf der Online-Plattform Truth Social angekündigt, das gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea deutlich zu reduzieren. Er verwies dabei auf seine angeblich «sehr gute Beziehung» zu Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Die – am Montag angelaufenen – Militärmanöver sendeten ein «völlig unangemessenes und feindseliges Signal» an ein Land, das – solange er Präsident gewesen sei – keine Bedrohung dargestellt und sich respektvoll verhalten habe, schrieb Trump. Am Mittwoch bejahte er dann vor Journalisten am Weissen Haus die Frage, ob er damit rechne, Kim noch in diesem Jahr zu treffen.
Gemeinsame Militärübungen drastisch gekürzt
Südkoreas Generalstab teilte am Mittwoch mit, dass die laufende Militärübung mit dem Titel «Ulchi Freedom Shield» nur halb so lange dauern würden wie ursprünglich geplant und das Manöver auf Wunsch der USA bereits am Freitag ende. Es ist südkoreanischen Medienberichten zufolge das erste Mal, dass das seit Jahren übliche Grossmanöver auf diese Weise vorzeitig verkürzt wird. Aussenminister Cho Hyun machte zugleich klar, dass seine Regierung über Trumps Online-Post vor Veröffentlichung nicht informiert worden war.
Trotz der Annäherung zwischen Seoul und Washington kritisiert Nordkoreas Regierung die Militärmanöver aufs Schärfste. Kim Yo Jong, Schwester des langjährigen Machthabers, erklärte laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA am Mittwoch, Umfang und Dauer der Übungen zu verringern ändere nichts an deren «provokativem und offensivem Charakter». Es handele sich weiterhin um feindselige Militärübungen gegen Nordkorea.
Kim sagte zudem, sie wisse von keiner Kommunikation zwischen den Staatschefs Nordkoreas und der USA. Sie räumte aber ein, dass ihr Bruder «gute Erinnerungen» an Trump hege und die beiden eine nach wie vor gute Beziehung verbinde.
Trump hatte Kim während seiner ersten Amtszeit mehrfach getroffen. Nach einem ersten Gipfel in Singapur 2018 endete die zweite Begegnung der beiden Staatschefs im folgenden Jahr in Hanoi in einem Eklat: Kim reiste noch vor Ende des offiziellen Programms ab. Hintergrund war ein Konflikt bei den Verhandlungen über Nordkoreas nukleare Abrüstung. (sda/dpa)
