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Warum Bad Bunnys Bühnenbild «La Casita» zum Problem wurde

Bad Bunny performs first Buenos Aires concert of world tour BUENOS AIRES, ARGENTINA - FEBRUARY 13: View of La Casita during the concert. Puerto Rican singer Bad Bunny performs during the first of his  ...
Es sollte ein Denkmal für seine Heimat sein: La Casita, die ikonische Bühnenkulisse von Bad Bunny. Doch daraus ist nun ein Streitpunkt geworden.Bild: www.imago-images.de

Bad Bunnys «La Casita» wird zum Problem

Er bricht Rekorde, polarisiert und verändert den Reggaeton: Bad Bunny gilt für viele als Stimme einer neuen Generation. Doch ausgerechnet sein ikonisches Bühnenprojekt löst nun eine Debatte über die Widersprüche seines eigenen Images aus.
24.06.2026, 18:0524.06.2026, 19:43

Reggaeton war jahrelang eine ziemlich verlässliche Formel: dicke Autos, dicke Muskeln, noch dickeres Ego. Frauen tauchten darin oft als Projektionsfläche männlicher Fantasien auf – oder einfach als hübsche Kulisse neben dem harten Typen.

Doch dann kam Benito Antonio Martinez Ocasio. Besser bekannt als Bad Bunny.

In knallroten High Heels, im rosafarbenen Minikleid oder als Drag brach der Puertoricaner mit dem Bild des harten, dominanten Reggaeton-Mannes. Dabei inszeniert er den Wandel nicht nur optisch: Der Musiker setzt sich öffentlich für LGBTQ-Rechte ein oder macht in seinen Songs auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam. Er scheut sich auch nicht, etablierte Künstler öffentlich zu kritisieren. Beispielsweise ermahnte er einst das Genre-Urgestein Don Omar mit den Worten: «Homophobie in dieser Zeit? Wie peinlich, Mann.»

Den Kulturkampf trug er auf die grösste Bühne der Welt: Bei der Super-Bowl-Halbzeitshow sang Bad Bunny, trotz heftiger Kritik der US-Rechten, komplett auf Spanisch. Vor rund 128 Millionen Zuschauern präsentierte er ein Amerika, das weit über die Vereinigten Staaten hinausgeht – geprägt von Vielfalt, Migration und mehreren kulturellen Identitäten.

Kontrast zum Image von Bad Bunny

Doch ausgerechnet das Herzstück seiner gefeierten Performance wird dem Künstler nun zum Verhängnis: «La Casita».

Das ikonische Bühnenbild ist eine Hommage an die Identität, Kultur und Geschichte seiner Heimat Puerto Rico. Die farbenfrohen Wohnhäuser gibt es in vielen Gegenden der Insel. Sie gehören zum Alltag der Menschen und stehen für das Leben in den Nachbarschaften. Zugleich ist es auch ein politisches Statement.

Zugleich hat die Kulisse auch eine politische Bedeutung: Bad Bunny verweist auf die ungleichen Rechte, mit denen Puerto Rico als Aussengebiet der USA bis heute konfrontiert ist. Die Inselbewohnerinnen und Inselbewohner besitzen zwar die US-Staatsbürgerschaft, dürfen jedoch nicht den Präsidenten wählen und haben keine stimmberechtigte Vertretung im US-Kongress.

Beim Super Bowl feierten Stars wie Cardi B, Karol G und Jessica Alba auf der «La Casita»-VerandaVideo: YouTube/Jessica Alba

Aktuell reist das pinkfarbene Haus auf seiner Welttournee Debí Tirar Más Fotos mit – und löst starke Kontroversen aus.

Objektifizierung und Elitismus

Denn die Veranda der Kulisse hat sich zu einem exklusiven VIP-Bereich entwickelt. Die Auserwählten: Fussballer wie Lamine Yamal oder Robert Lewandowski, Schauspielerin Ester Exposito oder etwa Marta Ortega, die Tochter des Gründers des Inditex-Imperiums, zu dem unter anderem Zara gehört.

Mit der Marke verbindet Bad Bunny eine enge kommerzielle Partnerschaft. Erst kürzlich brachte die Modekette die 150-teilige Kollektion Benito Antonio auf den Markt. Und zwischen all dem Geld und Glamour: auffallend viele junge, attraktive Frauen, die offenbar gezielt gecastet werden, um vor der Kamera zu tanzen.

Einige kritisieren, dass ausgerechnet auf der Bühne von Bad Bunny, dem Mann, der den Machismus im Reggaeton jahrelang bekämpft hat, alte Klischees des Genres wieder aufleben.

Für manche steht «La Casita» im Widerspruch zum progressiven Image, das sich der puerto-ricanische Künstler über die Jahre aufgebaut hat. Spanische Feministininnen kritisieren, dass die Frauen auf der Bühne einem auffallend einheitlichen Schönheitsideal entsprechen und vor allem über ihr Äusseres definiert werden.

«La Casita» ist zum Politikum geworden

Andere bemängeln, dass die soziale Botschaft von «La Casita» verwässert werde. Denn die Kulisse soll eigentlich Gemeinschaft, kulturelle Identität sowie den Zusammenhalt der puertoricanischen Nachbarschaften symbolisieren. Auch Gentrifizierung ist ein Thema seines Albums: Auf Puerto Rico verdrängen Luxusimmobilien zunehmend Einheimische aus ihren Vierteln. «Wenn es in seinem Album um Gemeinschaft geht, macht es dann Sinn, die La Casita nur mit Prominenten zu besetzen?», kritisiert eine spanische Musikinfluencerin.

Bad Bunnys final concert at the Estadio Metropolitano in Madrid La Casita during Bad Bunnys final concert at the Riyadh Air Metropolitano on June 15, 2026, in Madrid, Spain. The Puerto Rican artist pe ...
Der VIP-Bereich beim Bad-Bunny-Konzert in Madrid am 15. Juni 2026.Bild: www.imago-images.de

Der spanische Journalist und Musikkritiker Nando Cruz geht mit dem Künstler besonders hart ins Gericht: «Bad Bunny bricht weiterhin Rekorde, jetzt aber mit seinem schlechten Ruf. Er kam als Held nach Spanien und wird als Schurke gehen.»

Neben der gesellschaftlichen Debatte hatte Bad Bunny auch juristische Probleme wegen des Bühnenbilds. Denn «La Casita» ist eine Nachbildung des Wohnhauses eines 84-jährigen Puerto-Ricaners in Humacao. Der Besitzer hatte die Erlaubnis erteilt, die Fassade für einen Kurzfilm seines Albums zu nutzen – nicht aber als Hauptbühnenbild. Dafür soll er nur einen niedrigen Betrag erhalten haben und reichte darum eine Millionenklage ein. Er wirft der Produktion vor, die Nutzung sei nicht ausreichend geregelt gewesen und seine Privatsphäre sei verletzt worden.

Bis Ende Juli zieht Bad Bunny mit seiner «La Casita» noch durch Europa – die Debatte dürfte ihn weiter begleiten.

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