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Warum Bad Bunny Trumps Kulturkampf eskalieren lässt

President Donald Trump gestures before the premiere of first lady Melania Trump's movie "Melania" at The John F. Kennedy Memorial Center For The Performing Arts, Thursday, Jan. 29, 2026 ...
König Trump kapert das Kennedy-Kulturzentrum in Washington und fährt es an die Wand.Bild: keystone

«Wir sind keine Wilden»: Warum Bad Bunny Trumps Kulturkampf eskalieren lässt

Autokraten wie der amerikanische Präsident bekämpfen jede Kultur, die weder Propaganda noch Schmeichelei ist. Doch Künstler wie Bad Bunny, Springsteen und Salman Rushdie schlagen immer mutiger zurück.
15.02.2026, 19:3215.02.2026, 19:32
Julian Schütt
Julian Schütt

Vor kurzem wohnte der 78-jährige Schriftsteller Salman Rushdie der Premiere des Films «Knife» am Sundance Filmfestival in den USA bei, der vom Messerattentat auf ihn handelt. Er sagte bei der Gelegenheit über die Trumps dieser Welt: «Für Autoritäre ist Kultur der Feind». Sie würden die Kultur immer frontaler angreifen.

In jedem autoritär geführten Staat sind Medien, Forschung und Kultur die ersten Opfer. Ihnen werden Gelder gestrichen. Trump und sein Maga-Ensemble verhöhnen und verklagen Journalisten, Forscherinnen und Künstler, die es wagen, nicht nach ihrer Pfeife zu tanzen.

Novelist Salman Rushdie attends the premiere of the documentary film "Knife: The Attempted Murder of Salman Rushdie" during the Sundance Film Festival on Sunday, Jan. 25, 2026, at The Ray in ...
«Für Autoritäre ist Kultur der Feind»: Salman Rushdie am Sundance Filmfestival 2026 in Park City, Utah.Bild: AP Invision

Als der Comedian Trevor Noah an der Grammy-Gala witzelte, Trump brauche nun die Insel Grönland, weil die Privatinsel des Sex-Monsters Jeffrey Epstein nicht mehr zur Verfügung stehe, diffamierte ihn Trump als «totalen Verlierer» und kündigte eine Klage an. Er drohte offen: Mach dich bereit, Noah, ich werde mit dir einigen Spass haben.» Das ist die einzige Antwort, die Trump draufhat: Mit der Macht des Geldes will er jene, die ihm in die Parade fahren, zum Schweigen bringen.

Autoritäre wie Trump sind unfähig, Kultur gelten zu lassen, es sei denn, diese schmeichelt ihnen oder eignet sich als Propaganda. Sie schiessen alles ab, was nicht auf ihrer Linie ist, argumentieren mit der Abrissbirne. Seit er das Kennedy-Kulturzentrum in «Trump Kennedy Center» umbenannte und ideologisch kaperte, sagten fast alle namhaften Kulturleute ihre Auftritte in verschiedenen Künsten ab.

WASHINGTON,DC - DECEMBER 20: Protesters gather in front of the The John F. Kennedy Center for the Performing Arts after President Donald Trump's name was added to the facade on Dec.20, 2025 in Wa ...
Proteste gegen die Umbenennung des Kennedy Center in Washington in Trump Kennedy Center.Bild: The Washington Post

Der Ticketverkauf brach ein, und das Medienecho war vernichtend. Also schloss Trump das Zentrum kurzerhand und will es nun nach seinen Wünschen umbauen: zu einem Ort für Trump- und Maga-Festspiele. Was Trump fördert, ist gigantische Gaga-Kultur und Selbstbeweihräucherung. Letztlich sieht er sich als das grösste Kulturmonument der USA.

Es dauerte erstaunlich lange, bis die US-Kulturprominenz sich wirksam gegen ihren Präsidenten auflehnte. Aber inzwischen ist jede seriöse amerikanische Kultur Gegenkultur gegen Trump, Maga, ICE. Bruce Springsteen, der die US-Rockmusik wie nur wenige jahrzehntelang prägte, hat soeben das richtige Lied zur richtigen Zeit geschrieben: «Streets of Minneapolis».

«Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere»

Er verurteilt darin «König Trumps Privatarmee» ICE. Schon zuvor galt er als einer der klarsten Trump-Kritiker der USA. Trumps Antwort: plumpste Schimpferei und Drohung: Springsteen, sei ein «widerlicher Mistkerl». Er warnte ihn, den Mund zu halten. Das Problem ist allerdings, dass der «Boss» auch unter Trumps Anhängerschaft viele Fans haben dürfte.

Einen richtigen Kulturkampf hat der derzeit bekannteste amerikanische Popstar Bad Bunny ausgelöst. Der aus Puerto Rico stammende US-Bürger legt sich immer wieder mit Trump und seinen Maga-Ideologen an. Berühmt ist er für die Sätze: «Bevor ich Gott danke, sage ich … ICE out. Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere. Wir sind Menschen und wir sind Amerikaner.» An der Halbzeitshow zum Super Bowl performte er auf Spanisch, aber seine wichtigsten Botschaften waren auch auf Englisch zu lesen. «Das Einzige, was stärker ist als Hass, ist Liebe.» Und: «Zusammen sind wir Amerika.»

Bad Bunny fürchtet sich vor Auftritten in den USA

Trump bezeichnete Bunnys Auftritt als «Schlag ins Gesicht unseres Landes». Niemand verstehe «ein Wort von dem, was dieser Typ sagt». Er ignorierte damit rund 14 Prozent der Bevölkerung in den USA, deren Muttersprache Spanisch ist. Die ihm ergebene ehemalige Fox-Journalistin Megyn Kelly schlug in die gleiche Kerbe: Bad Bunny habe «dem Rest von Amerika den Stinkfinger gezeigt». Man brauche keinen Amerika- und ICE-Hasser, der nicht Englisch spreche, als Primetime-Unterhaltung. Sonst verliere man seine Kultur. Dass es so weit komme, werde Trump nicht zulassen.

Die Kulturleute nehmen die präsidialen Drohungen auf jeden Fall ernst. Der Sänger Bad Bunny setzt seine aktuelle Welttournee nur ausserhalb der USA fort. Er fürchtet, sein Latino-Publikum sei vor dem ICE-Zugriff nicht sicher. Auch andere Stars wie «Queen» oder Philip Glass weigern sich, noch in den USA aufzutreten. Trump ist das egal, weil er alle Kultur verachtet, die offen, unabhängig, unideologisch ist.

Doch was bleibt dann kulturell noch übrig? Er und seine Maga-Truppe fördern nur rückwärtsgewandten, tendenziösen, lächerlichen Schmarren wie den Film «Melania» oder den grotesken Triumphbogen, mit dem Trump sich verewigen will. (aargauerzeitung.ch)

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Donald Trump in der Schweiz
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quelle: keystone / evan vucci
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