Bad Bunny ist das, was die Welt jetzt braucht
«Das Einzige, was stärker ist als Hass, ist Liebe», leuchtete am Sonntag zum Ende der Halftime-Show des Super Bowl vom grossen Bildschirm im Stadion in die Welt hinaus. Der puerto-ricanische Künstler Bad Bunny hatte soeben Super-Bowl-Geschichte geschrieben und ein riesiges lateinamerikanisches Fest auf dem Footballfeld gefeiert.
Benito Antonio Martínez Ocasio alias Bad Bunny hat bei seiner bereits jetzt legendären Halftime-Show alle Zuschauerrekorde gebrochen: 135 Millionen Menschen schauten Bad Bunnys Performance zu, so viele wie noch nie.
Zwei Tage nach dem Super Bowl ist das Internet noch immer in Aufruhr. Es gibt Dutzende Analysen und vermeintliche Easter Eggs. Aufnahmen zeigen jubelnde Menschen in Ecuador oder Kanada, nachdem Bad Bunny «God Bless America» ausgerufen und dann alle süd- und nordamerikanischen Länder aufgezählt hatte. Viral ging auch eine liebevoll inszenierte Alltagsszene in der Show, in der ein kleiner Junge auf einem improvisierten Bett aus Stühlen liegt, während die Erwachsenen nebendran ein Fest feiern.
Zwar war die Show mit sozialkritischen und geschichtlichen Referenzen gespickt, etwa der Kulisse der Zuckerrohrfelder, die an Kolonialismus und Sklaverei erinnerten. Grosse politische Statements blieben aber aus. Dafür erhielt die Botschaft, die zum Schluss der Show auf dem Bildschirm erschien, während Bad Bunnys Hit «DeBÍ TiRAR MáS FOToS» spielte, umso mehr Gewicht: Liebe schlägt Hass.
Und die Wahrheit dieser Worte zeigt sich spätestens in den Stunden und Tagen danach.
Denn der Hass folgte prompt. Allen voran von US-Präsident Donald Trump. Auf seiner Plattform Truth Social liess er seiner Wut noch am selben Abend freien Lauf. «Absolut schrecklich», schrieb Trump. Und: Niemand hätte verstanden, was Bad Bunny gesagt habe.
Und tatsächlich: Selbst einige Muttersprachler scheinen Mühe gehabt zu haben, das zu verstehen, was Bad Bunny da sang. Einige stellten ihre gespielte Irritation darüber in den sozialen Medien zur Schau. Die Reaktionen auf Bad Bunnys Halftime-Show zeigen aber auch, dass man kein Spanisch sprechen muss, um zu verstehen, worum es ging.
Imprägniert mit der Freude, die Bad Bunny und die unzähligen Menschen, die mit ihm auf der Bühne standen, verbreitet haben, blieb Trumps Post ein leerer Wortschwall. Wer sich über diese fröhlichen Menschen empört, die die amerikanische Einheit feiern, entlarvt sich selbst. Bad Bunny hat dem Hass den Spiegel vorgehalten – und seine hässliche Fratze offenbart.
Er hat es geschafft, einer Regierung, die Menschen wie ihn, wie den kleinen Jungen, der auf den Stühlen schläft, die alte Frau vom Marktstand, das junge Paar, das sich das Ja-Wort gibt, zu politischen Feinden erklärt hat, zu zeigen, was Zusammenhalt heisst. «Endlich wieder ein Grossereignis, das Hoffnung macht», kommentierte ein User auf Instagram die Show. Und er hat recht.
Benito Antonio Martínez Ocasio hat dem nicht abreissen wollenden Strom schlechter Nachrichten, dem vergifteten, rassistischen, menschenfeindlichen Diskurs, der nicht nur in den USA an Fahrt aufnimmt, etwas entgegengesetzt: eine Hommage an das Gute auf der Welt. Trotz allem, oder gerade deswegen. Und genau das hat die Welt jetzt gebraucht.
