International
Review

«Den Krieg einfrieren»: Deutscher Politiker provoziert mit Forderung

Der konservative Politiker Michael Kretschmer ist seit 2017 Ministerpräsident des ostdeutschen Bundeslandes Sachsen.
Der konservative Politiker Michael Kretschmer ist seit 2017 Ministerpräsident des ostdeutschen Bundeslandes Sachsen. screenshot: zdf
Review

«Den Krieg einfrieren»: Politiker provoziert bei «Markus Lanz» und kriegt aufs Dach

In der ZDF-Polit-Talkrunde von Markus Lanz flogen die Fetzen. Dies wegen der höchst umstrittenen Äusserungen eines ostdeutschen Politikers zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
25.08.2022, 10:3725.08.2022, 13:20
Alexandra Karg / watson.de

Sechs Monate Krieg in der Ukraine und kein Ende in Sicht. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) drängte bei «Markus Lanz» am Mittwochabend auf eine Lösung des Angriffs durch Russland auf die Ukraine und forderte schnelle Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien.

Für die teils populistischen Aussagen erhielt der CDU-Politiker viel Gegenwind. Markus Lanz stelle Kretschmer immer wieder auf die Probe und auch ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf hielt ordentlich dagegen.

«Wir befinden uns unabhängig von der Ukraine längst im Krieg mit Russland.»
Katrin Eigendorf

Wer diskutierte mit?

Das waren die Gäste bei «Markus Lanz» am 24. August:

  • Michael Kretschmer (CDU), Politiker
  • Nadine Lindner, Journalistin
  • Katrin Eigendorf, Journalistin
  • Prof. Volker Quaschning, Energieexperte
Nadine Lindner ist Politikredakteurin beim "Deutschlandradio".screenshot zdf
Nadine Lindner ist Politikredakteurin beim «Deutschlandradio».screenshot: zdf

Die fragwürdige Behauptung

Es war eine merkbar umstrittene Meinung, die Michael Kretschmer bei «Markus Lanz» vertrat: Der CDU-Politiker hielt es für wichtig, vehement dafür einzutreten, dass der Krieg in der Ukraine schnellstmöglich «eingefroren werden muss». In der Debatte zum Thema finde «eine Verengung auf eine Sichtweise» statt.

Mehrmals betonte der Ministerpräsident Sachsens, dass er finanzielle Unterstützung und Waffenlieferungen für die Ukraine sowie Sanktionen gegen Russland grundsätzlich befürworte. Darüber hinaus fühlte Kretschmer sich berufen, die Meinung und die Ängste der Menschen in seinem Bundesland in den Diskurs einzubringen.

Deutschland müsse demnach – und davon sei er persönlich auch zutiefst überzeugt – zusammen mit anderen Ländern endlich eine «diplomatische Initiative» ergreifen. Die derzeitige Haltung der Ampelregierung führe «die Welt ins Chaos». Michael Kretschmer warnte: « Das ist ein Pulverfass.»

Gegenwind im TV-Studio

Laut Deutschlandradio-Journalistin Nadine Lindner vertrat Kretschmer damit eine Meinung, die er in seinem Bundesland Sachsen gespiegelt bekomme – wenn auch längst nicht von einer Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger. Moderator Markus Lanz wies darauf hin, dass die Aussagen Kretschmers Basiskonsens seien.

Dies bestätigte auch ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf und erweiterte diese Aussage um die Feststellung, dass die Forderungen des CDU-Politikers die Ukraine schlicht in die Lage bringen würde, die Maximalforderungen Russlands zu akzeptieren und damit ihre staatliche Souveränität zu verlieren. Allein Wladimir Putin verhindere durch sein Handeln eine Lösung des Krieges auf diplomatischem Weg.

Katrin Eigendorf berichtet wiederkehrend aus der Ukraine, früher auch aus Russland.
Katrin Eigendorf berichtet wiederkehrend aus der Ukraine, früher auch aus Russland.screenshot: zdf

«Dieser Krieg wird nicht auf dem Schlachtfeld entschieden», widersprach Eigendorf Kretschmer vehement, «er wird auf dem Verhandlungsweg entschieden – die Frage ist nur, zu welchen Bedingungen».

Das erzürnte Publikum

Auch in Social-Media-Netzwerken gib es viel Gegenwind für Kretschmers Position. Unter anderem ist dort zu lesen: «Wenn ich Kretschmer bei ‹Lanz› zuhöre, dann bin extrem erschrocken darüber, dass es in Deutschland tatsächlich möglich ist, dass solche Menschen politische Verantwortung tragen. Das ist schrecklich und fatal.»

Ein anderer Twitter-User unterstellt dem Politiker, «bockig wie ein kleines Kind» zu sein:

Sogar noch deutlicher wird es schliesslich hier:

Der springende Punkt

Ob und wann eine diplomatische Lösung im Ukraine-Krieg angemessen ist, ist eine Frage, die durchaus verschiedene Einschätzungen verträgt. Eine einzige Perspektive, die vielleicht wichtigste, sollte dabei jedoch auf keinen Fall fehlen: die Position der Ukraine, die den Angriffskrieg durch Russland täglich erleiden und verteidigen muss und die derzeit aus guten Gründen nicht zu Verhandlungen bereit ist.

Dass es keine Lösung ist, den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland als einen von Deutschland unabhängigen zu begreifen, darauf verwies Katrin Eigendorf klar, als sie erklärte: «Wir befinden uns unabhängig von der Ukraine längst im Krieg mit Russland.» Es sei ein Krieg um unsere demokratischen Werte und um die Frage: In welcher Welt wollen wir künftig leben?

Sendung verpasst?

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Ukraine veranstaltet «Militärparade» und trollt Putin
1 / 14
Ukraine veranstaltet «Militärparade» und trollt Putin
Als die Russen im Februar 2022 die Ukraine überfielen, planten sie, wenige Tage später im Zentrum Kiews eine Parade abzuhalten. Doch es kam anders ...
quelle: keystone / roman pilipey
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Arnold Schwarzeneggers Rede an das russische Volk: Die Highlights
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Massive Bombardements
Video zeigt: So brachial bombt die Koalition die IS-Kämpfer um Kobane weg
Schauplatz: Ein Hügel im Umland von Kobane, wo die IS-Dschihadisten ihre schwarze Fahne gehisst haben – ein fast schon ikonografisches Setting in der Belagerung der Kurdenstadt, ein untrügerisches Symbol des IS-Vormarsch. Dessen ist sich offenbar auch die US-geführte Anti-IS-Koalition bewusst.
Zur Story