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Ex-Doppelagent Skripal geht es besser – aber die diplomatische Krise spitzt sich zu

Im Konflikt zwischen Russland und Grossbritannien wegen des Giftanschlags auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal wird der Ton immer schärfer. Unterdessen geht es Skripal laut den Ärzten deutlich besser.
06.04.2018, 15:38

Der russische UNO-Botschafter Wassili Nebensia warf London bei einer Sitzung des UNO-Sicherheitsrats am Donnerstag (Ortszeit mit Blick auf den Propagandaminister im nationalsozialistischen Deutschland «Goebbels-Methoden» vor. Der britische Botschafter in Deutschland, Sebastian Wood, hielt Moskau wiederum im Deutschlandfunk vor, mit Nowitschok-Nervengiften experimentiert zu haben.

Nebensia drohte in New York, die Briten spielten mit dem Feuer und würden ihr Vorgehen noch bereuen. Der russische UNO-Botschafter sprach von einem «absurden Theater». «Hätten Sie nicht eine bessere erfundene Geschichte präsentieren können?» Er sprach von einem «Propaganda-Krieg», der gegen sein Land angezettelt werde. Ziel sei es, Russland «zu diskreditieren und zu delegitimieren».

Experten entfernen die Bank in Salisbury, auf welcher Skripal und seine Tochter gefunden wurden.
Experten entfernen die Bank in Salisbury, auf welcher Skripal und seine Tochter gefunden wurden.
Bild: EPA/EPA

Die britische UNO-Botschafterin Karen Pierce sagte, London habe vollkommen im Einklang mit internationalen Konventionen gehandelt. Ihr Land lasse «sich nicht in Sachen Moral oder hinsichtlich unserer Verantwortung von einem Land belehren, das so viel getan hat, um die angemessene Aufklärung von Chemiewaffen-Einsätzen in Syrien zu verhindern».

Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März im englischen Salisbury vergiftet worden. Die britische Regierung macht Moskau für den Giftanschlag verantwortlich. Russland weist jede Verantwortung zurück.

Geheimes Programm

Es sei bekannt, dass der Typ des Nervengiftes ursprünglich in Russland entwickelt worden sei, sagte Botschafter Wood dem Deutschlandfunk am Freitag. Der britische Nachrichtendienst habe Belege dafür, dass der Kreml ein geheimes Programm des Nowitschok-Nervengiftes beibehalten habe. Russland habe sogar Experimente durchgeführt, wie kleine Mengen verabreicht werden könnten, um Menschen zu töten, sagte der Botschafter weiter.

Moskau wies unterdessen einen Medienbericht zurück, wonach das beim Anschlag verwendete Nervengift aus einer Forschungseinrichtung in Zentralrussland stammte. «Dieses Labor war nie Teil unserer Arbeit», erklärte ein Kremlvertreter. «The Times» hatte unter Verweis auf Sicherheitskreise berichtet, dass das Nervengift aus der Nowitschok-Reihe in der Ortschaft Schichani hergestellt worden sei.

Die britische Premierministerin Theresa May verdächtigt Russland für den Giftanschlag.
Die britische Premierministerin Theresa May verdächtigt Russland für den Giftanschlag.
Bild: EPA/EPA

Die Standorte, an denen chemische Waffen gelagert wurden, seien «wohlbekannt», erklärte der Kremlvertreter. Schichani gehöre nicht dazu. Mehrere russische Wissenschaftler haben erklärt, Nowitschok sei in Schichani entwickelt worden.

Russland ist «höchstwahrscheinlich» verantwortlich

Video: srf

Der Fall hat zu der schwersten diplomatischen Krise zwischen Russland und Grossbritannien sowie zahlreichen weiteren westlichen Staaten seit dem Kalten Krieg geführt. Viele westliche Staaten wiesen russische Diplomaten aus, worauf Russland ebenfalls mit Ausweisungen reagierte.

Sergej Skripal geht es besser

Mehr als einen Monat nach dem Giftanschlag geht es dem ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal deutlich besser. Das berichteten seine Ärzte am Freitag in der südenglischen Kleinstadt Salisbury. «Er spricht gut auf die Behandlung an, seine Gesundheit verbessert sich schnell, und er ist nicht mehr in kritischem Zustand», teilten die Mediziner mit.

Die 33-jährige Tochter hatte sich am Donnerstag erstmals seit dem Attentat öffentlich zu Wort gemeldet und von Fortschritten bei ihrer Genesung berichtet. Sie äusserte sich in ihrem von Scotland Yard verbreiteten Schreiben aber nicht zu eventuellen Motiven oder Beobachtungen kurz vor der Tat. (sda/afp/dpa)

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quelle: epa/epa / yuri kochetkov
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