Neben Lincoln und Washington: Trump träumt vom eigenen Denkmal am Mount Rushmore
Auf diese Reise freut sich Donald Trump besonders. Am Freitag, am Vorabend der grossen Feier zum amerikanischen Unabhängigkeitstag in Washington, reist der Präsident nach South Dakota. Am Mount Rushmore, vor den steinernen Köpfen von George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln will Trump eine Rede zum 250. Geburtstag der USA halten. Und die Feuerwerk-Show bewundern, die das 1941 eröffnete Denkmal für vier der wichtigsten amerikanischen Präsidenten beleuchten wird.
Fraglos wird Trump seinen Auftritt auch dazu nutzen, eine Frage zu stellen, die ihn schon in seiner ersten Amtszeit umtrieb: Hat es am Mount Rushmore Raum für ein weiteres Gesicht?
«Platz dafür haben sie dort sicherlich», sagt der Minister
Online hat der Präsident diese Frage schon lange beantwortet. Zuletzt veröffentlichte er zu Monatsbeginn auf seinem Internet-Dienst Truth Social ein künstlich generiertes Bild, das ihn am rechten Rand, neben Lincoln, zeigt. Kommentarlos. Aber die Botschaft hinter dieser Stellungnahme war klar.
Dazu muss man wissen: Der Mount Rushmore ist ein Nationalpark, und wird damit von der Bundesregierung verwaltet. Im Kabinett von Präsident Trump ist Innenminister Doug Burgum für die Touristen-Destination zuständig, die 2025 von mehr als 2,5 Millionen Menschen besucht wurde. In einem TV-Interview mit der Schwiegertochter des Präsidenten wurde der Minister im vorigen Jahr gefragt, ob Trump dereinst am Mount Rushmore verewigt werden könnte. «Platz dafür haben sie dort sicherlich», antwortete Burgum. Dazu lächelte der Vertraute des Präsidenten – der sich natürlich bewusst war, dass er sich hier auf extra -dünnem Eis befand.
Denn der Weg zu einer Erweiterung des Mount Rushmore ist steinig. Da ist zum einen die geologische Realität. Bereits Gutzon Borglum, der Bildhauer, der von 1927 an in jahrelanger Kleinarbeit die Präsidentenköpfe in den Granit meisselte, kämpfte mit den Gegebenheiten. Ursprünglich hätte Borglum auch den Torso von Washington, Jefferson, Roosevelt und Lincoln zeigen wollen. Aber rasch stellte sich heraus, dass dies nicht möglich war; Teile des Berges sind schlicht zu porös und mit zu vielen Rissen durchzogen. Experten sagen deshalb, dass es unmöglich wäre, die Präsidentenriege mit dem Kopf von Trump zu ergänzen.
Mit einer Klageflut wäre zu rechnen
Zum andern ist da auch die politische Realität. Der Mount Rushmore ist im amerikanischen Bundesinventar von schützenswerten Kulturgütern verzeichnet – und zwar in der Original-Version, mit vier Präsidentenköpfen. Um diesen Eintrag anzupassen, müsste Trump wohl den Kongress um Zustimmung bitten. Und obwohl viele republikanische Abgeordnete Fans des Präsidenten sind, würde ein solcher Vorstoss im Repräsentantenhaus und Senat wohl auflaufen. Bisher jedenfalls ist die Abgeordnete Anna Paulina Luna aus Florida die einzige Republikanerin, die auf dem Gesetzesweg erzwingen will, dass Trump am Mount Rushmore verewigt wird.
Hinzu kommt, dass wohl auch die amerikanischen Ureinwohner ein Wörtchen mitreden könnten. Mount Rushmore befindet sich auf dem heiligen Land der Lakota, einem Stamm der Sioux. 1980 entschied der Supreme Court in Washington, dass die Bundesregierung den Ureinwohnern das Land rechtswidrig weggenommen habe. Es wäre also mit einer Klagewelle zu rechnen.
Andererseits: Trump ist es gewohnt, dass die Öffentlichkeit auf seine Projekte mit Spott und Kritik antwortet. Davon lässt er sich selten beirren. Am Freitag wird er deshalb vor den Präsidentenköpfen zumindest auf seinen Traum anspielen. Und seinem Innenminister ein Zeichen geben, dass er endlich vorwärtsmachen solle. (schweizheute.ch)

