International
Russland

Russland: Viele Jahre Straflager für Putin-Gegner Schlosberg

Russland: Viele Jahre Straflager für Putin-Gegner Schlosberg

17.08.2026, 16:3117.08.2026, 16:31

Ein russisches Gericht hat den prominenten russischen Kriegsgegner und Oppositionellen Lew Schlosberg in einem umstrittenen Verfahren zu elf Jahren und einem Monat Haft im Straflager verurteilt.

Richterin Viktoria Maljamowa befand den Vizechef der liberalen Oppositionspartei Jabloko unter anderem der Verunglimpfung der russischen Streitkräfte für schuldig.

Maljamowa blieb damit leicht hinter dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft, die am Freitag auf zwölf Jahre und einen Monat plädiert hatte. Der 63 Jahre alte Politiker will das Urteil anfechten, wie Schlosbergs liberale Partei Jabloko mitteilte. Schlosberg kritisiert immer wieder offen den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Jabloko-Chef: Urteil zeigt Zusammenbruch der Justiz in Russland

Jabloko-Parteichef Nikolai Rybakow kritisierte das Urteil als «eine Tragödie, die den Zusammenbruch der heutigen russischen Justiz verdeutlicht». Schlosberg werde zu Unrecht «wegen Äusserungen zur Notwendigkeit eines Waffenstillstandsabkommens und zur Rettung von Menschenleben» bestraft.

Der Politiker werde auch verfolgt, weil er sich geweigert habe, das Land – wie viele andere Oppositionelle – zu verlassen. Jabloko werde sich für ein ordnungsgemässes Gerichtsverfahren einsetzen, sagte Rybakow.

Das eigentlich für den Morgen angesetzte Urteilsverkündung war auf den Nachmittag verlegt worden. Schlosberg hatte am Freitag in seinem von Maljamowa immer wieder unterbrochenen Schlusswort kritisiert, dass der russische Staat die Ermittlungsbehörden, die Staatsanwaltschaft und die Gerichte zu willfährigen Instrumenten gemacht habe, um Bürger zum Schweigen zu bringen und ihre Rechte und Freiheiten zu beschneiden.

Es gebe Gerichte in Russland, aber keine Rechtsprechung. «Die Zerstörung des Gerichtssystems kommt der Zerstörung des Staates selbst gleich», betonte er. Schlosberg hatte auch kritisiert, dass die Richterin einen Prozesstermin in Anwesenheit der Jabloko-Anwälte abgelehnt und ihm einen Pflichtverteidiger zugeteilt hatte. Die Juristen der Partei kämpften vor dem Obersten Gericht in Moskau um Zulassung von Jabloko zur Parlamentswahl im September.

In Russland gibt es nach Angaben von Menschenrechtlern Hunderte politische Gefangene, die wegen ihrer Kritik am Krieg von Kremlchef Wladimir Putin gegen die Ukraine im Straflager sitzen. (hkl/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
G7-Staaten wollen 100 Millionen Barrel Öl aus Reserven
Die G7-Staaten wie Deutschland, Frankreich und die USA dringen angesichts der steigenden Kraftstoffpreise auf eine Nutzung von Ölnotreserven. Ab sofort und über vier Monate sollten 100 Millionen Barrel Rohöl der im März beschlossenen Freigabe tatsächlich freigegeben werden, hiess es in einem gemeinsamen Schreiben der Gruppe demokratischer Industrienationen. Zuvor hatten sich die G7 in einer Videoschalte beraten.
Zur Story