Russland soll angeblich Plan zur Evakuierung der Krim haben
Am Montag wurde auf der Krim der Ausnahmezustand von den russischen Besatzungsbehörden ausgerufen, nun soll eine Evakuierung vorbereitet werden. Wie der russische Telegramkanal «VChK-OGPU» berichtet, soll es bereits einen Plan geben, wie ein Teil der Bevölkerung von der Halbinsel gebracht werden soll. Ausserdem sollen Mitglieder der Leibgarde von Gouverneur Sergej Aksjonow Öldepots und Speditionsbetriebe unter Kontrolle gebracht haben, so der Kanal.
«VChK-OGPU» wird von den russischen Behörden als ausländischer Agent eingestuft und hat in der Vergangenheit häufig Informationen aus russischen Regierungskreisen geleakt.
Der ukrainische Militärexperte Oleksandr Kowalenko hält eine Flucht russischer Privatpersonen und Beamter für möglich. Über das Meer wäre eine Evakuierung schwierig, die Ukraine hat das Asowsche Meer faktisch unter Kontrolle und auch im Schwarzen Meer wurden mehrfach russische Schiffe angegriffen, sagte er der österreichischen «Krone». Der Landweg über Tschonhar und Armjansk wird ebenfalls von ukrainischen Drohnen angegriffen.
«Tatsächlich bleibt nur noch die Kertsch-Brücke übrig», erklärte Kovalenko. Noch sei Russland in der Lage, Personen und Güter über diese Krim-Brücke, den wichtigsten Versorgungsweg, zu transportieren. Doch es könnte Frage der Zeit sein, bis ukrainische Drohnen oder Raketen dieses Bauwerk treffen, das Wladimir Putin 2018 selbst einweihte.
Ob das Erstarken der Ukraine mit ihren Drohnenattacken bereits eine Wende in dem seit mehr als vier Jahren dauernden russischen Angriffskrieg bedeutet, ist unter Experten aber umstritten. Der deutsche Militärfachmann Carlo Masala äusserte sich bei einem Besuch in Südkorea skeptisch. «Ich bin noch zurückhaltend, ob das wirklich strategische Erfolge sind. Es wird in ganz vielem davon abhängen, ob die Ukraine in der Lage ist, diesen Druck weiter aufrechtzuerhalten», sagte er.
Ex-US-General: «Die Krim ist der entscheidende Schauplatz»
Das Ziel der Ukraine ist klar. «Im Grunde genommen wird die Krim durch Drohnen isoliert. Und es sieht so aus, als würde sich die Krim in naher Zukunft in eine Insel verwandeln», sagte der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow vergangene Woche in einem Interview mit lokalen Medien.
«Die Krim ist der entscheidende Schauplatz, der Brennpunkt dieses Krieges. Und welche Seite auch immer die Krim kontrolliert, wird den Krieg gewinnen. Ich kann mir kein Ende des Krieges und keine Herstellung eines langfristigen, nachhaltigen Friedens vorstellen, solange Russland die Krim weiterhin kontrolliert», sagte der ehemalige US-General Ben Hodges der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform.
Ukraine weitete Angriffe aus
Seit Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs gegen die Ukraine nahm sich die Ukraine das russische Militär auf der besetzten Halbinsel zum Ziel. Im Jahr 2022 griff Kiew zunächst russische Marineeinheiten und Seehäfen an, die zur Verstärkung und Versorgung der Krim genutzt wurden. Bereits im März 2022 attackierte die ukrainische Armee den Hafen von Berdjansk am Asowschen Meer mit ballistischen Raketen. Einen Monat später versenkte eine ukrainische «Neptune»-Anti-Schiffs-Rakete den Kreuzer «Moskwa», das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte. Dann wurde das Hauptquartier der russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol getroffen – die russische Marine zog ihre Schiffe nach Noworossijsk und andere Häfen weiter östlich ab.
In den folgenden Monaten verstärkte die Ukraine ihre Drohnenangriffe auf russische Militäreinrichtungen und Infrastruktur. Erstmals war auch die Kertsch-Brücke ein Ziel, ein mit Sprengstoff beladener Lkw beschädigte das Bauwerk. In den folgenden Jahren intensivierte das ukrainische Militär die Angriffe. Zuletzt waren so viele russische Öldepots beschädigt, dass der Treibstoff auf der Krim knapp wurde. Der «Kyiv Independent» berichtete vergangene Woche, dass die Hälfte der Halbinsel keinen Strom mehr habe.
Gouverneur räumt Probleme mit der Wasserversorgung ein
Der Gouverneur von Sewastopol, Mikail Raswoschaew, erklärte am vergangenen Freitag, dass die instabile Stromversorgung in Teilen der Stadt zu Problemen mit dem Wasserdruck geführt habe. Gleichzeitig wurde der Fähr- und Passagierverkehr über die Bucht von Sewastopol am Freitagmorgen eingestellt. Die Verkehrsbehörden nannten jedoch keine Gründe für die Aussetzung.
Auch auf der Krim-Brücke, die die Halbinsel mit dem russischen Festland verbindet, wurden Einschränkungen verhängt. Nach Angaben der Behörden warteten mehr als 2'000 Fahrzeuge auf die Überfahrt; die Wartezeit betrug etwa fünf Stunden.
Die Ukraine ist auf dem Weg, ihr Ziel einer Isolierung der Krim zu erreichen. Der ukrainische Generalstab teilte am Dienstag mit, dass seine Streitkräfte eine Eisenbahnbrücke nahe dem besetzten Ichki im Osten der Halbinsel angegriffen hätten. Die Brücke war bereits am 28. Juni Ziel eines ukrainischen Angriffs.

