Satellitenbilder zeigen: Putin lässt seinen Privatpalast zur Festung ausbauen
Russlands Präsident Wladimir Putin sichert sich offenbar in einem bisher unbekannten Ausmass gegen Angriffe aus der Luft ab. Das zeigen Satellitenbilder, die das US-Medienunternehmen Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) gemeinsam mit dem OSINT-Forscher Jembob ausgewertet hat.
Um Putins Privatresidenz am Waldai-See im Nordwesten Russlands wurden inzwischen mehr als 50 Flugabwehrstellungen identifiziert. Das berichtet RFE/RL in einer am Sonntag veröffentlichten Untersuchung.
16 neue Türme allein im Oktober
Allein im Oktober wurden demnach 16 neue Abwehrtürme errichtet – und zwar in einem etwa 50 Kilometer breiten Bogen südlich der Residenz, genau in Richtung Ukraine. Sie sollen einen zusätzlichen äusseren Schutzring bilden. Nach Einschätzung der Ermittler sind die Bauwerke für Systeme wie die Pantsir-Kurzstreckenabwehr oder Tor-Boden-Luft-Raketen ausgelegt.
Auf der Nordseite des äusseren Rings wurden bislang keine vergleichbaren neuen Stellungen entdeckt – Experten schliessen weitere Baumassnahmen dort jedoch nicht aus.
Vergleich mit Moskau ist verblüffend
Besonders eindrücklich wird der Aufrüstungsgrad im Vergleich mit der russischen Hauptstadt: Seit Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine hat Russland rund doppelt so viele Flugabwehrstellungen rund um Moskau und den Grossraum aufgebaut wie rund um Waldai – doch Moskau und seine Vororte beherbergen mehr als 20 Millionen Menschen. Im Einzugsbereich von Waldai leben hingegen weniger als 100'000 Menschen.
Gemessen an der Bevölkerungsdichte ist Putins Privatresidenz damit militärisch besser geschützt als die russische Hauptstadt.
Putins Personenschutz wächst seit Jahren
Der neue äussere Schutzgürtel verläuft über den Militärflughafen Chotilowo, der Berichten zufolge für Putins Reisen genutzt wird. Eine eigene Bahnlinie verbindet das Flughafengelände mit der Waldai-Residenz. Bereits im März 2026 war an der Basis ein erster Flugabwehrturm errichtet worden.
Ebenfalls auffällig: In der Nähe der Wyschni-Woltotschok-Talsperre – unweit der Lisnij-Insel – wurden mehrere neue Stellungen entdeckt. Auf der Insel soll sich laut früherer RFE/RL-Recherchen ein Laborkomplex befinden, der möglicherweise mit Russlands Biowaffenprogramm in Verbindung steht.
Die Aufrüstung der Residenz reiht sich in ein breiteres Muster ein: Putin hat den Personalbestand seines Bundesschutzdienstes (FSO) seit Beginn der Vollinvasion bereits vier Mal ausgeweitet – so oft wie nie zuvor in einem vergleichbaren Zeitraum.
Verwendete Quellen:
- svoboda.org: «Вокруг резиденции Путина построили ещё 16 башен ПВО. Всего их уже больше 50» (russisch)
- united24media.com: "Putin's Valdai Residence Now Has 50 Air Defense Positions, Half as Many as All of Moscow" (englisch)

