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Putins Drohnen nur Attrappen? Die wichtigsten Antworten nach der Attacke

In this image made from video, Police and Military Police secure parts of a damaged object shot down by Polish authorities at a site in Wohyn, Poland, Wednesday, Sept. 10, 2025. (AP Photo/Rafal Niedzi ...
Viele der Billig-Drohnen stürzten selbstständig ab. Meldungen, dass sie Sprengstoff mitführten, gibt es bis jetzt noch keine. Bild: Dorf Wohyn, Ostpolen. 10. September 2025.Bild: keystone

Waren Putins Drohnen nur Attrappen? Die wichtigsten Antworten nach der Attacke

Nur ein Bruchteil der von Russland nach Polen geschickten Drohnen wurde effektiv abgeschossen. Darum läuft nun die Debatte, ob die Nato-Ostflanke ausreichend geschützt ist. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
11.09.2025, 16:3011.09.2025, 16:32
Remo Hess, Brüssel / ch media

Was weiss man am Tag nach der Drohnen-Attacke?

Bis jetzt wurden 16 der insgesamt 19 russischen Drohnen gefunden, die in der Nacht zum Mittwoch den polnischen Luftraum verletzt hatten, teilte das polnische Innenministerium mit. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die verbleibenden drei Drohnen den polnischen Luftraum wieder verlassen haben und deshalb nicht auffindbar sind. Manche der Drohnen wurden westlich von Warschau gefunden. Das heisst, dass sie mehrere hundert Kilometer ins Landesinnere geflogen sind. An der Suche beteiligten sich über 600 Einsatzkräfte, bestehend aus Polizei und Feuerwehr.

Um welche Art Drohnen handelt es sich?

Entgegen ersten Meldungen scheint es nicht um sogenannte Schahed-Drohnen iranischer Bauart gehandelt zu haben, sondern um die russische Billigvariante Gerbera. Diese Langstreckendrohnen werden für wenige tausend Euro hergestellt, oft aus Materialien wie Sperrholz und Schaumstoff. Russland verwendet sie in der Ukraine in hoher Zahl, vor allem zu Täuschungszwecken: Sie sind unbewaffnet und dienen lediglich dazu, die Flugabwehr zu überlasten. Neuere Varianten können aber auch mit einem Gefechtskopf bestückt werden.

epa12368952 Polish Prime Minister Donald Tusk (L) meets air force personnel during a visit to the 32nd Tactical Air Base in Lask, Poland, 11 September 2025. Tusk thanked the pilots a day after the mil ...
«Ihr seid Helden»: Premierminister Donald Tusk besuchte am Donnerstagmorgen die Soldaten auf dem 32. taktischen Luftwaffenstützpunkt in Lask. (11. September 2025).Bild: keystone

Trugen die Drohnen in Polen Sprengstoff mit sich?

Bislang gibt es keine Meldungen, welche das bestätigen würden. Gemäss am Donnerstag veröffentlichten Informationen der polnischen Staatsanwaltschaft wurden mindestens in den neun in der Region Lublin sichergestellten Drohnen kein Sprengstoff gefunden. Viele der Drohnen seien selbstständig abgestürzt und trugen nur vom Aufprall entstandene Schäden davon. Berichte über Detonationen gibt es keine. Ein Mann im ostpolnischen Dorf Bychawka Trecks fand eine fast vollständig intakte Drohne auf seinem Kaninchenstall. Momentan deutet vieles darauf hin, dass Russland Täuschungsdrohnen nach Polen schickte, um dessen Reaktion zu testen.

Wollte die polnische Armee die Drohnen deshalb nicht abschiessen?

Insgesamt wurden nach Angaben von Premier Donald Tusk nur «drei oder vier» der insgesamt 19 Drohnen abgeschossen. Umgekehrt heisst das, dass etliche Drohnen teils hunderte Kilometer ungehindert über polnisches Territorium fliegen konnten. Das sorgt für Kritik in Polen. Der Generalstabschef der Armee erklärte in einem Interview mit dem Sender TVN24 die Einsatzdoktrin. Man habe nach Bedrohung priorisiert: «Wenn es sich um eine kleine Drohne handelte, die lediglich zum Test der Flugabwehr diente, dann wäre das Zeitverschwendung. Wir konzentrieren uns in erster Linie auf Drohnen mit Sprengköpfen in ihrem Inneren», so General Wieslaw Kukula. Auch die Flugbahn spiele eine Rolle. Offensichtlich sind die abgeschossenen Drohnen als Bedrohung eingestuft worden.

Oder konnte die polnische Armee die Drohnen gar nicht abschiessen?

Laut Medienberichten wurden beim Abschuss der Drohnen teure Luft-Luft-Raketen der F-16- oder F-35-Kampfjets verwendet. Diese kosten pro Stück schnell mehr als eine Million Dollar. General Kukula wehrt sich gegen den Vorwurf, das stehe in keinem Verhältnis zur Bedrohung durch die Billig-Drohnen: «Was zählt, ist der Wert dessen, was diese Drohne zerstören kann. Wenn es um ein polnisches Leben geht, ist es unbezahlbar.» Klar ist aber auch: Polen – wie viele andere westeuropäische Länder –haben nicht ausreichend bodengestützte Abwehrsysteme gegen Drohnen. Schickt Russland wie gegen die Ukraine hunderte Drohnen zugleich, ist die Abwehr nach Priorisierung überfordert.

Wie verteidigt sich die Ukraine gegen den Drohnen-Terror?

Effizient sind die Gepard-Luftabwehrpanzer mit ihren beiden radargestützten 35-Millimeter-Bordkanonen. Das System ist aber veraltet, und die Produktion eines adäquaten Nachfolgers wie dem Skyranger von Rheinmetall mit seiner in der Schweiz entwickelten Oerlikon-Kanone  läuft erst an. Die Ukraine ist mittlerweile aber sehr gut darin, mit mobilen Einheiten die Drohnen vom Himmel zu holen. Dabei schiessen Soldaten mit auf Pickups montierten Maschinengewehren des Kalibers 12,7 Millimeter, 23 Millimeter oder 35 Millimeter auf die tieffliegenden Drohnen. Neuerdings verwendet die Ukraine auch selbst entwickelte Abfangdrohnen. Präsident Wolodimir Selenski hat angeboten, seinem Nachbarland Polen mit Expertise für die Drohnenabwehr auszuhelfen.

skyranger
Produktion läuft erst an: Skyranger-Flugabwehrsystem der Firma Rheinmetall. Bild: Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA), Brandenburg, 6. Juni 2024.Bild: keystone
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