Nach mehrtägiger Feuerpause: Kiew wieder unter Beschuss
Nach einer kurzzeitigen Feuerpause während des Besuchs der Unterhändler von US-Präsident Donald Trump in der Ukraine hat Russland seine schweren Luftangriffe auf die Hauptstadt Kiew wieder aufgenommen. Aus Kiew wurden nächtliche Explosionen gemeldet, mehrere Wohnhäuser, eine Schule und Autos seien von herabfallenden Drohnentrümmern getroffen worden, berichteten ukrainische Medien unter Berufung auf Behördenangaben. In mehreren Stadtteilen seien Brände ausgebrochen, es gebe mindestens zwei Tote und sieben Verletzte.
Das Nachrichtenportal «Kyiv Independent» schrieb, laut Bürgermeister Vitali Klitschko seien mehrere Menschen unter den Trümmern eines schwer beschädigten Wohnblocks verschüttet worden.
Das genaue Ausmass der Angriffe und Schäden war am Morgen noch unklar. Auch in anderen, teils weit im Hinterland liegenden Regionen der Ukraine wurde Luftalarm ausgelöst. Im westlichen Nachbarland Polen wurde die Luftabwehr in Alarmbereitschaft versetzt, wie das Militär mitteilte.
Bei der Angriffswelle kamen demnach auch ballistische Raketen zum Einsatz, die für die Ukraine besonders schwer abzuwehren sind. Auch in anderen Regionen des Landes wurde Luftalarm ausgelöst. Das genaue Ausmass der Angriffe und Schäden war zunächst noch unklar.
Aus dem russischen Gebiet Saratow, rund 500 Kilometer östlich der ukrainischen Grenze, wurden ebenfalls Angriffe gemeldet. Ukrainische Drohnen hätten zivile Einrichtungen getroffen, nach ersten Erkenntnissen seien mehrere Menschen verletzt worden, meldete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass unter Verweis auf den Gouverneur von Saratow. Alle verfügbaren Rettungskräfte seien im Einsatz, hiess es.Die Angaben der Kriegsparteien konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.
Kampfpause übers Wochenende
Trumps Gesandter Steve Witkoff und der Schwiegersohn des US-Präsidenten, Jared Kushner, hatten am Wochenende zum wiederholten Mal Moskau und danach erstmals auch Kiew besucht. Dort verhandelten sie mit Russlands Präsident Wladimir Putin und dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj über mögliche Lösungswege zur Beendigung des Krieges, den Russland im Februar 2022 begonnen hatte. Ergebnisse wurden nicht bekannt.
Während des Besuchs der US-Gesandten hatte die Kriegsparteien sich bereit erklärt, auf Luftangriffe auf die jeweiligen Hauptstädte zu verzichten.
Russland griff das Nachbarland zuletzt verstärkt mit Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen an, während die Ukraine überwiegend auf schnelle und weitreichende Drohnen, aber auch auf Marschflugkörper setzt. Bei ihrem Abwehrkampf gegen die russische Invasion und ständigen Luftangriffe ist die Ukraine auf Hilfe westlicher Staaten angewiesen. (sda/dpa)
