International
Russland

So rigoros geht Putin gegen Schwule, Lesben und LGBTQ-Menschen vor

Putin und die LGBTQ-Fahne
Präsident Wladimir Putin toleriert queere Menschen in Russland nicht.Bild: keystone/shutterstock

So rigoros geht Putin gegen Schwule, Lesben und andere LGBTQ-Personen vor

17.12.2023, 21:0318.12.2023, 13:12
Anna Von Stefenelli / watson.de
Mehr «International»

Die LGBTQIA+-Community in Russland hatte schon immer einen schweren Stand. Doch bereits vor einem Jahr zeichnete sich ab, dass die Lage für Schwule, Lesben und andere queere Menschen in dem Land immer schwieriger wird. Im Dezember 2022 unterzeichnete der Präsident Wladimir Putin ein Gesetz, das «Gay-Propaganda» verbot. Mit zahlreichen Folgen für LGBTQIA+-Personen.

Denn damit wurde die Community quasi aus der Öffentlichkeit verbannt. So trafen sich die Menschen zwar weiter, mussten dabei aber zunehmend vorsichtig sein und unter dem Radar agieren.

Seit dem 30. November 2023 ist das kaum mehr möglich. Seitdem sind queere Menschen nicht mehr nur unerwünscht, sondern gelten als extremistisch, wie das Oberste Gericht des Landes urteilte. Welche Vorwürfe es gegen die «internationale LGBTQIA+-Bewegung» gab, wurde nicht angeführt. Doch das Urteil bedeutet für Betroffene nichts Gutes. Innerhalb kürzester Zeit wurden bereits weitreichende Massnahmen in dem Land getroffen.

>> Alle aktuellen Entwicklungen im Liveticker

Millionen LGBTQ-Menschen in Russland kriminalisiert

Die etwa 15 Millionen Russ:innen, die wegen ihrer Sexualität oder Gender-Identität «nicht der Norm» entsprechen, gelten jetzt als kriminell. Die Formulierungen von Gesetzen und höchstrichterlichen Entscheidungen sind in Russland bewusst vage. Damit sie flexibel so ausgelegt werden können, wie es die Staatsführung für angebracht hält.

epa09671342 Russian President Vladimir Putin attends the Orthodox Christmas mass at the Church of the Savior of the Miraculous Image, at the Novo-Ogaryovo state residence outside Moscow, Russia, 07 Ja ...
Wladimir Putin schiebt der Toleranz von queeren Menschen in Russland weiter einen Riegel vor.Bild: keystone

Die Entscheidung des Obersten Gerichts kann für die LGBTQIA+-Community nun fatale Folgen haben. Mit welcher Wucht wird sich wohl erst noch zeigen. Doch schon jetzt ist in dem von Wladimir Putin regierten Land die Repression in vollem Gange – samt Razzien, Verboten, Strafen und Schlimmerem.

Aktuell geht die Polizei in St. Petersburg und Moskau massiv gegen Klubs und Lokale vor, die als Treffpunkte für Homosexuelle bekannt sind, wie der «Tagesspiegel» schreibt. Allerdings unter dem Vorwand, Drogenkriminalität bekämpfen zu wollen.

Russland: Putin geht gegen LGBTQ vor

Einige Behörden in dem Land haben jetzt mit Verweis auf das Urteil erste Schritte eingeleitet. So hat etwa ein Gericht in St. Petersburg den Fernsehsender Avia zu einer Geldstrafe verdonnert. Der Grund: ein Musikvideo, in dem zwei Frauen sich an den Händen halten.

Den Klub «Zentralnaja Stanzia» in St. Petersburg hat es noch schwerer getroffen. Ihm wurde jetzt der Mietvertrag gekündigt, wie das russische Exilmedium «Meduza» berichtet. Auch im Unterhaltungsbereich für Kinder gibt es Konsequenzen. Dem Bericht zufolge hat die staatliche Zensurbehörde etwa die US-Kinderserie «My Little Pony» mit der Altersfreigabe von 18+ versehen – weil das Pferdchen «Rainbow Dash» einen Regenbogenschweif hat.

epa10836499 A fan of 'My Little Pony' participates in the Dragon Con Parade, during the annual science fiction, pop culture and fantasy convention in Atlanta, Georgia, USA, 02 September 2023 ...
«My little Pony» ist jetzt nur noch für Volljährige erlaubt.Bild: keystone

Denn Russland vertritt in den Augen der Mächtigen und von Wladimir Putin «traditionelle Werte», zu denen Homosexualität nicht passt. Nach den Vorstellungen der Russland-Führung widersprechen Homosexuelle und queere Personen all den Sitten und der Moral in Russland. Auch die orthodoxe Kirche in dem Land unterstützte das Urteil. Es sei ein «Akt moralischer Selbstverteidigung», denn LGBTQIA+ sei mit dem «Konzept der Religiosität» nicht vereinbar.

Das Ganze sei so unsinnig, als würde man plötzlich alle Rentner:innen in Russland zu einer «öffentlichen Bewegung» erklären, schrieben Menschenrechtler:innen in einem Protestbrief ans Gericht, aus dem «Meduza» zitiert. Mit dessen Entscheidung wurde quasi eine ganze Gesellschaftsgruppe aufgrund ihrer Sexualität kriminalisiert.

Russland: LGBTQ-Unterdrückung bereits im Zaren-Reich

Neu ist der Widerstand gegen Schwule, Lesben und andere queere Menschen nicht. Bereits unter der Herrschaft der Zaren war 1832 das erste Gesetz gegen Homosexualität erlassen worden. «Männerliebe» wurde verboten. Mit einschneidenden Konsequenzen für diejenigen, die gegen das Gesetz verstiessen: Sie konnten nach Sibirien verbannt werden.

Kurze Zeit später mussten homosexuelle Männer sogar mit einer Gefängnisstrafe rechnen. Laut sowjetischem Strafrecht drohten dann sogar Haftstrafen bis zu acht Jahre oder die Einweisung in die Psychiatrie.

Dein watson-Update
Jetzt auf WhatsApp: dein watson-Update! Hier findest du unseren WhatsApp-Channel, in dem wir dich regelmässig mit den watson-Highlights versorgen. Und zwar ohne Spam und ohne Blabla, versprochen! Probier's jetzt aus. Und folge uns natürlich gerne hier auch auf Instagram.

Zeiten, zu denen Homosexualität in Russland toleriert wurde, gab es in der neueren Geschichte des Landes nur zweimal: in den 20er Jahren und in den 90er Jahren, unmittelbar nach dem Zerfall der Sowjetunion.

Gipfel der Repression von LGBTQ in Putins Russland: Betroffene in Sorge

Seit Putin an der Macht ist, bedeutet das aktuelle Urteil des Obersten Gerichts den Gipfel der Unterdrückung von Schwulen, Lesben und anderen queeren Menschen. Es ist nicht das erste Urteil in diesem Jahr, das die Rechte von LGBTQIA+-Personen einschränkt. So wurde etwa auch die medizinische Unterstützung von Geschlechtsumwandlungen verboten.

Offenbar haben Betroffene Angst. Wie der «Tagesanzeiger» schreibt, löschten zahlreiche Menschen bereits etwa Fotos aus Facebook und dem russischen VKontakte, lösen Gruppen auf und vernichten Hinweise auf ihre sexuelle Orientierung. Alexei Sergejew ist ein LGBTQIA+-Aktivist aus Sankt Petersburg. Er nennt das, was gerade passiert, das «Löschen der Geschichte» seiner Gemeinschaft.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Wir haben den ekligsten Glühwein der Schweiz getrunken – er ist nicht aus Olten
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
70 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Mallz
17.12.2023 21:12registriert April 2022
Ich bin wirklich so froh und dankbar, dass ich in der Schweiz wohnen darf! 🙏😊
15016
Melden
Zum Kommentar
avatar
banda69
17.12.2023 21:10registriert Januar 2020
Und auf weltwoche.ch hofiert der subventionierte Kleinverleger Roger Köppel (SVP, what else) weiterhin den Russen und hetzt gegen die Ukraine, Europa und die USA.
Recherche enttarnt Pseudo-Journalisten, die im Auftrag Putins gegen den Westen hetzen \n... 🤷
14627
Melden
Zum Kommentar
avatar
homo sapiens melior
17.12.2023 22:02registriert Februar 2017
Putin und seine Speichellecker wollen Russland mit aller Gewalt im Mittelalter bewahren. Damit sie ihre eigenen Machtpositionen nicht verlieren.
10815
Melden
Zum Kommentar
70
Iran und Schweden tauschen Gefangene aus

Der Iran und Schweden haben nach Angaben des Vermittlers Oman einen Gefangenenaustausch vollzogen. Staatsbürger beider Länder seien am Samstag in die Hauptstadt des Golfsultanats, Muskat, geflogen worden, berichtete das omanische Aussenministerium. Bereits in der Vergangenheit hatte der kleine Staat am Persischen Golf zwischen Iran und dem Westen in diplomatischen Fällen vermittelt. Der schwedische Regierungschef Ulf Kristersson bestätigte, dass zwei schwedische Staatsbürger auf dem Weg in ihre Heimat seien.

Zur Story