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Schule - Bildung

Frankreich: Angeblich bis zu 1500 Kinder an Ordensschule missbraucht

Bericht schockiert Frankreich: Mutmasslich bis zu 1500 Kinder an Ordensschule missbraucht

20.06.2026, 16:3420.06.2026, 16:34
Notre-dame de Bétharram
Bis zu 1500 Kinder sollen in einem Zeitraum von 40 Jahren an Institutionen der «Notre-Dame-De-Bétharram» missbraucht worden sein.Bild: wikimedia commons

Zwischen 700 und 1500 Kinder sind laut einem Bericht einer Nichtregierungsorganisation möglicherweise Opfer sexueller, körperlicher oder psychischer Gewalt an einer französischen Schule geworden. Sie besuchten von 1950 bis Ende der 1990er Jahre die Schule «Notre-Dame-De-Bétharram» in der Nähe von Lourdes sowie andere Einrichtungen dieser Ordensgemeinschaft.

Diese Grössenordnung zeuge von jahrzehntelanger «systemischer» und «institutioneller Gewalt» und widerlege die These von einzelnen Handlungen, so das Institut Louis Joinet (IFJD), das über ein Jahr lang Ermittlungen durchführte. Die Ergebnisse wurden am Samstag veröffentlicht.

Auch die These einer «angeblichen damaligen Toleranz» gegenüber Gewalt innerhalb dieser privaten Einrichtung, die im Südwesten Frankreichs lange Zeit durch ihren autoritären Ruf und die «Wertschätzung von Härte» geprägt war, muss zurückgewiesen werden, betonen die Autoren. Sie hatten fast 140 ehemalige Schüler und Akteure befragt. Letztere leiteten mehrere Grundschulen, Mittelschulen und Gymnasien in Frankreich und Afrika. Sie sprechen von einem allgemeinen Versagen der Kontrollmechanismen sowohl seitens der Kirche als auch seitens des Staates.

Der ehemalige Premierminister und lokale Politiker François Bayrou war insbesondere beschuldigt worden, von Missbrauch innerhalb der Einrichtung gewusst zu haben, ohne einzugreifen, was er stets bestritt. Seine Kinder besuchten die Schule Bétharram.

Für die Opfer empfiehlt der Bericht die Einrichtung eines Bürgergerichts. Der Grossteil der in fast 250 Anzeigen angeprangerten Missbrauchsfälle ist aufgrund des langen Zeitraums seit den Taten bereits verjährt – nur zwei Männer, ein Laie und ein Ordensangehöriger, wurden unter Anklage gestellt.

Das IFJD, eine auf Übergangsjustiz in Konfliktgebieten spezialisierte Nichtregierungsorganisation, unterstützt zudem die Schaffung «eines Mechanismus zur finanziellen Wiedergutmachung», parallel zu den 1,4 Millionen Euro Entschädigung, die die Kongregation bisher an 48 Opfer gezahlt hat.

Der Fall kam 2023 durch eine Flut von Zeugenaussagen ehemaliger Schüler auf Facebook ans Licht. (sda/afp)

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