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Wie Organisationen im Gazastreifen helfen und wo du spenden kannst

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Palästinensische Kinder erhalten Essen im Flüchtlingscamp Khan Yunis, welches vom UNRWA (Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten) geführt wird.Bild: keystone

So wird Gaza in der Not unterstützt – und so kannst du helfen

Die humanitäre Lage in Gaza ist katastrophal, und die Hilfe vor Ort gestaltet sich als extrem schwierig. Wie Organisationen vor Ort trotzdem helfen können und wo du direkt für die Menschen im Gazastreifen spenden kannst.
07.11.2023, 11:1407.11.2023, 14:18
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Den Menschen in Gaza fehlt es an allem: Nahrungsmittel, Wasser, Medizin, Treibstoff, ein Dach über dem Kopf. Die Versorgung des dicht besiedelten Küstengebiets wurde gekappt, nachdem der israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant am 9. Oktober die «totale Abschottung» des Gazastreifens angeordnet hatte. Dem vorausgegangen war der Terrorüberfall der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober, bei dem insgesamt 1400 Menschen ums Leben kamen. Seither bombardiert Israel den Gazastreifen täglich. Laut des Hamas-kontrollierten Gesundheitsministeriums sind seit Kriegsbeginn 10'022 Palästinenserinnen und Palästinenser getötet worden.

Wieso die humanitäre Hilfe im Gazastreifen derzeit so schwierig ist, wie Hilfsorganisationen dennoch Unterstützung bieten können und wie du helfen kannst.

Katastrophale humanitäre Lage

Nach dem 9. Oktober war der Gazastreifen während zehn Tagen komplett isoliert. Erst am 19. Oktober erklärte sich Ägypten bereit, die Grenze nach Gaza für Hilfslieferungen zu öffnen, was Israel zuliess. Zu diesem Zeitpunkt stauten sich bereits 170 Lastwagen mit Hilfsgütern an der ägyptischen Grenze ganz im Süden Gazas. Am 21. Oktober rollten schliesslich die ersten Lastwagen über die ägyptische Grenze nach Gaza. Bis am 7. November brachten insgesamt 569 Lastwagen dringend benötigte Hilfsgüter über die Grenze.

Dieses langsame Hineintröpfeln von Hilfe sei «völlig unzureichend», klagte der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres. Zum Vergleich: Vor der erneuten Eskalation des Konflikts erreichten Gaza täglich 400 – 500 Lastwagen mit Hilfsgütern. Diese Menge ist nötig, um die 2,3-Millionen-Bevölkerung mit Basisgütern wie Brot und Wasser zu versorgen.

Einige der grössten Spitäler befinden sich im Norden Gazas.

Ein weiteres Problem besteht derzeit darin, dass die Lastwagen den Norden Gazas nicht erreichen. Die Hilfe konzentriert sich deshalb hauptsächlich auf den Süden des Gazastreifens. Die Menschen im Norden werden derweil von Israel immer wieder aufgerufen, sich in den Süden zu evakuieren. Die Strecke könnte mit dem Auto in etwa einer Stunde zurückgelegt werden, doch vielen fehlt der dafür benötigte Treibstoff. Zu Fuss würde der Marsch über neun Stunden dauern. Angesichts des fehlenden Trinkwassers, der fehlenden Nahrung und den Hunderten von Verletzten, die derzeit noch im Norden versorgt werden, ein unmögliches Unterfangen.

Wie Organisationen helfen

Für Hilfsorganisationen ist es nach wie vor schwierig, im Gazastreifen Unterstützung zu leisten. Ärzte ohne Grenzen schreibt auf ihrer Webseite:

«Aufgrund der anhaltenden Kampfhandlungen, der unzureichenden Hilfslieferungen und des Evakuierungsbefehls ist unsere Arbeit stark eingeschränkt. Wir sind aktuell nicht in der Lage, Einsätze koordiniert durchzuführen.»

Von den rund 300 palästinensischen Mitarbeitenden seien einige Familien in den Süden gegangen, andere behandelten im Norden weiterhin Patientinnen und Patienten. Dort wurde erst vor wenigen Tagen eine Ambulanz vor dem Al Shifa Spital direkt von einer Rakete getroffen.

Ärzte ohne Grenzen nimmt Spenden für medizinische Nothilfe hier entgegen – einen eigenen Fonds für den Gazastreifen gibt es allerdings nicht.

Bei diversen Hilfsorganisationen sucht man vergebens nach einer spezifischen Sammelaktion für den Gazastreifen. Zunächst auch bei der Glückskette, welche Hilfsprojekte von akkreditierten Schweizer Hilfswerken finanziert. Wie Fabian Emmenegger, Sprecher der Glückskette, am 21. Oktober gegenüber der NZZ am Sonntag erklärte, seien die Kriterien für eine solche Kampagne nicht erfüllt gewesen. Man habe nicht sicherstellen können, dass die gesammelten Spenden zeitnah in Hilfe umgesetzt werden können.

Am 2. November riefen sie dann doch zur Solidarität für die Betroffenen der humanitären Krise im Nahen Osten auf und richteten einen entsprechenden Fonds ein. Wie sie berichteten, sei es ihnen gelungen, in den davor vergangenen Tagen humanitäre Hilfe in den Gazastreifen zu bringen. So sei beispielsweise am 29. Oktober ein erster Lastwagen vom Partnerhilfswerk «Save the Children» mit 45'000 Wasserflaschen in Gaza eingetroffen. Weiteren Partnerhilfswerken wie cfd (Christlicher Friedensdienst) und HEKS (Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz) sei es gelungen, finanzielle Unterstützung an betroffene Familien zu verteilen.

Wenn du für die Glückskette spendest, hast du keine 100-prozentige Garantie, dass das gespendete Geld für die «Humanitäre Krise im Nahen Osten» in den Gazastreifen geht. Die Glückskette schreibt:

«Der Bedarf an humanitärer Hilfe liegt derzeit vor allem im Gazastreifen, eine Eskalation des Konflikts in der Region kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, und unsere Schweizer Partnerorganisationen sind bereit, bei Bedarf auch in anderen Ländern Hilfe zu leisten.»

Spenden kannst du hier.

Diese Spenden gehen direkt in den Gazastreifen

Die folgenden Organisationen haben spezifische Sammelaktionen für den Gazastreifen eingerichtet. Das Geld sollte also direkt in Hilfe vor Ort fliessen.

HEKS

Das HEKS konnte in Zusammenarbeit mit internationalen Hilfsorganisationen erste Nothilfemassnahmen leisten. In Khan Younis im Süden des Gazastreifens konnten über 20'000 intern Vertriebene mit Lebensmittelpaketen unterstützt werden. Weitere Menschen, die in den Süden geflohen sind, erhalten Bargeld, um sich mit dem Nötigsten versorgen zu können. In Ägypten bereitet sich HEKS derweil darauf vor, Hilfsgüter über den Grenzübergang Rafah nach Gaza zu bringen.

Das HEKS hat einen Spendenaufruf mit dem Titel Nothilfe Israel/Palästina eingerichtet.

Spenden kannst du hier.

Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK)

Am 27. Oktober ist ein Team von Kriegschirurgen sowie Spezialisten der Waffen-Kontaminierung in sechs IRKR-Lastwagen mit dringend benötigten medizinischen Gütern und Material zur Wasserreinigung in Gaza eingetroffen, heisst es auf der Webseite des IRKR. Je nach Schwere der Verletzung können mit den Hilfsgütern zwischen 1000 und 5000 Menschen behandelt werden.

Unter dem Titel «Israel und Gaza» hat das IKRK einen dringenden Spendenappell eingerichtet.

Spenden kannst du hier.

Unicef

Die erste Lieferung lebensrettender Hilfsgüter wie Trinkwasser hat UNICEF laut eigenen Angaben bereits am 21. Oktober gemeinsam mit dem ägyptischen Roten Halbmond, der Weltgesundheitsorganisation und dem Welternährungsprogramm im Rahmen eines Konvois aus 20 Lastwagen über den Grenzübergang Rafah gebracht. Hilfe sei möglich, betont das Kinderhilfswerk.

UNICEF hat einen eigenen Fonds mit dem Spendenzweck «Hilfe für Kinder in Gaza» eingerichtet.

Spenden kannst du hier.

Palestinian children mop outside their home after an Israeli bombardment in the Maghazi refugee camp in the Gaza Strip on Sunday, Nov. 5, 2023. (AP Photo/Hatem Moussa)
Kinder helfen nach einem Raketenangriff im Maghazi-Flüchtlingslager beim Reinigen der Strasse.Bild: keystone

Caritas

Caritas engagiert sich mit ihrer Partnerorganisation CRS (Catholic Relief Service) vor Ort. Seit dem Ausbruch der jüngsten Kämpfe hat CRS 7100 Haushalte im Gazastreifen mit kleinen Bargeldbeträgen unterstützt. Insgesamt sind dafür bisher 1,4 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt worden. Weiter wurden vier Einrichtungen unterstützt, die in Flüchtlingsunterkünfte umfunktioniert wurden.

In Kairo hat CRS ein Logistikzentrum eingerichtet, wo es Hilfslieferungen für Gaza vorbereitet. Caritas hat mit «Ihre Spende für die Menschen in Gaza» eine Spenden-Seite eingerichtet.

Spenden kannst du hier.

Terre des Hommes

Nachdem Terre des Hommes ihre Aktivitäten in Gaza nach Ausbruch des Krieges vorübergehend einstellen musste, bereiteten sie in Ägypten Nothilfekits vor. Diese dienen der Unterstützung von 5000 Familien (etwa 30'000 Personen). Wie Terre des Hommes gegenüber watson weiter ausführt:

«Gestern konnten wir unsere erste Lieferung mit Lebensmitteln und Erste-Hilfe-Paketen, darunter Pflaster, Desinfektionsmittel und Schmerzmittel, über den Grenzübergang Rafah nach Gaza bringen. Sie werden von unserem lokalen Partner an Kinder, Mütter, Väter und Familien verteilt, die alles verloren haben und durch den Krieg eingeschlossen sind.»

Neun von fünfzehn Lastwagen hätten bereits die Grenze überqueren können. Insgesamt seien über 60 Mitarbeitende und Freiwillige daran beteiligt gewesen, für die erste Lieferung 10'000 Kartons zu verpacken.

Sobald es die Situation erlaubt, will Terre des Hommes psychologische Nothilfe für die Kinder in Gaza leisten.

Unter «Nothilfe Gaza» kann man direkt Projekte unterstützen, die der Zivilbevölkerung in Gaza zugutekommen.

Spenden kannst du hier.

So hilft die Schweizer Regierung

Bundesrat Ignazio Cassis spricht waehrend einer Medienkonferenz des Bundesrates, am Mittwoch, 1. November 2023, in Bern. Der Bundesrat verurteilt die Terrorakte, welche die Hamas seit dem 7. Oktober 2 ...
Ignazio Cassis äusserte sich am 1. November zur Lage in Israel.Bild: keystone

Bundesrat Ignazio Cassis verkündete an einer Pressekonferenz vom 1. November, dass weitere 90 Millionen für humanitäre Hilfe in Nahen Osten bereitgestellt werden sollen. Die 90 Millionen fliessen an mehrere internationale Organisationen wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, das Welternährungsprogramm, die Unicef und Nichtregierungsorganisationen wie «Médecins sans frontières» und «Terre des Hommes». Den grössten Beitrag erhält mit 25 Millionen das Uno-Büro für humanitäre Hilfe (Unocha).

Die Schweiz unterstütze zusammenfassend gesagt Organisationen, welche die vom Krieg betroffenen Menschen Schutz und Unterkunft böten und sie mit Lebensmitteln versorgten, so der Aussenminister.

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104 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Fight4urRight2beHighasaKite
07.11.2023 12:52registriert Oktober 2022
Der Hamas-Chef sitzt auf vier Milliarden, lebt im Luxus und denkt nicht im Traum daran, einen Teil des Geldes für sein leidendes Volk auszugeben, aber wir sollen spenden und damit Gefahr laufen, Hamas-Kämpfer aufzupäppeln?!
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rolf.iller
07.11.2023 11:56registriert Juli 2014
Hunderte Millionen an Entwicklungsgeldern aus Europa und Gaza landet jedes Jahr an Entwicklungsgeldern in Gaza.
Und die Hamas selber wird direkt aus Katar, Iran, ... finanziert. Einer Sache mangelt es in der Gegend da nicht und das ist Geld.
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Philippe Wechsler
07.11.2023 12:26registriert April 2018
Und wie wird garantiert dass das alles nicht wieder zur hamass kommt?
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