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Deutscher Youtuber Marcant stellt Rechtsextreme bloss – und wird bedroht

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Marcant: Mit Humor und Haltung kontert er Rechtsextremisten und Populisten – und lebt unter Dauerbedrohung.Bild: www.imago-images.de

Er stellt Deutschlands Rechtsextreme bloss – und erntet Morddrohungen

Der junge Frankfurter interviewt auf Demos Rechte und stellt sie dadurch bloss. Viele feiern ihn dafür – doch der Hass gegen ihn ist so konkret, dass er seine wahre Identität verbergen muss.
20.06.2026, 22:4120.06.2026, 22:41
Patrick Schiller / t-online
Ein Artikel von
t-online

Der Webvideoproduzent Marcant fühlt sich von der öffentlichen Überhöhung seiner Person in seiner Rolle fehlinterpretiert. Im jüngsten Gespräch auf seinem YouTube-Kanal berichtet er, online gelegentlich als «neue Anne Frank» oder «neue Sophie Scholl» bezeichnet zu werden. Solche Vergleiche mit Opfern der Nationalsozialisten weist er zurück: «Das bin ich nicht, das kann ich auch nicht sein.»

Er ist 23 Jahre alt und gebürtiger Frankfurter. Online nennt er sich Marcant, ein Wortspiel aus seinem Vornamen Marc und «markant». Unter diesem Namen ist er in gut einem Jahr zu einer der bekanntesten politischen Stimmen gegen Rechts im Netz geworden.

Seine Methode ist simpel und umstritten: Er redet mit Rechtsextremen – und fragt so lange nach, bis sie sich in Widersprüche verwickeln.

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Neonazi-Aufmarsch in Dresden: Der Rechtsextremist Michael Brück gibt dem YouTuber Marcant ein Interview.Bild: www.imago-images.de

Marcant fährt auf rechtsextreme Demos, AfD-Feste und Neonazi-Aufmärsche. Dort sucht er das Gespräch mit Menschen, deren Weltbild er bekämpft.

Im April wurde er dafür mit der Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet, einer der renommiertesten Demokratie-Ehrungen des Landes.

Das Format wirkt. Immer wieder schreiben ihm junge Menschen, sie hätten sich durch seine Videos von rechtem Gedankengut abgewandt. Für ihn gebe es kaum einen grösseren Sinn im Leben.

Doch mit seinen Videos macht sich Marcant Feinde.

Leben im Verborgenen

Er tritt nur unter seinem Künstlernamen auf, seinen vollen Namen hält er aus Sicherheitsgründen geheim. Auch seinen Wohnort verrät er nicht. An seiner Tür steht kein Name. Wo er lebt, wissen nur die engsten Vertrauten. Alte Fotos aus Schul- und Basketballzeiten hat er aus dem Netz löschen lassen.

Die Drohungen sind konkret. Auf einer Demo in Bautzen riet ihm die Polizei, zu gehen, weil sie ihn nicht länger schützen könne. An einem Bahnhof kündigte ihm ein Mann an, ihn zu verprügeln. Menschen schrieben ihm, sie versuchten, ihn aufzuspüren, sagte er dem «Tagesspiegel». Morddrohungen bekomme er täglich. Er rechne damit, dass ihn früher oder später jemand angreife.

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Marcant bei einer Demonstration der rechtsextremen Partei Die Heimat.Bild: www.imago-images.de

Traum: Einfach Basketball spielen

Aufgewachsen ist Marcant in Hessen. Die Schulzeit am Gymnasium sei hart gewesen, von Mobbing geprägt, schilderte er «Zeit Campus». Geblieben ist die Lehre, immer stark wirken zu müssen. Lange wollte er Basketball-Profi werden. Ein Bänderriss habe den Traum beendet. Mit rund 2,09 Metern ist er schwer zu übersehen.

«Mein grösster Traum ist es, wieder Basketball zu spielen», sagt er in seinem YouTube-Video. «Ein bisschen Ligabetrieb, ein cooles Team mit normalen Leuten, einfach normal zocken.» Doch das gehe nicht mehr, zu viele würden ihn erkennen. «Es ist einfach nicht mehr möglich.»

Unumstritten ist Marcant nicht. Aus dem eigenen, linken Lager kommt der Vorwurf, man dürfe mit Rechten gar nicht reden. Nach einem Urlaub in Rio nannten ihn manche einen «Champagner-Linken». Von rechts schlägt ihm offener Hass entgegen.

Auch das rechte Onlinemedium «Nius» griff Marcant an, nachdem er die Theodor-Heuss-Medaille bekommen hatte. Es nannte die Auszeichnung steuerfinanziert und kritisierte, dass Marcant in seiner Dankesrede die Methoden der AfD mit denen von Adolf Hitler und Baldur von Schirach verglichen hatte.

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51 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Coffeetime ☕
20.06.2026 23:00registriert Dezember 2018
Tja, er macht wohl alles richtig. Und er tut etwas. Unsere Demokratien sind definitiv zu schützen. Wir haben genügend schlechte Beispiele vor der Haustür.
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_kokolorix
20.06.2026 23:35registriert Januar 2015
Doch, ich finde, er tut genau das richtige. Mit diesen Leuten zu reden, ihnen Fragen zu stellen, sie in Widersprüche zu verwickeln zeigt auf, was für Dumpfbacken das z.T. sind und dass auch die klüger klingenden, Redegewandten unter ihnen auch nicht mehr können als Parolen wiederholen, weil halt einfach nicht mehr dahinter steckt.
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Jaeline
20.06.2026 23:45registriert April 2016
Er macht tolle Arbeit und das ist absolut unterstützenswert. Man muss nicht links sein, um nicht rechtsextrem zu sein, das zeigt er gut auf.

Er erreicht junge Menschen und das ist absolut wichtig. Ich hoffe, dass Menschen wie er, hessencam und Co. Für ihre wertvolle Arbeit noch weitere offiziell Unterstützung erhalten.
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