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Neonazis der Generation Z: Das sind die Nationalisten vom Zürichsee

Neonazis der Generation Z: Das sind die unheimlichen «Patrioten» vom Zürichsee

Eine neue Gruppe von Rechtsextremisten macht sich rund um den Zürichsee breit. Die «Schweizer Nationalisten» haben enge Beziehungen zum Neonazi-Netzwerk Blood & Honour und zu Mass-Voll.
12.05.2026, 10:1512.05.2026, 11:26
Kurt Pelda / ch media

Die beiden Neonazis tragen riesige Schweizerfahnen und skandieren «Fuck EU». Sie gehören zu mehreren Dutzend Rechtsextremen, die am letzten Samstag zusammen mit knapp 1000 anderen Teilnehmern in Luzern gegen den «EU-Knechtschaftsvertrag» demonstrierten. Organisiert hat die Manifestation die Bewegung Mass-Voll des zunehmend nach rechts abdriftenden Demagogen Nicolas Rimoldi.

Die jungen Männer sind Teil einer relativ neuen rechtsradikalen Splittergruppe, die vor allem in der Region des oberen Zürichsees und teilweise im Tessin Aktionen durchführt. Sie nennt sich «Schweizer Nationalisten» und steht lokalen Filialen des internationalen Neonazi-Netzwerks Blood & Honour (B&H) nahe.

Angeblicher Untergang der westlichen Zivilisation

Ausserdem sind die Schweizer Nationalisten mit so genannten Active Clubs verzahnt. Dieses aus den USA stammende Phänomen hat sich nicht nur einer rassistischen Ideologie verschrieben, sondern will aus seinen Anhängern auch muskelbepackte Kampfsportler machen. So sollen sich diese für den «Erhalt der weissen Rasse» einsetzen.

Ivan G.* mit geflammter Schweizerfahne links und rechts neben ihm Eneas W.* mit schwarzer Kappe
Ivan G.* mit geflammter Schweizerfahne links und rechts neben ihm Eneas W.* mit schwarzer KappeBild: Kurt Pelda

Der grössere der beiden Fahnenträger in Luzern, Eneas W.*, hat als Gymnasiast eine Eloge über Nicolas Rimoldi veröffentlicht. Darin zitiert er den Mass-Voll-Chef mit den Worten, frei lebe, wer auch zu sterben bereit sei. Diesen Satz haben sich die Schweizer Nationalisten in ihrem Telegram-Kanal zu eigen gemacht.

Eneas W. taucht in Ranglisten von Schützenvereinen auf und posiert in einem weissen T-Shirt mit dem Konterfei des amerikanischen Unabombers. Der Terrorist Ted Kaczynski wollte zwischen 1978 und 1995 Leute, in denen er Vertreter des technischen Fortschritts sah, mit Paketbomben umbringen. Drei Personen kamen dabei um und 23 weitere wurden verwundet. Teile der rechtsextremen Szene verehren den verstorbenen Kaczynski, weil sie glauben, dass der Westen dem Untergang geweiht sei. Diesen Zerfall gelte es zu beschleunigen, bevor die «weisse Rasse» vernichtet sei.

Beim zweiten Fahnenträger handelt es sich um Ivan G.*, der im Gebiet des oberen Zürichsees wohnt. Der inzwischen 21-Jährige hat eine Lehre als Abdichter abgeschlossen. Als ihn CH Media einmal anruft, sagt er nur seinen Namen und beendet dann sofort das Telefonat. Ivan hat eine Schwäche für alte Uniformstücke, militärische Kopfbedeckungen und Soldatenschuhe mitsamt Gamaschen.

Der weisse Drache von Combat 18

Bevor sich der Luzerner Demonstrationszug in Bewegung setzt, unterhalten sich die beiden Fahnenträger angeregt mit Mitgliedern von B&H, die – was für ein Zufall – ebenfalls am oberen Zürichsee wohnen. Da hat es zum Beispiel einen Gitarristen, der schon wegen Gewalt gegen einen Zürcher Polizisten verurteilt wurde, und einen Bauingenieur, der einmal bei der rechtsextremen Nationalpartei mitmischen wollte. Sie tragen beide T-Shirts auf deren Rückseite der Zahlencode 28 für B&H zu lesen ist. Auf der Vorderseite prangt ein kleiner weisser Drache, das Symbol von «Combat 18» (Kampfgruppe Adolf Hitler). C18 gilt als militanter Arm von B&H und ist in Deutschland verboten.

Der dritte Schweizer Nationalist, der sich mit den Neonazis von B&H offenbar sehr gut versteht, heisst Sandro S.* und hat italienische Wurzeln.  Er lebt bei seinen Eltern im Kanton Schwyz in einem Reihenhaus – in Sichtweite des Zürichsees. Der Vater hat früher bei einer Grossbank gearbeitet und ist heute selbständig. Einem Nachbarn ist der 20-jährige Sohn als bloss «netter Bub» aufgefallen, der manchmal mit der Familienhündin durch die Gegend streife.

Blutverschmiert beim Boxtraining

Der 20-Jährige hat eine Lehre als Architekturzeichner absolviert und boxt gelegentlich in einem Active Club. Dabei lädt er Fotos von sich mit lädiertem und blutverschmiertem Gesicht auf Instagram hoch. Daneben hat er auch in einem Militärschützenverein mit dem Sturmgewehr und einer alten, aber höchst präzisen Pistole des Typs SIG P210 trainiert. Die Schweizer Nationalisten betonen auf Anfrage, ihre Ziele ohne Gewalt verfolgen zu wollen.

Die Schweizer Nationalisten mit Fahne und Hitlergruss
Die Schweizer Nationalisten mit Fahne und HitlergrussBild: zVg

Als Innovation in der Szene hat die Gruppe mit KI erzeugtes Propagandamaterial in Umlauf gesetzt – zum Teil mitsamt faschistischen Liktorenbündeln. In auffällig ähnlichem Stil ist auch der als Aufruf zur Luzerner Demo von Mass-Voll gedachte Flyer gehalten, was vermuten lässt, dass es sich bei den Urhebern erneut um die Schweizer Nationalisten handelt.

Den blutjungen Männern geht es um die «Bedrohung der weissen Rasse» durch «kulturfremde» Migranten und Juden. Wegen ihrer Überlegenheitsphantasien gegenüber anderen Ethnien und Kulturen nennt man solche Leute auch Suprematisten.

«Mord isch nöd nötig»

Erstmals tauchte die Gruppe im letzten Sommer auf Telegram auf. Dort wurde dann ein Video von einem Boxtraining veröffentlicht. Anwesend waren damals auch Mitglieder eines Active Clubs. Später folgte eine Nachtwanderung im Kanton Schwyz mit Fackeln und Fahnen. Bei einem Ausflug im Tessin liessen sich die Schweizer Nationalisten zusammen mit Neonazis eines Active Clubs ablichten, die rechte Hand zum Teil zum Hitlergruss erhoben.

Im Gruppenchat auf Telegram fragt ein Nutzer, was der Unterschied zwischen einem Active Club (AC) und den Schweizer Nationalisten sei. Diese antworten: «AC isch meh Sportverein. Mir sind ufem Weg zunere Partei.» Und über diese «Partei» könnten Anhänger zum Beispiel auch T-Shirts beziehen. Oder Parteiabzeichen mit einem Keltenkreuz und einer abgewandelten schwarzen Sonne, einem eindeutigen Symbol von Rechtsradikalen. Dazu kommen auf dem kreisrunden Abzeichen zuunterst die Worte «Ehre – Treue – Leben». Das erinnert an den Wahlspruch der SS: «Meine Ehre heisst Treue.» Das Abzeichen und die T-Shirts werden von der ukrainischen Neonazi-Marke Runic Storm kreiert und produziert.

Worüber unterhalten sich diese Leute? In den Gruppenchat stellt eine Amerikanerin ein Foto, auf dem eine weisse Frau eine gefesselte und vermummte Person von hinten erschiesst. Dazu schreibt sie auf Englisch: «Das ist billiger als Remigration.» Die Schweizer Nationalisten entgegnen: «Mord isch nöd nötig. Remigration langet.» Neben der massenweise Abschiebung von Ausländern fordern die Extremisten aber auch die Einrichtung von Arbeitslagern für ihre Gegner, wozu sie Schwule und Linksextreme zählen.

Linke zermalmen

In einem Ausschnitt eines amerikanischen Videobeitrags, den die Schweizer Nationalisten im Gruppenchat verbreiten, sind folgende Worte zu lesen: «Die schwarze Rasse ist Untermenschenmüll.» Dann aber auch: Politische Gewalt werde abgelehnt, die Macht im Staat müsse auf legalem Weg übernommen werden. «Nur dann können wir die Linken ein für allemal zermalmen.»

Yannick B.*, ein Mitläufer der Schweizer Nationalisten, posiert mit Sturmgewehr und SS-Totenköpfen.
Yannick B.*, ein Mitläufer der Schweizer Nationalisten, posiert mit Sturmgewehr und SS-Totenköpfen.Bild: zVg

Zu den Tessiner Bekanntschaften der Gruppe gehört Yannick B.*, der gerne auch mal mit den Schweizer Nationalisten Ski fährt. Dabei darf der Hitlergruss nicht fehlen. Der Neonazi arbeitet in einer Baufirma bei Bellinzona, er hat eine ukrainische Freundin und posiert mit einem AR-15-Sturmgewehr, das mit einer Odal-Rune verziert ist.

Das Gewehr erinnert an die Mordwaffe des australischen Terroristen Brenton Tarrant, der 2019 in Neuseeland 51 Menschen erschoss und etwa 50 verwundete. Ob es sich beim abgebildeten Sturmgewehr um eine echte Waffe oder um eine Attrappe handelt, bleibt unklar. Das Bild hat der Tessiner mit SS-Totenköpfen und den Worten «Töten für Wotan» ergänzt.

Die Nähe der Schweizer Nationalisten zu gewalttätigen B&H-Mitgliedern und Leuten wie Yannick B., die offensichtlich Rechtsterroristen verehren, wirkt alarmierend. Auf ihr Verhältnis zu B&H und Nicolas Rimoldi angesprochen, antwortet die Gruppe so: Man arbeite grundsätzlich mit Organisationen zusammen, die bestimmte Anliegen und Interessen der Schweizer Nationalisten teilten – solange es gewaltlos bleibe. Das gelte auch für Rimoldi und Mass-Voll, eine Bewegung ausserhalb der etablierten Parteien, von denen sich viel junge Menschen zunehmend distanzierten. Immerhin, die Demonstration in Luzern am letzten Samstag blieb absolut friedlich.

* Name geändert

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Die beliebtesten Kommentare
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Alnothur
12.05.2026 10:27registriert April 2014
Das sind keine Patrioten, hört auf, die so zu bezeichnen.
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Pitch Black
12.05.2026 10:33registriert März 2022
Das ist ja ein lustiger Haufen. Es gibt nichts Gefählicheres als die, welche das 3. Reich wieder aufleben lassen wollen und noch immer nach einem Nachfolger für Adolf Hitler suchen.

Frühzeitig solche Clubs als Rechstradikal verbieten.
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Aussie
12.05.2026 10:30registriert Mai 2014
Im Falle des Tessiners mit der AR-15, dessen Umfeld und seine Aktivitäten anscheinend bekannt sind, wäre eine Intervention des Waffenbüros des Tessins wohl angezeigt.
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