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Syrien

CNN-Blamage: «Befreiter Gefangener» entpuppt sich als Assad-Folterer

Dieses Bild soll Salama Mohammad Salama als Untergebenen Assads zeigen.
Dieses Bild soll Salama Mohammad Salama als Untergebenen Assads zeigen.Bild: Verify-Sy

Nach CNN-Story: Befreiter aus Assads Horror-Knast soll in Wahrheit ein Folterer sein

Die Story über eine angebliche Befreiung eines Häftlings aus Assads Foltergefängnis in Damaskus warf starke Zweifel auf. Faktenprüfer gehen nun gar davon aus, dass der «Befreite» in Wahrheit ein Scherge des gestürzten syrischen Machthabers ist.
17.12.2024, 08:3017.12.2024, 10:55
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Wenige Tage ist es her, als dem US-Sender CNN scheinbar spektakuläre Aufnahmen gelingen. Von der Kamera begleitet, durchsucht Journalistin Clarissa Ward eines der Folter-Gefängnisse des geflüchteten Diktators Bashar al-Assad. In einem unglaublichen Fernsehmoment findet das Newsteam einen Mann unter einer Decke, offenbar ein vergessener Häftling.

Nur: Der Mann wirkt mehr als unglaubwürdig. Obwohl er behauptet, bereits drei Monate in dem Gefängnis zu sitzen, lässt seine Erscheinung stark daran zweifeln. Kurzgeschorenes Haar, sauber getrimmter Bart, saubere Kleidung – alles zu perfekt, um wahr zu sein. Im Internet macht sich Spott über die scheinbare Befreiungsaktion breit.

Hier die Reportage von CNN:

Video: extern/cnn

Assad-Gefangener in Wirklichkeit ein Folterer?

Verify-Sy, eine unabhängige syrische Plattform zur Faktenprüfung, erklärte nun, dass es sich bei dem Mann aus dem Video in Wahrheit um Salama Mohammad Salama handle, einem Oberleutnant beim Geheimdienst der syrischen Luftwaffe. In seiner Funktion unter Assads Führung habe er mehrere Sicherheitskontrollpunkte in Homs geleitet. Auch soll er an Diebstählen, Erpressungen und der Nötigung von Einwohnern beteiligt gewesen sein. Dies mit dem Ziel, diese Leute zu Informanten des Regimes zu machen.

Verify-Sy behauptet weiter, dass Salama Zivilisten getötet, zahlreiche junge Männer unschuldig festgenommen oder gefoltert habe. 2014 soll er zudem an Militäroperationen teilgenommen haben, bei der Assads Streitkräfte Homs nach einer dreijährigen Belagerung von den syrischen Rebellen einnahmen.

Anwohner hätten gegenüber den Faktenprüfern ausserdem erzählt, dass Salamas Inhaftierung auf einen Streit mit einem höherrangigen Offizier über die Gewinne aus erpressten Geldern zurückzuführen sei. Er sei deswegen auch nicht drei, sondern lediglich einen Monat hinter Gittern gewesen.

Verify-Sy veröffentlichte ein Foto auf ihrer Website, das nach Angaben der Faktenchecker Salama in Militäruniform in seinem Büro zeigt. Das Bild liefere «eine weitere Bestätigung seiner früheren Aktivitäten», schreibt die Plattform dazu. (luk/thw)

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14 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Sarkasmusdetektor
17.12.2024 13:00registriert September 2017
Das würde wohl auch erklären, warum den vorher niemand befreit hat.
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Dong
17.12.2024 09:35registriert Oktober 2016
Die Idee, dass CNN ganz zufällig dabei ist, wenn Rebellen jemanden aus dem Gefängnis befreien, ist ohnehin völlig absurd. Das war von Anfang an sog. "Embedded Journalism", da muss eine Institution wie CNN einfach selber wissen, dass das zumindest gesteuert ist, was ihren ReporterInnen überhaupt gezeigt wird.
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spagateur
17.12.2024 08:57registriert Oktober 2024
Naja, auch die angeblich korrekte Version, dass er 1 Monat im Knast gewesen sein soll, ist schon nur anhand seines Aussehen sehr unglaubwürdig... kA was CNN da inszeniert hat. sieht eher danach aus, als hätte der sich maximal paar Minuten da unten aufgehalten.
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