«Lajsstt iuns Nordj-Strieam-Pipelines sserstören.»
Irgendwie so, wird es wohl geklungen haben, als jemand unter starkem Alkoholeinfluss und patriotischem Eifer die Zerstörung Erdgas-Pipelines vorschlug, die von Russland nach Deutschland verlaufen.
Schliesslich spülten die Unterwasser-Pipelines Milliarden in die Kriegsmaschinerie des Kremls.
So berichtet es zumindest der Wall Street Journal, der mit vier hochrangigen ukrainischen Verteidigungs- und Sicherheitsbeamten sprach, die am Komplott beteiligt waren.
Rund vier Monate später, in den frühen Morgenstunden des 26. Septembers 2022, flimmerten skandinavische Seismographen, die auf ein Wassererdbeben oder auf einen Vulkanausbruch in der dänischen Insel Bornholm hindeuteten.
Doch anstelle eines Naturphänomens handelte es sich um einen Anschlag auf eine Infrastruktur an der Ostsee, welche die Energiekrise in Europa verschärfte, einen riesigen Umweltschaden verursachte – und der nach internationalem Recht als Kriegshandlung gewertet werden könnte.
Nach dem Angriff stiegen die Energiepreise sprunghaft an, das ausgetretene Gas entsprach 32 Prozent des jährlichen CO₂-Ausstosses von Dänemark.
Die ganze Welt fragte sich: Wer hat den Anschlag verübt? Die Ukraine? CIA? Oder hat Putin den Nord-Stream selbst sprengen lassen?
Das Wissensleck wurde mit zahlreichen Spekulationen gefüllt.
Putin machte sofort die USA für die Angriffe verantwortlich – diesem Narrativ bleibt er bis heute treu. Trotz der neuen Recherchen.
Nach dem Anschlag begannen schwedische, dänische und deutsche Ermittlungsbehörden wegen Sabotage zu ermitteln. Die Teams suchten auf dem Meeresboden nach Hinweisen, ersuchten Zeugen, durchforsteten Massen von Daten.
Rund drei Monate vor dem Angriff soll der niederländische Militärgeheimdienst (MIVD) den deutschen Bundesnachrichtendienst (BND) vor einer Attacke gewarnt haben. Später meldete sich auch die US-amerikanische CIA: Taucher planen, die Gasröhre zu sprengen. Doch der BND schätzte die Hinweise als unglaubwürdig ein.
So konzentrierten sich die Ermittler auf Geheimdiensthinweise. Schnell ins Visier geriet das Segel «Andromeda», das in der Ostseeregion unterwegs war, als sich der Angriff ereignete.
Ein Glückstreffer.
Im Boot konnten Sprengstoffspuren, Fingerabdrücke und DNA-Proben sichergestellt werden. Bei den Ermittlungen zum Tatverdächtigen soll offenbar ein Blitzkasten verholfen haben. Ein Zeuge gab an, in der Nähe des Tatorts Rügen drei Personen in einem weissen Kleintransporter gesehen zu haben. Der Fahrer, ein ukrainischer Staatsbürger und Taucher, habe den Recherchen zufolge nicht nur Tauchequipment zum Segelboot transportiert, sondern sei selbst zum Meeresboden getaucht, um Sprengstoff an der Pipeline zu befestigen.
Gegen ihn erliess der Bundesgerichtshof bereits im Juni 2023 einen europäischen Haftbefehl. Zu einer Festnahme kam es bislang nicht, der tatverdächtige Taucher ist untergetaucht. Zuletzt soll er sich in Polen aufgehalten haben. Womöglich ist er gewarnt worden und zurück in die Ukraine gereist, wo ihm Immunität vor Strafverfolgung gewährt wird.
Auf dem gemieteten Segelboot sollen sich sechs Personen aufgehalten haben, darunter ausgebildete Taucher. Mit einer Frau an Board habe man den Anschein erwecken wollen, dass es sich bloss um eine Gruppe von Freunden handelt.
In stockfinsterer Nacht sollen vier Taucher paarweise operiert haben. Denn um 20 Minuten in der Tiefe zu tauchen, wird normalerweise eine Dekompressionspause von etwa drei Stunden eingelegt. Taucher sollten danach mindestens 24 Stunden aufs Tauchen verzichten.
An der Pipeline brachten sie den Sprengstoff Oktogen an, der auch unter Wasser explodiert – und die Rohre auseinanderriss. Mittels Mobiltelefonnummern konnten die Ermittler, die ganze Reise des Bootes rekonstruieren. Die Operation habe rund 300'000 Dollar gekostet, heisst es in dem Bericht.
Die Ukraine hat eine Beteiligung an der Explosion stets bestritten. Doch gegenüber dem Wall Street Journal behaupten beteiligte Offiziere das Gegenteil. Der ukrainische Präsident habe den Plan zunächst gebilligt. Doch als er Drohungen der CIA erhalten habe, ordnete er offenbar den Abbruch der Operation an.
Der zuständige Offizier habe den Befehl ignoriert. Dieser musste seinen Posten zu Beginn des Jahres räumen. Er lebt nun in Grossbritannien, wo er Immunität vor Strafverfolgung geniesst. Er streitet die Vorwürfe ab. Die ukrainischen Streitkräfte wären nicht befugt, Auslandseinsätze durchzuführen.
Die Ukraine weist den Bericht zurück. Eine Verwicklung der Ukraine in die Nord-Stream-Explosionen ist absoluter Unsinn, sagt Selenskyjs Berater Mychajlo Podoljak. Nur Russland sei imstande, einen solchen Angriff zu verüben.
Ein Angriff auf eine milliardenschwere Erdgas-Pipeline von einem Land, in das Waffen und Milliarden fliessen. Das sind happige, hochpolitische Vorwürfe. Roderich Kiesewetter, Mitglied des Deutschen Bundestages, warnt vor Vorverurteilungen. Der Fall sei in grossem Masse undurchsichtig. Noch könne nicht ausgeschlossen werden, ob es sich um eine Operation unter falscher Flagge handelt.
Für Russland ist jetzt schon klar: Bei den Recherchen handelt es sich um ein Märchen wie aus einem Grimm-Buch. Verantwortlich für den Angriff sind die USA.
Was denn auch sonst? 😅
Dass die Pipeline kaputt ging hätte eigentlich zum grössten Glücksfall für Deutschland werden können. 16 Jahre Merkel und ein komplettes Verpennen von Digitalisierung, Ausbau Infrastruktur, Investment in Erneuerbare Energien etc.
Und dann plötzlich ist das Ding weg und die Ampel hätte pushen können. Aber stattdessen ein Weiterso wie unter Merkel hauptsächlich dank blockierender FDP. Ausser Pistorius, Baerbock und Habeck ist nichts da was Hoffnung bringen würde.
Deutschland? Quo Vadis?