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Was Ukrainer in russischer Kriegs-Gefangenschaft erleben

Ukrainian soldiers speak to their relatives after returning from captivity after a Prisoners of War (POWs) exchange between Russia and Ukraine, in Chernihiv region, Ukraine, Wednesday, Aug. 19, 2026.  ...
Ukrainische Kriegsgefangene können nach ihrer Freilassung erstmals wieder mit ihren Angehörigen sprechen, aufgenommen am 19. August 2026.Bild: keystone

Sexuelle Gewalt als Folter: Was Ukrainer in russischer Gefangenschaft erleben

Ein neuer UNO-Bericht dokumentiert mehr als 1000 Fälle seit Beginn der russischen Vollinvasion. Die meisten Opfer sind Männer – und die Gewalt folgt wiederkehrenden Mustern.
24.09.2026, 19:2324.09.2026, 19:23
Ivan Ruslyannikov / ch media

Vergewaltigungen, Stromschläge an den Genitalien, erzwungene Nacktheit und sexuelle Erniedrigung: Ein neuer Bericht der UNO dokumentiert mehr als 1000 Fälle konfliktbezogener sexueller Gewalt seit Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine. Der weit überwiegende Teil wird russischen Behörden zugerechnet.

Die meisten Opfer russischer Gewalt sind Männer – in 725 Fällen. Frauen und Kinder sind ebenfalls betroffen. Die Übergriffe ereigneten sich in praktisch allen Phasen der Gefangenschaft: bei der Festnahme, beim Transport, während Verhören, in Haftanstalten und selbst kurz vor einem Austausch oder einer Freilassung.

In 155 Fällen dokumentierte die UNO Stromschläge an den Genitalien. Häufig kam dabei ein sowjetisches Feldtelefon zum Einsatz. Drähte oder Klemmen werden am Körper befestigt, durch Drehen einer Kurbel wird Strom erzeugt. In Russland ist diese Foltermethode unter dem zynischen Namen «Anruf bei Putin» bekannt.

People wait to greet Ukrainian soldiers as they return from captivity after a Prisoners of War (POWs) exchange between Russia and Ukraine, in Chernihiv region, Ukraine, Wednesday, Aug. 19, 2026. (AP P ...
Angehörige warten in der Region Cherniv darauf, dass ihre Liebsten aus russischer Gefangenschaft zurückkehren.Bild: keystone

Ein ehemaliger ukrainischer Kriegsgefangener berichtete der UNO, er sei zwischen April 2022 und Mai 2025 in einer russischen Strafkolonie wiederholt gefoltert worden. Mitarbeiter hätten ihn mit Zellenschlüsseln vergewaltigt. Bei Durchsuchungen musste er mit anderen Gefangenen tanzen und sie küssen.

Ein ziviler Mann aus der Region Saporischschja, den russische Behörden im August 2024 festnahmen, wurde bei einem Verhör mit Strom gefoltert; die Drähte waren an Brustwarzen und Genitalien befestigt. In der Region Cherson zerrten zwei russische Soldaten im März 2024 eine 17-Jährige in ein Auto und vergewaltigten sie gemeinsam. In einem weiteren von der UNO dokumentierten Fall wurde ein ukrainischer Kriegsgefangener nach seiner Gefangennahme sexuell verstümmelt und vergewaltigt, bevor er erschossen wurde.

Soldaten, lokale Beamte und Zivilisten sind betroffen

Die Gewalt beschränkt sich nicht auf einzelne Gefängnisse oder Einheiten. Die UNO dokumentierte sexuelle Gewalt in zahlreichen offiziellen und inoffiziellen Haftorten in den besetzten Gebieten und in Russland. Betroffen waren Kriegsgefangene, ehemalige Soldaten, Angehörige der Sicherheitsbehörden, lokale Beamte und Zivilisten, denen eine proukrainische Haltung vorgeworfen wurde.

Häufig sollte die Folter Informationen erzwingen. Gefangene sollten Angaben über ukrainische Truppen machen oder zur Zusammenarbeit mit russischen Geheimdiensten gebracht werden. Sexuelle Gewalt diente zugleich der Einschüchterung und Erniedrigung.

Was die Opfer nach der Freilassung brauchen

Für die Betroffenen endet die Geschichte mit der Freilassung nicht. Viele kehren schwer traumatisiert aus russischer Gefangenschaft zurück. Wie schwierig dieser Weg sein kann, weiss Ljudmila Husejnowa aus eigener Erfahrung.

Die ukrainische Menschenrechtsaktivistin wurde 2019 festgenommen und unter anderem im berüchtigten Gefängnis «Isoljazija» in Donezk festgehalten. Man warf ihr «Spionage» und «Extremismus» vor. Insgesamt verbrachte sie drei Jahre in Gefangenschaft, bevor sie 2022 bei einem Gefangenenaustausch freikam.

Ukrainian soldiers smoke after returning from captivity after a Prisoners of War (POWs) exchange between Russia and Ukraine, in Chernihiv region, Ukraine, Wednesday, Aug. 19, 2026. (AP Photo/Francisco ...
Die UNO dokumentiert mehr als 1000 Fälle, in denen Russland ukrainische Gefangene verstümmelt haben soll.Bild: keystone

Heute unterstützt Husejnowa mit ihrer Organisation «Numo Sisters» Frauen, die aus russischer Gefangenschaft zurückkehren. «In den ersten Tagen sind sie sehr verschlossen und zurückhaltend, ihre Gesichter und Körper sind angespannt», sagte sie dem polnischen Magazin «Nowa Polska». Die Frauen erhalten psychologische und psychotherapeutische Hilfe und können sich in einem geschützten Raum mit anderen Betroffenen austauschen.

Auch der ukrainische Staat hat inzwischen einen Hilfsmechanismus geschaffen. Opfer sexueller Gewalt im Zusammenhang mit dem Krieg können eine einmalige Zahlung von 3000 Euro erhalten. Anspruch haben auch Kinder, die infolge solcher Verbrechen geboren wurden. Finanziert wird die Hilfe durch internationale Partner und Spender. (schweizheute.ch)

Hilfe für gewaltbetroffene Personen
Im Notfall direkt bei der Polizei melden: Telefonnummer 117

In allen Kantonen gibt es zudem Beratungsstellen, die Opfer von häuslicher Gewalt weiterhelfen. Alle Angebote findest du hier.

Zuflucht für volljährige Frauen und deren Kinder, die von körperlicher, psychischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen sind, gibt es in diversen Frauenhäusern in der Schweiz. Weitere Informationen findest du hier.

Zuflucht für Männer, die von psychischer oder physischer Gewalt betroffen sind, gibt es in den Einrichtungen von Zwüschehalt. Weitere Informationen findest du hier.

Im Schlupfhuus finden Kinder und Jugendliche Zuflucht und Ansprechpersonen. Weitere Informationen findest du hier.

Zuflucht für minderjährige Mädchen gibt es im Mädchenhaus. Weitere Informationen findest du hier.

Die Dargebotene Hand bietet Gespräche und anonyme Beratungen rund um die Uhr an. 📱142 / www.143.ch

Für Jugendliche gibt es das gleiche Angebot von Pro Juventute. 📱147 / www.147.ch

Die LGBT+-Helpline bietet Hilfe und Unterstützung für queere Menschen. 📱0800 133 133 / www.lgbt-helpline.ch
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quelle: keystone / bo amstrup
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