US-Uni soll Vergewaltigung mit Aufsatz bestraft haben – nun wird der Fall neu aufgerollt
Was ist passiert?
Eine ehemalige Studentin der Cornell-Universität soll vor zwei Jahren von sieben Mitgliedern der Studentenverbindung «Chi Phi» unter Drogen gesetzt, angegriffen und stundenlang vergewaltigt worden sein. Angeblich soll einer der Beschuldigten andere Verbindungsmitglieder über Snapchat dazu aufgefordert haben, sich an der Vergewaltigung zu beteiligen. Nach dem mutmasslichen Vorfall soll die Frau die Universität verlassen haben.
Anfang September 2026 reichte die ehemalige Studentin eine Zivilklage ein. Das brachte den Fall jetzt nochmal ins Rollen.
Was sagt der Anwalt des Opfers?
Laut dem Anwalt des Opfers, Thomas P. Giuffra, hat die ehemalige Studentin die Gruppenvergewaltigung sowohl der Universität als auch der örtlichen Polizei gemeldet. Er wirft den Behörden nun vor, dem Fall nicht ausreichend nachgegangen zu sein:
Dennoch habe es weder seitens der Polizei der Cornell-Universität noch von der Staatsanwaltschaft des Tompkins County weitere Ermittlungen gegeben, sagt er. Die Studentenverbindung wurde von der Universität vom Campus verbannt.
Opferanwalt Giuffra sagt laut CBS, dass von den sieben beschuldigten Verbindungsmitgliedern nur zwei von der Universität ausgeschlossen wurden. Die anderen hätten milde Sanktionen erhalten, beispielsweise den Besuch eines Workshops oder das Verfassen eines Aufsatzes.
Die Universität hat letzte Woche eine Stellungnahme zur Zivilklage veröffentlicht, in der sie mitteilte, dass das Bundesdatenschutzgesetz es ihr verbiete, eine öffentliche Angabe zu den Disziplinarmassnahmen zu machen. Sie bestätigt lediglich, dass die Studentenverbindung «Chi Phi» nach wie vor vom Campus ausgeschlossen bleibe.
Was sagt die Staatsanwaltschaft?
Die Staatsanwaltschaft hat vor zwei Jahren keine Klage erhoben. Gegenüber ABC News begründete der Staatsanwalt von Tompkins County, Matthew Van Houten, dies damit, dass die Frau in ihrer damaligen Aussage gegenüber den Behörden nicht behauptet habe, unter Drogen gesetzt worden zu sein. Zudem soll sie nicht ausgesagt haben, dass sie den sexuellen Handlungen nicht zugestimmt habe.
Gleichzeitig gab Van Houten an, dass die Nachricht aus dem Gruppenchat der Staatsanwaltschaft nie vorgelegt worden sei. Er fügte auch hinzu, dass er sich damals stark auf die Ermittlungen der Polizei der Cornell-Universität gestützt habe. Seine Behörde hätte den mutmasslichen Vorfall also nicht «unabhängig untersucht».
Die Staatsanwaltschaft prüft nun aufgrund der eingegangenen Zivilklage erneut, ob gegen die sieben beschuldigten Männer eine strafrechtliche Anklage erhoben werden kann. Der Staatsanwalt Van Houten erklärt:
Wie reagiert die Öffentlichkeit?
Der Fall sorgte insbesondere in den sozialen Medien für grosse Empörung. Beiträge, die den Fall thematisieren, werden tausendfach geteilt. Auch Prominente und politische Persönlichkeiten äusserten sich dazu. So kritisierte die demokratische Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez am Sonntag die Cornell Universität bei einer Veranstaltung in Ithaca, dem Sitz der Universität.
Sexueller Missbrauch werde laut Ocasio-Cortez von Elite-Einrichtungen in den gesamten Vereinigten Staaten geschützt. «Das muss aufhören», sagt sie.
Auch Schauspielerin Florence Pugh zeigt sich auf Instagram schockiert über den Fall. «Mir ist übel und ich bin voller Angst», schreibt Pugh in ihrem Post. Sie appelliert zudem an alle Männer, gerade jetzt nicht wegzuschauen:
(pem)
